Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.06.2011

14:24 Uhr

Stuttgart 21

Politik beißt bei Stresstest II auf Granit

In knapp vier Wochen werden die Ergebnisse des Stresstests zum geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof vorgestellt - wie in der Schlichtung vereinbart. Die Gegner lassen nichts unversucht, das Milliardenprojekt zu kippen.

Stuttgart 21: Der Umbau des Kopfbahnhofs bleibt umkämpft. Quelle: Reuters

Stuttgart 21: Der Umbau des Kopfbahnhofs bleibt umkämpft.

StuttgartDer Zoff um Stuttgart 21 nimmt kein Ende: Die Bahn als Bauherr des umstrittenen Milliardenprojekts lehnte am Sonntag einen Vorschlag von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) für einen Stresstest II strikt ab. Ein Bahnsprecher reagierte mit „völligem Unverständnis“ auf den von Hermann angeregten Leistungstest für den bestehenden Kopfbahnhof. „Im letzten Lenkungskreis wurde verbindlich verabredet, die Ergebnisse des Stresstests zum geplanten Tiefbahnhof am 14. Juli vorzustellen“, sagte der Bahnsprecher in Berlin. Dies entspreche auch den Vereinbarungen der Schlichtung unter Heiner Geißler. „Es gibt über einen zweiten Stresstest auch keine Verhandlungen.“

Die Bahn will die Bauarbeiten am Montag fortsetzen - geplant ist der Aufbau von Rohrleitungen zum Grundwassermanagement. Proteste der Gegner werden erwartet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) will am Dienstag beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Eilantrag auf einstweilige Anordnung gegen den Weiterbau stellen. Die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender bestätigte am Samstag einen Bericht der „Stuttgarter Zeitung“.

„Für den bestehenden Kopfbahnhof ist ebenfalls ein Leistungstest erforderlich, um realistische Vergleichswerte zum geplanten Tiefbahnhof zu bekommen“, sagte Hermann der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Die Bahn hatte sich bereits in der Schlichtung unter Heiner Geißler verpflichtet, mit einem Stresstest nachzuweisen, dass in dem geplanten unterirdischen Tiefbahnhof in Spitzenzeiten mit guter Betriebsqualität 30 Prozent mehr Züge als im denkmalgeschützten Kopfbahnhof (Baujahr 1922) verkehren können.

Am 14. Juli werden die Ergebnisse der Betriebssimulation für den geplanten neuen Bahnhof vorgestellt. Moderator der im TV-Sender Phoenix live übertragenen Veranstaltung aus dem Stuttgarter Rathaus ist wieder Schlichter Geißler. Die Bahn ist überzeugt, dass die neue achtgleisige Durchgangsstation wesentlich effektiver ist als der jetzige Hauptbahnhof mit seinen 16 Gleisen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wies im Südwestrundfunk (SWR2) darauf, dass die Ergebnisse des Stresstests noch nicht vorlägen und ein Weiterbau deswegen „unvernünftig“ sei.

Dieser Test solle schließlich ermitteln, „ob dieser Bahnhof überhaupt funktioniert. Und dass man bis dahin nicht weitermacht, ergibt sich aus der Logik dieses Vorgangs. Insofern verhält sich die Bahn da nicht vernünftig und nicht wirklich dem entsprechend, worauf sie sich eingelassen hat. Die Schlichtung ist erst zu Ende, wenn der Stresstest gemacht und bewertet wurde.“

Von

dpa

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

frohsei

19.06.2011, 15:41 Uhr

S21 dürfte nach "Adam Riese" in sechs Problemfeldern scheitern, siehe dort:

http://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Bodack_Stuttgart_21_scheitert_2011-06-141.pdf

und weil es aufgeweckte Kopfbahnhofsfreunde gibt.

Die vereinfachte Kapazitätsberechnung siehe da:

http://www.kopfbahnhof-21.de/fileadmin/downloads/Gutachten/Kapazitaetsberechnung_S21-Textteil.pdf

Informative Briefe des ehemaligen Bahnhofsvorstehers, Egon Hopfenzitz:

http://www.siegfried-busch.de/page23/page63/page63.html

Spielernatur

19.06.2011, 15:43 Uhr

Es ist wirklich fantastisch. Ein relativ überflüssiges Projekt verschlingt Milliarden, während woanders Kindergärten fehlen. '21' wird vermutlich gebaut, weil es schon seit Ewigkeiten in der Planung ist und nicht die Grünen, aber die Bürger allgem. zu spät aufgewacht sind. Ein Schildbürgerstreich!
Vielleicht war es ein Fehler, den Planern bei der Bahn und der Politik in jungen Jahren eine Eisenbahn untern Weihnachtsbaum zu stellen. Denn da konnte man 'lahme' Kopfbahnhöfe noch durch wenige Handgriffe ersetzen und wie jetzt auf 'Durchzug' schalten.

Account gelöscht!

19.06.2011, 20:26 Uhr

Diejenigen die sich jetzt beschweren haben in der Vergangenheit keine Mehrheit gegen 21 zustande gebracht. Dann wurde der Stresstest mit verbindlichen Kriterien vereinbart. Und wenn der nun kommt ist das den Kritikern auch nicht genug - es könnte ja sein dass etwas herauskommt was nicht gegen 21 spricht - also muß flugs ein neuer Test her. Liebe Gegner: In der Vergangenheit "gepennt" und nichts zustande bekommen - nun noch ein Test - Demokratie ist was schönes....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×