Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.06.2014

13:21 Uhr

Studie des Luftfahrtverbands

Das Flugzeug als Oase der Ruhe

VonTobias Döring

Ruhe, bitte! Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Fluggäste keine Telefonate an Bord wünschen. In der Luft surfen sie viel lieber im Internet. Die Airlines haben den Trend offenbar erkannt.

Nickerchen statt Handy am Ohr? „Nicht jede technische Neuerung muss also überall verfügbar sein“, meint der BDL. ddp images/dapd/Lufthansa

Nickerchen statt Handy am Ohr? „Nicht jede technische Neuerung muss also überall verfügbar sein“, meint der BDL.

DüsseldorfWer als Pendler täglich in einen vollen Regionalzug einsteigt, kennt das Phänomen: Die Türen sind noch nicht geschlossen, die letzten Sitze noch nicht belegt, da zückt gefühlt jeder Dritte sein Handy. „Bin gerade im Zug“, heißt es dann, oder die Geräte pfeifen von jeder Ecke – und die Fahrgäste ohne Telefon in der Hand schütteln genervt den Kopf.

In der Luft sind sie offenbar in der Überzahl: Im Flugzeug befürworten nur wenige Passagiere das Telefonieren. Gerade einmal 13 Prozent sprachen sich in einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen dafür aus. „Das zeigt, dass das Flugzeug auch als Rückzugsort gesehen wird, an dem man ungestört reisen möchte“, sagte Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der die Befragung in Auftrag gegeben hat. „Nicht jede technische Neuerung muss also überall verfügbar sein“, so Siegloch.

Roter Teppich für alle – Ungewöhnliche Zusatzservices

Last-Minute-Upgrade

Bei Delta in den USA verkaufen die Flugbegleiter an Bord mithilfe ihrer Tablet-Computer Upgrades für die letzten freien First-Class-Sitze, in der Regel für weniger Geld als bei einer frühzeitigen Buchung.

Koffer nach Hause

Für 30 Dollar liefern American Airlines und US Airways innerhalb von vier Stunden nach der Landung in den USA den Koffer ins Hotel oder nach Hause, damit sich die Kundschaft das Warten am Band sparen kann.

Genuss am Himmel

Bei Langstreckenflügen aus Paris bietet Air France neben dem kostenlosen Standardessen fünf weitere Menüs der traditionellen französischen Küche, von Bio bis zur 28 Euro teuren, viergängigen „Sélection“ des Gourmettempels „Maison Lenotre“ aus Paris. Kurzentschlossene Genießer können über den -À-la-Carte-Service von Austrian Airlines noch eine Stunde vor Abflug beim Wiener Edelcaterer Do & Co für 15 Euros Tapas, Salate und natürlich Wiener Schnitzel mit Vor- und Nachspeise ordern.

Kindermenü für einen Penny

Bestellen Eltern beim britischen Ferienflieger Jet2.com eine Mahlzeit (ab umgerechnet 9,50 Euro), bekommen ihre Kinder das Menü für einen Penny. Damit die Eltern nicht vergessen zu bestellen, erinnert sie die Linie rechtzeitig vor dem Abflug mit einer Mail, wie lang der Flug ist.

Bequemer zum Flieger

Zum „Roter Teppich“ genannten Paket des malaysischen Billigfliegers Air Asia gehört für umgerechnet 25 Euro freies WLAN am Flughafen, eine schnellere Pass- und Sicherheitskontrolle und das Versprechen, dass der Koffer bei Ankunft zuerst auf das Gepäckband rollt.

Extra-Flatrate

Für eine Pauschale von 199 Dollar können die Kunden bei Delta drei Monate lang auf jedem Flug innerhalb der Vereinigten Staaten ohne Zusatzgebühr einen Koffer aufgeben und zusätzlich als Erste ins Flugzeug einsteigen. Darüber hinaus bekommen sie außerdem Sitze mit mehr Platz und zusätzliche Meilen im Bonusprogramm.

Serviceclub

250 Euro verlangt der spanische Billigflieger Vueling für zehn Lounge-Besuche, schnellere Sicherheitskontrollen und das Recht, als Erster einzusteigen. Beim ungarischen Ultra-Geizflieger Wizzair bekommen Mitglieder des Discount Clubs für knapp 30 Euro Jahresgebühr immer mindestens zehn Euro Rabatt auf alle Tickets außer den allerbilligsten.

Laden an Bord

In ihren Airbus A380-Superjumbos bietet Korean Air statt der bei anderen üblichen Bar einen Duty-free-Laden mit 64 Artikeln. In den Regalen gehalten werden die zollfreien Waren von kleinen Magneten – damit die teuren Parfüms und Cremes bei Turbulenzen nicht herumfliegen.

Kaufhaus im Vordersitz

Über sein Bordunterhaltungssystem verkauft der US-Billigflieger Virgin America ein Schlafset mit Kissen und Decke für neun Dollar sowie Schmerz- und Schlaftabletten für vier Dollar. Die Rechnung begleichen die Passagiere am Ende des Fluges am Bildschirm per Kreditkarte.

Nie mehr Kofferverlust

Die australische Qantas verkauft für umgerechnet 40 Euro einen Gepäckanhänger, der dank RFID-Technik immer zeigt, wo der Koffer gerade ist. Ein ähnliches System erprobt auch British Airways.

Quelle: Wirtschaftswoche, Rüdiger Kiani-Kreß

Weitaus wichtiger war den Befragten hingegen das Surfen an Bord. 40 Prozent würde gerne das Internet in der Luft nutzen, fand der „Verbraucherreport 2014“ des BDL heraus – und zeigt damit, dass die Fluggesellschaften mit ihrer Politik richtig liegen. Denn immer mehr Airlines setzen auf WLAN an Bord, immer öfter dürfen zudem elektrische Geräte auch bei Start und Landung im Flugmodus angelassen werden.

Seit März ist das zum Beispiel auf viele Flügen der Lufthansa möglich. Zuvor wurde befürchtet, dass Smartphones oder Tablets die empfindliche Elektronik der Flugzeuge stören. Surfen ist im Flugmodus über den Mobilfunk natürlich nicht möglich. Aber viele Airlines bieten über den Wolken Netzzugänge gegen Bezahlung an – bei der Lufthansa wird das unter dem Markennamen „Flynet“ vermarktet. WLAN an Bord könnte für die Airlines in Zukunft zu einem Zusatzgeschäft werden.

Besonders wichtig beim Flug ist den Passagieren der Umfrage zufolge das Sicherheitsgefühl (97 Prozent). Die Sauberkeit an Bord, die Freundlichkeit des Personals und das Preis-Leistungsverhältnis folgen mit geringen prozentualen Abschlägen.

Überraschend: Das Unterhaltungsprogramm an Bord ist den Fluggästen mit 31 Prozent weniger wichtig als die Internetverbindung. Und bei der BDL-Untersuchung springt noch ein weiterer Punkt ins Auge: „90 Prozent der Fluggäste waren mit ihrem letzten Flug zufrieden oder sehr zufrieden – das ist ein neuer Spitzenwert“, sagte Siegloch. Dabei wurde ausschließlich nach den Erfahrungen beim letzten Flug gefragt, um das Bild nicht durch besonders positive oder negative Erfahrungen in der Vergangenheit zu verzerren, schreiben die Autoren.

Für den „Verbraucherreport“ hat die Forschungsgruppe Wahlen insgesamt 1042 Bürger und Bürgerinnen befragt, die in den vergangenen zwei Jahren geflogen sind.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×