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09.01.2008

12:59 Uhr

Stürmische See

Reederei-Konzern Maersk muss sich retten

VonEberhard Krummheuer

Teure Fusionsfolgen: Drei Jahre nach der Übernahme des britisch-niederländischen Konkurrenten P & O Nedlloyd verordnet sich der Reederei-Konzern Maersk eine Schlankheitskur. Beim Weltmarktführer in der Container-Schifffahrt stehen zahlreiche Arbeitsplätze zur Disposition – eine Bestandsaufnahme.

DÜSSELDORF. Die "Emma Maersk" schlägt derzeit alle Rekorde. Mehr als 50 Meter über dem Schiffsdeck thront die Brücke. Darunter, auf fast 400 Metern Länge, ist Platz für 11 000 Standard-Container. Stolz präsentierte Eivind Kolding, Chef der weltgrößten dänischen Reederei Maersk Line, im vergangenen Herbst das neue Flaggschiff seiner 500 Fahrzeuge umfassenden Flotte. Doch der größte "Pott" der Welt, dem weitere baugleiche Schiffe folgen sollen, verhindert nicht, dass das Unternehmen jetzt kräftig abspecken muss. 2 000 bis 3 000 Arbeitsplätze - von 25 000 - stehen zur Disposition, teilte die Schifffahrts-Division des börsennotierten Kopenhagener Mischkonzerns A.P. Möller -Maersk gestern mit.

"Die gehen jetzt eine ganze Gewichtsklasse tiefer", kommentierte ein schwedischer Analyst die Streichpläne. "Die alte Strategie, immer der Größte zu sein, geht nicht mehr auf." Bei Maersk -Chef Kolding klang das anders: Die Reederei habe die "starke Ambition", ihre führende Marktposition wieder zu auszubauen und "zu langfristiger Profitabilität zurückzukehren".

Knapp drei Jahre nach der spektakulären Übernahme des britisch-niederländischen Konkurrenten P & O Nedlloyd sei der als "neue Strategie" verbrämte Personalabbau ein weiterer Versuch von Maersk, die teuren Fusionsfolgen nun endlich zu verkraften, heißt es in Hamburger Reederkreisen. 2005 hatte die Container-Sparte, zu der neben der Schifffahrt auch der Hinterland-Verkehr auf Straße und Schiene und Logistik-Dienstleistungen gehören, noch einen Überschuss von 7,7 Mrd. Kronen (rund eine Mrd. Euro) erwirtschaftet. Dann folgte aber 2006 ein Verlust von 3,7 Mrd. Kronen. Für 2007 und 2008 rechnet Kolding nur mit einem bescheidenen Plus.

Die Nummer 1 der Containerschifffahrt weltweit, die mehr als die Hälfte des Umsatzes von Möller -Maersk erwirtschaftet, musste Marktanteile an ihre Verfolger auf Platz 2 und 3, die Mediterranean Shipping Company mit Sitz in der Schweiz und die französische CMA CGM, abgeben. Während Kolding das auf die zunehmende Schwäche des für Maersk wichtigen US-Marktes zurückführte, hält die Branche die nicht verdaute Integration für entscheidend. "Die haben es nicht geschafft, die Wasserköpfe der beiden Verwaltungen abzubauen, und nun muss gebolzt werden", sagte ein Branchenbeobachter in Hamburg.

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