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14.08.2013

14:11 Uhr

Studie

Gewinn der Dax-Konzerne schrumpft

Die Dax-Unternehmen konnten im zweiten Quartal ihre Umsätze steigern, büßten aber beim Gewinn ein. Preissenkungen setzen den deutschen Riesen zu. Um aus der Misere zu kommen stoßen sie nun in neue Märkte vor.

Die Dax-Anzeigetafel in Frankfurt. Trotz Sparbemühungen investieren die Dax-30 immer mehr in Forschung. dpa

Die Dax-Anzeigetafel in Frankfurt. Trotz Sparbemühungen investieren die Dax-30 immer mehr in Forschung.

StuttgartTrotz eines neuen Umsatzrekords haben die deutschen Großkonzerne im zweiten Quartal bei den Gewinnen deutliche Abstriche machen müssen. Hintergrund waren auch Preisnachlässe im schwachen europäischen Markt. Bereinigt um den Verkauf der EADS-Anteile, der den Gewinn des Autoherstellers Daimler einmalig nach oben schraubte, ging der operative Gewinn (Ebit) der 30 im Dax notierten Unternehmen um vier Prozent zurück, wie die Unternehmensberatung Ernst & Young in einer am Mittwoch in Stuttgart veröffentlichten Studie feststellte.

Der Gesamtumsatz stieg leicht um zwei Prozent auf 308 Milliarden Euro und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Mit RWE und Thyssenkrupp haben am Mittwoch die letzten beiden Dax-Konzerne ihre Quartalsberichte vorgelegt.

„Im Europa-Geschäft sind derzeit kaum noch Wachstumsraten zu erzielen, wichtige europäische Märkte stecken immer noch in der Rezession“, sagte Ernst-&-Young-Partner Thomas Harms. Die Umsätze der Dax-Konzerne in Europa sanken um 0,5 Prozent. „Um trotz schwacher Nachfrage den Absatz anzukurbeln, setzen viele Unternehmen auf Preissenkungen - was allerdings die Profitabilität senkt und letztlich sogar an die Substanz gehen kann“, so Harms.

Dax-Bilanz 2012: So stark wie lange nicht mehr

Die drei Schlusslichter

Platz 30: Eon
Auch in einem guten Börsenjahr können Anleger verlieren – zum Beispiel mit der Aktie von Eon. Der Kurs des Stromkonzerns fiel um 15,5 Prozent: Schon im Jahr davor gehörten die Eon-Aktien zu den schwächsten.
Platz 29: Deutsche Telekom
Unter dem Strich stand ein Minus von drei Prozent. Die Dividende sinkt.
Platz 28: Fresenius Medical Care
Der Dialysekonzern fällt mit einem kleinen Minus (-0,4 Prozent) im Dax deutlich zurück. In den USA droht bei Dialyselösungen eine Sammelklage.

So gerade im Plus

Platz 27: Thyssen-Krupp
Auf Jahressicht lagen die Aktien von Thyssen-Krupp nur hauchdünn im Plus (+ 0,2 Prozent). In den vergangenen drei Jahren verloren die Papiere knapp 30 Prozent an Wert. Der Konzern steckt tief in der Krise.
Platz 26: K+S
K+S leidet unter niedrigen Preisen für seine Kali-Düngemittel. Die Aktie machte eine wahre Achterbahnfahrt durch.
Platz 25: Infineon
Wegen der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten ist der Gewinn von Infineon eingebrochen. Der Konzern reagierte und setzte Kurzarbeit ein.

Drei Schwergewichte schwächeln

Platz 24: Deutsche Börse
Für die Deutsche Börse wirkte die gescheiterte Super-Fusion mit der Nyse im Jahr 2012 immer noch nach. Die Aktie der Deutschen Börse hat 2012 sieben Prozent zugelegt.
Platz 23: Commerzbank
Die Aktien konnten 2012 gerade mal um zehn Prozent steigen. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 kostete die Aktie des zweitgrößten deutschen Bankhauses noch rund 30 Euro, heute gerade mal 1,44 Euro.
Platz 22: Siemens
Siemens verdient gut und spart. Auf Jahressicht reicht es aber nur zu einem Plus von 11,2 Prozent.

