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30.01.2017

10:13 Uhr

Studie zu deutschen Innenstädten

Gute Noten für Leipzig, Erfurt und Heidelberg

Wichtiger als Parkplätze sind den Verbrauchern Ambiente und Flair der Einkaufsstraßen. Unter den Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern schnitt Leipzig besonders gut ab. Doch auch eine ganz kleine Stadt glänzte.

Die Fußgängerzonen wie hier in Frankfurt bekamen in der Studie durchwachsene Noten. dpa

Einkaufsmeile

Die Fußgängerzonen wie hier in Frankfurt bekamen in der Studie durchwachsene Noten.

Trotz vieler Bemühungen zur Aufwertung der Einkaufsstraßen lösen Deutschlands Innenstädte bei den Verbrauchern nach wie vor keine überschäumende Begeisterung aus.

Bei einer Befragung von 58.000 Innenstadtbesuchern in 121 Städten durch das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) gab es für die Attraktivität der Stadtzentren im Durchschnitt nur die Schulnote drei plus. Am besten schnitten noch die Großstädte mit über 500.000 Einwohnern ab. Sie erhielten von den Befragten eine „zwei minus“.

„Mit einer drei plus als Schulnote können Städte, die sich für die Zukunft aufstellen möchten, nicht zufrieden sein“, betonte IFH-Geschäftsführer Boris Hedde. Schließlich stehe die Branche zurzeit durch den Siegeszug des Online-Handels und die demografischen Veränderungen in Deutschland vor großen Herausforderungen.

Der Hintergrund: Von 2014 bis 2016 ist der Umsatz im Onlinehandel laut IFH um gut zehn Milliarden Euro auf 52,3 Milliarden Euro angestiegen. Jeder fünfte Befragte gab bei der IFH-Studie an, inzwischen aufgrund vermehrten Online-Shoppings seltener in die Innenstadt zu fahren.

Den größten Einfluss auf die Bewertung der Innenstädte haben der Studie zufolge ihr Ambiente und Flair. Vor allem der Charakter der Gebäude, Plätze und Grünflächen spiele eine große Rolle. Erst auf Platz zwei folgt die Vielfalt des Einzelhandelsangebots.

Eine untergeordnete Rolle bei der Bewertung spielen dagegen laut Umfrage die Parkplatzsituation und das Angebot von verkaufsoffenen Sonntagen.

„Die Städte müssen sehen, was sie besonders auszeichnet und das betonen. Der Einheitsbrei hat in Zukunft keine Chance“, sagte Hedde. Wer eine attraktive Altstadt habe, könne damit punkten. Doch fast genauso wichtig sei ein attraktiver Sortimentsmix. „Es reicht nicht, die immer gleichen Filialketten zu haben. Hier ist Vielfalt gefragt und Einzigartigkeit“, meint der Handelsexperte.

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Der Umfrage zufolge ist der größte Gegner für die Einzelhändler in den Innenstädten aktuell noch nicht der Online-Handel, sondern die Einkaufsstraße in der Nachbarstadt. Bei Bekleidung, Wohnartikeln oder Schreibwaren wanderten Konsumenten eher in andere Städte ab, als auf das Internet zurückzugreifen.

Lediglich bei Telekommunikation und Elektronik habe das Internet inzwischen eine ähnlich große Bedeutung wie der Einkauf in Nachbarkommunen.

Das IFH kürte gleichzeitig die attraktivsten Innenstädte in verschiedenen Größenklassen. Sieger bei den Großstädten mit über 500.000 Einwohnern war in der Verbraucherbewertung Leipzig. Andere Top-Performer in ihren jeweiligen Größenklassen waren Erfurt, Heidelberg, Hilden, Wismar und Quedlinburg.

„Auch kleinere Städte können echte Akzente setzen, wenn sie ihre Vorteile ins rechte Licht rücken“, meinte Hedde. So habe das kleine Quedlinburg in Sachsen-Anhalt dank seiner 1.200 denkmalgeschützten Fachwerkhäuser die beste Bewertung in der Kategorie Ambiente und Flair erhalten. Die Umfrage wurde vom IFH zum zweiten Mal durchgeführt. Auch bei der ersten Umfrage im Jahr 2014 bewerteten die Deutschen ihre Innenstädte mit der Schulnote drei plus.

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