Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2013

16:46 Uhr

Suche nach BER-Chef

Will Ex-Fraport-Chef Bender oder will er nicht?

Erst hieß es, der ehemalige Fraport-Chef Wilhelm Bender wolle die Stelle als neuer Chef des Berliner Flughafens annehmen. Nun hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ihre Meldung wieder zurück gezogen.

Wilhelm Bender: Der frühere Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport könnte schon bald der neue Geschäftsführer des Berliner Flughafens werden. dpa

Wilhelm Bender: Der frühere Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport könnte schon bald der neue Geschäftsführer des Berliner Flughafens werden.

BerlinWill er oder will er nicht? Seit Donnerstag wird gerätselt, ob der ehemalige Chef des Flughafens Frankfurt die Geschäftsführung des Berliner Flughafens übernimmt. Nun meldete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vorab, dass er den Posten übernehmen will - um die Meldung gleich danach wieder zurückzuziehen.

Zuvor hatte es noch geheißen, dass Bender am Samstagabend auf dem Ball des Sports in Wiesbaden deutlich gemacht habe, dass er als neuer Geschäftsführer des Berliner Großflughafens bereit stehe.

Ihm war demnach ein Zeitungsbericht gezeigt worden, in dem ein langjähriger enger Mitarbeiter zu dem Angebot aus Berlin mit den Worten zitiert wurde: „Gehen Sie einmal davon aus, dass er es macht.“ Dazu habe Bender gesagt: „Das dementiere ich nicht.“

Kurz nachdem die Meldung über die Nachrichtenagenturen verbreitet worden war, zog die Zeitung sie jedoch wieder zurück.

Der Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, Ralf Kunkel sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag: „Wir äußern uns nicht zu Personalien, solange wir nichts schwarz auf weiß haben.“ Eine Mitarbeiterin von Benders Frankfurter Büro sagte, auch Bender wolle sich dazu zunächst nicht äußern.

Bereits am Donnerstag hatte die „Bild“ berichtet, dass der Aufsichtsrat des Flughafens dem 68-Jährigen ein entsprechendes Angebot unterbreitet und Bender um Bedenkzeit bis zum Wochenende gebeten habe.

Bender würde Rainer Schwarz ablösen, der wegen der mehrfachen Verschiebung des Flughafen-Eröffnungstermins im Januar seinen Hut nehmen musste. Über die Berufung des Nachfolgers entscheidet der Aufsichtsrat. Die nächste Sitzung ist für den 13. Februar geplant.

Die Schlüsselfiguren des Flughafenprojekts

Rainer Schwarz

Der 56-jährige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, ist seit Monaten unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Seine Ablösung wird in Kürze erwartet.

Horst Amann

Der 59-jährige Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.

Klaus Wowereit

Der 59-jährige regierende Bürgermeister von Berlin (SPD) will nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurücktreten. Wowereit will aber im Aufsichtsrat bleiben.

Matthias Platzeck

Der 59-jährige brandenburgische Ministerpräsident (SPD) ist bislang Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und soll diesem nun als Chef des Gremiums folgen. Angesichts der schwierigen Lage will Platzeck im Landtag eine Vertrauensfrage stellen.

Peter Ramsauer

Der 58-jährige Bundesverkehrsminister (CSU) hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Seit Wochen verlangt Ramsauer die Ablösung von Schwarz.

Rainer Bomba

Der 48-jährige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.

Bender war von 1993 bis 2009 Vorstandsvorsitzender von Fraport, der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens. Mit Großprojekten kennt er sich aus: In seiner Amtszeit entstanden in Frankfurt die neue Landebahn sowie das zweite Terminal. Bender ist zurzeit Aufsichtsratschef beim Fußball-Erstligisten Eintracht Frankfurt und Vorsitzender des Europa-Aufsichtsrats von Bombardier.

Die Starttermine für den Flughafen BER

30. Oktober 2011

Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

3. Juni 2012

Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

17. März 2013

Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

27. Oktober 2013

Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

Frühestens 2014

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.


„Die Erwartungen an den neuen Flughafen-Geschäftsführer sind nicht gerade gering“, sagte die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop. Zwar wollte auch sie sich nicht konkret zu der Personalie Bender äußern, aber sie forderte grundsätzlich von einem neuen Flughafen-Verantwortlichen eine „ehrliche“ Bestandsaufnahme mit einem klaren Zeit-, Finanz- und Bauplan. Ihre Partei wolle dem neuen Geschäftsführer dabei keinen Zeitdruck auferlegen. Es sei besser, eine solide Planung zu machen, als ständig neue Termine zu benennen. „Die Zeit der Schmierzettel muss vorbei sein“, sagte Pop.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Revisor

03.02.2013, 18:33 Uhr

"Nun hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ihre Meldung wieder zurück gezogen."

Echt, geht so etwas? Man haut einfach irgendeinen journalistischen Dreck raus, den man bei einem launigen Ball zusammengereimt hat, und dann "zieht man das einfach wieder zurück"???

Da waren doch schon längst die ganzen redaktionellen Trittbrettfahrer der ganzen verblödeten Mediennation inclusive Handesblatt aufgesprungen....

Wie kriegt man das denn jetzt zurückgedreht, ohne daß an dem oder den Beteiligten Schaden kleben bleibt???????

Account gelöscht!

03.02.2013, 19:17 Uhr

Die Nachfolger, egal Ob Bauleitung, Architekt oder Aufsichtsrat haben schon mal die Popokarte gezogen.

Ich kann nur empfehlen, jeden einen Baurechtler zur Verfügung zu stellen. Die kommenden Probleme werden nur über das Baurecht zu lösen sein. Was ist, wenn die Firmen nicht weiterarbeiten wollen, weil Gelder offen stehen? Vielleicht Mehrkosten haben und niemand für die aufkommen will? Diese durch Nachfolgefirmen zu ersetzen ist nicht einfach. Da gibt es eine Menge juristischer Hürden und eine Menge Fehler zu machen. Gilt natürlich auch für die Firmen, die nicht so einfach aus dem Vertrag kommen. Das Baurecht schreibt hier eine eindeutige Vorgehensweise vor.

Das Honorar müsste schon extrem verlockend sein.^^

Geht das schief, was wahrscheinlich ist, ist der Ruf ruiniert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×