Unteres Mittelfeld

Platz 21: Deutsche Bank
11,9 Prozent im Plus. Bei der Jahresendrally wurde die Aktie ausgelassen.
Platz 20: Linde
Mit einem Plus von 14,8 Prozent schneidet Linde deutlich schwächer ab als der Dax. In den kommenden Jahren wird vor allem gespart.
Platz 19: RWE
Die Energiewende trifft RWE hart. Die Aktie legte dennoch seit Jahresbeginn 2012 um 15,1 Prozent zu - deutlich besser als Konkurrent Eon.

Mittelfeld

atz 18: Daimler
Im Oktober enttäuschte Daimler und schickte die Aktie damit auf Talfahrt. Auf Jahressicht hat die Aktie um 21,8 Prozent zugelegt.
Platz 17: Fresenius
Die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius ist 2012 um 21,9 Prozent gestiegen. Im Jahr seines 100-jährigen Bestehens feierte das Unternehmen Rekorde.
Platz 16: Merck
Merck blickt auf ein durchwachsenes Jahr zurück. Die Aktionäre vertrauten dem Unternehmen trotzdem. In 2012 stieg der Aktienkurs um 29,6 Prozent.

Oberes Mittelfeld

Platz 15: BASF
2012 war das Jahr des Umbaus bei BASF. Die Aktie des Chemiekonzerns hat 32 Prozent zugelegt. Auf Drei-Jahres-Sicht steht sogar ein Plus von mehr als 60 Prozent zu Buche. BASF gehört zu den Konzernen, die Anlegern konstant satte Dividenden auszahlen.
Platz 14: Adidas
Die Aktie des Sportartikelherstellers kann ein stolzes Jahresplus von 34 Prozent vorweisen. Seit 2009 hat sie fast 150 Prozent zugelegt.
Platz 13: Henkel
Die Aktionäre dürfen mit einem Plus von 39,5 Prozent zufrieden sein. Die Aktie kostet mit mehr als 60 Euro so viel wie nie. Im Jahr 2009 gab es die Anteilsscheine noch für unter 20 Euro.

Deutsche Post

Der Logistikkonzern ist nach Ansicht von Analysten hervorragend aufgestellt, besonders im Expressgeschäft. Die Entwicklung der Aktie spiegelt das wider: Anleger freuen sich über ein Plus von 39,7 Prozent im Jahr 2012. Der Durchschnitt der Analysten prognostiziert bis 2015 ein jährliches Gewinnwachstum von rund zehn Prozent.

Heidelberg-Cement

Dass in Europa wegen der Euro-Krise weniger gebaut wurde, hat den Baustoffkonzern belastet. Dank seines Sparkurses sowie Preiserhöhungen in absatzstarken Märkten wie Nordamerika steigerte das Unternehmen trotzdem seinen Gewinn. Auch die Aktie schnitt mit einem Plus von 39,8 Prozent über dem Dax-Durchschnitt ab.

BMW

Die Aktie des Autobauers hat 2012 um 40,9 Prozent zugelegt. Wer die Aktie länger hält, darf sich besonders freuen. In den vergangen drei Jahren hat sich der Wert der Aktie um mehr als 120 Prozent gesteigert.

Beiersdorf

Der Nivea-Hersteller entwickelt sich erstaunlich: Ohne große Rücksetzer ist das Papier durch 2012 gerauscht und kann ein Jahresplus von rund 41,2 Prozent vorweisen.

Allianz

Europas größter Versicherungskonzern hatte in diesem Jahr, wie fast alle Vermögensverwalter, mit sinkenden Zinsen zu kämpfen. Die Allianz-Aktie hat sich von ihrem Einbruch in den Jahren 2007/2008 noch nicht erholt, konnte aber deutlich aufholen. 2012 steht ein Plus von 41,8 Prozent zu Buche. Auf Fünf-Jahres-Sicht weist sie allerdings ein Minus von fast 30 Prozent auf.

