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19.11.2013

17:00 Uhr

Studie

Zwei Firmen dominieren deutschen Online-Handel

Der Online-Handel wird besonders durch die nahende Adventszeit belebt. Deutschland ist er aber ohnehin ein sehr wachstumsstarker Markt. Zwei Konkurrenten halten ihn fest im Griff.

Amazon und Otto dominieren den deutschen Online-Handel. AFP

Amazon und Otto dominieren den deutschen Online-Handel.

DüsseldorfDeutschland zählt im Online-Handel einer Studie zufolge zu den wachstumsstärksten Märkten der Welt. In der am Dienstag von der Unternehmensberatung A.T. Kearney veröffentlichten Studie zur Entwicklung des E-Commerce in 186 Ländern rangiert die Bundesrepublik auf Rang sechs. Spitzenreiter ist China. Großes Wachstumspotenzial sehen die Experten auch in Japan, den USA, Großbritannien und Südkorea.

Den Online-Handel dominieren in Deutschland zwei Unternehmen: Amazon und Otto. Sie hätten die Hälfte des Marktes in der Hand, heißt es in der Studie. Doch auch andere Unternehmen sind aktiv. So habe der Internethändler Zalando seine Umsätze seit seiner Eröffnung jedes Jahr verdoppelt.

Weltweit werde der Online-Handel durch die Zunahme der mobilen Kommunikation angefacht, heißt es in der Untersuchung. Bis 2017 rechnen die Experten mit einem jährlichen Zuwachs um zwölf Prozent für Deutschland. Für den Global Retail E-Commerce Index untersuchte A.T. Kearney insgesamt 186 Länder. Bewertet wurden Marktattraktivität, Verbraucherverhalten, Infrastruktur und Wachstumspotenzial.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

In diesem Jahr wächst der Online- und Versandhandel in Deutschland noch stärker als erwartet. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) rechnet nach einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Prognose nun mit einem Gesamtumsatz von rund 48 Milliarden Euro im sogenannten interaktiven Handel. Das wären demnach 22,2 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Anfang des Jahres hatte der Verband noch mit einem Umsatz von 43,5 Milliarden gerechnet.

Von Juli bis September stieg in der Branche der Online- und Versandhändler den Angaben zufolge der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26,7 Prozent auf 11,646 Milliarden Euro. Die umsatzstärkste Warengruppe war der Bereich Bekleidung, Textilien und Schuhe, gefolgt von Büchern, Bild- und Tonträgern sowie Unterhaltselektronik und Elektronikartikeln. Die Untersuchung „Interaktiver Handel in Deutschland“ basiert auf der Befragung von 40.000 Verbrauchern zu ihrem Kaufverhalten im Online- und Versandhandel.

Kommentare (1)

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19.11.2013, 16:51 Uhr

Ich hätte tatsächlich damit gerechnet, dass Amazon und Otto mindestens zwei Drittel des Marktes halten. 50% überraschen mich jetzt doch etwas.

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