Münchener Rück

Trotz des Hurrikans Sandy rechnet das Unternehmen 2012 mit einen Gewinn von rund drei Milliarden Euro. Das wären 500 Millionen mehr als Anfang des Jahres geplant. Aktionäre freuen sich über ein Plus von 43,5 Prozent. Die Dividende für 2012 soll oberhalb des Vorjahresniveaus von 6,25 Euro je Anteilsschein liegen.

Bayer

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern gab seine Pläne zur Übernahme des US-Vitaminherstellers Schiff Nutrition auf – Aktionäre waren davon nicht enttäuscht. Die Bayer-Aktie hat 45,5 Prozent an Wert gewonnen.

SAP

Für den Walldorfer Softwarekonzern geht ein Rekordjahr zu Ende. Auch wenn es nicht unter die Top Drei der Dax-Werte reicht, ist der Wertzuwachs der Aktie mit knapp 46 Prozent beachtlich. In den vergangenen drei Jahren machten Aktionäre einen Schnitt von 83 Prozent.

Blech

Volkswagen: Die Vorzugsaktien legten 48,7 Prozent zu. Die Papiere pendelten zwischen 114 und 174 Euro. Besondere Kurspflege gab es von einem Gericht in den USA. Ein New Yorker Berufungsgericht wies die Klage von 26 Hedge-Fonds gegen Porsche zurück. Ein wichtiger Teilerfolg, denn die Kläger werfen dem Unternehmen Betrug und ungerechtfertigte Bereicherung im Zusammenhang mit den Transaktionen mit Volkswagen-Aktien im Jahr 2008 vor. Die Hedge-Fonds sprechen insgesamt von einem Schaden in Höhe von mehr als 1,4 Milliarden Dollar. VW-Aktien stürmten daraufhin an die Spitze des Dax.

Bronze

Lufthansa: Während Air Berlin über den unfertigen Hauptstadtflughafen klagt, kann Lufthansa im Dax glänzen. Die Aktie der größten deutschen Fluglinie kann ein stolzes Kursplus von 55 Prozent vorweisen. Eines der größten Probleme ist die hohe Tankrechnung der Gruppe. Das Sparprogramm soll helfen diese auszugleichen.

Silber

Lanxess: Stolze 65,7 Prozent hat die Aktie des Dax-Neulings 2012 zugelegt. Lanxess wird wegen der Autokrise etwas vorsichtiger. Die Autohersteller sind wichtige Kunden, deswegen schlägt sich die Krise der Branche auf die Zahlen des Chemiekonzern nieder.

Gold

Continental: Die Aktie schaffte nicht nur das zweite Comeback in den Dax (was bisher keinem Unternehmen gelang), sondern setzte sich auch noch an seine Spitze. Mit einem Kursplus von 82 Prozent ist die Continental-Aktie der beste Dax-Wert auf Jahressicht. Dabei hatte die Aktie, bevor sie in den Dax kam, bereits eine Rally von 180 Prozent hinter sich. Das traditionelle Reifengeschäft läuft beim Autozulieferer Continental weiter auf vollen Touren.

Nach wie vor erwirtschaften die Dax-Konzerne fast die Hälfte ihrer Umsätze in Europa. Der Anteil sank nur leicht von 51 auf 49 Prozent. Der nordamerikanische Markt gewann unterdessen an Bedeutung, der Umsatzbeitrag stieg von 21 auf 22 Prozent. Angeheizt werde der Aufschwung vom Fracking-Boom, sagte Harms. „Energie und dadurch niedrigere Preise - davon profitieren insbesondere energieintensive Unternehmen aus der Industrie.“

Die Abkühlung in China schlägt dagegen auch auf andere asiatische Märkte durch. In der Region Asien Pazifik ging der Umsatz um zwei Prozent zurück.

Trotz massiver Sparbemühungen bei den meisten Dax-Unternehmen steigen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E). „Die Strategie der Konzerne lautet: Schlank und flexibel durch die Krise - aber nicht an Zukunftsinvestitionen sparen“, sagte Harms. Insgesamt stiegen die F&E-Aufwendungen um 5 Prozent auf gut 9 Milliarden Euro.

Von

dpa

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