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29.01.2015

07:29 Uhr

Süßwarenhersteller Storck unter Feuer

„Au revoir Merci!"

VonJohannes Steger

Storck geht wegen Markenverwässerung gegen einen kleinen Familienbetrieb vor und gewinnt vor Gericht. Die Besitzerin muss ihr Geschäft komplett umbauen. Auf Facebook wächst jetzt die Kritik.

Wegen „Verwässerung der Marke“: Storck geht gerichtlich gegen das „Café Merci“ vor und gewinnt. Auf Facebook sorgt das für Ärger. (Screenshot: Merci-Werbespot auf YouTube)

Merci verärgert Facebook-Nutzer

Wegen „Verwässerung der Marke“: Storck geht gerichtlich gegen das „Café Merci“ vor und gewinnt. Auf Facebook sorgt das für Ärger. (Screenshot: Merci-Werbespot auf YouTube)

DüsseldorfAuf der Facebook-Seite der Marke Merci sieht es eigentlich nett aus: Ein glückliches Paar auf dem Titelbild und lauter freundliche Posts zum Thema „Danke sagen“. Doch der Schein trügt. Seit Samstag ist die Stimmung nicht mehr so nett: Denn seit diesem Tag veröffentlichen wütende Nutzer einen Beitrag der „Frankfurter Neue Presse“.

Die Geschichte: Zusammen mit ihrem Ehemann gründet Anja Klügling 1992 das „Café Bonjour“ in Bad Soden im Taunus. 2006 verstirbt der Ehemann – als Neuanfang und Dank für sein Lebenswerk benennt Klügling den Laden in „Café Merci“ um. Über die Jahre kommen drei weitere Filialen dazu. Heute beschäftigt sie knapp 55 Angestellte rund um Frankfurt, verkauft französische Tartelettes, Gebäck, Pralinen und Landbrote.

Die beliebtesten Schokolademarken Deutschlands

Platz 10

Sarotti

Die Schokomarke mit dem Mohr hat ihre Wurzeln in Berlin, doch kommt heute aus dem Hause Stollwerck und wird in Köln produziert.

Umfrage: Ifak Institut, Ipsos, GfK Media and Communication Research.

Platz 9

Toblerone

Die dreieckige Schokolade aus der Schweiz ist auch hierzulande ein Verkaufshit. Die Schokomarke gehört dem Lebensmittelmulti Mondelēz, der auch Milka produziert.

Platz 8

Trumpf/Schogetten

In Aachen begann die Erfolgsgeschichte der vorportionierten Tafeln. Mittlerweile gehört die Schokoladenmarke zur Krüger-Gruppe und wird auch in den großen Discountern vertrieben.

Platz 7

Kinderschokolade

„Mit der Extra-Portion Milch“ wirbt der Hersteller Ferrero für seine süßen Tafeln. Dabei bleibt die Hauptzutat natürlich Zucker.

Platz 6

Alpia

Auch die rosa Schokomarke kommt aus dem Hause Stollwerck und soll vor allem preisbewusste Kunden ansprechen.

Platz 5

Merci

Das schokoladige Dankeschön in Form kleiner Schokoriegel aus dem Hause Storck ist in Deutschland weiterhin gefragt. Inzwischen wird es in 70 Ländern weltweit vertrieben.

Platz 4

Yogurette

„Jung, Schwung, Stimmung“. Die Schokoriegel mit Erdbeer-Joghurt-Geschmack haben mittlerweile viele saisonabhängige Ableger.

Platz 3

Lindt

Der internationale Schokokonzern aus der Schweiz genießt auch in Deutschland einen guten Ruf - von Schokohasen bis Pralines.

Platz 2

Ritter Sport

Zuletzt machte der Mittelständler aus Waldenbuch durch einen Streit mit der Stiftung Warentest von sich reden. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch.

Platz 1

Milka

Der lila Riese dominiert die deutsche Schokobranche. Mittlerweile wird die Marke auch auf etlichen anderen Produkten vermarktet.

2011 erhält Klügling ein Anwaltsschreiben der August Storck KG aus Berlin. Das Unternehmen, das Produkte wie Knoppers oder Nimm2 herstellt, stört sich am Namen der Café-Kette und will Klügling zur Namensänderung bewegen. Denn Merci heißt auch eine Schokoladensorte des Konzerns, also genau wie Klüglings Cafés. Sie weigert sich, Storck zieht vor Gericht und verliert. Doch der Hersteller lässt nicht locker. Er zieht erneut vor Gericht, in diesem Fall wegen „Verwechslungs- und Markenverwässerungsgefahr“, so Tanja Klügling auf Anfrage von „Handelsblatt Online“. Dieses Mal gibt das Amtsgericht dem Konzern Recht. Klügling legt Revision vor dem Oberlandesgericht ein und es kommt schließlich zum Vergleich.

Die Betreiberin lässt sich darauf ein, die Cafés umzubenennen: „Das Gericht hat durchblicken lassen, dass es keine weitere Revision zulassen wird und dass es nur partiell zu unseren Gunsten entscheiden würde. Backwaren und Gastronomie: Ok mit Merci, Patisserie nein“, sagt Klügling. Umsetzbar wäre das wohl nur bei räumlicher Trennung der Verkaufsbereiche für die jeweiligen Produktsparten gewesen. Der Vorschlag, den Namen in „Café Merci im Taunus“ zu ändern, wollten die Anwälte von Storck zudem nicht annehmen und beharrten auf einer vollständigen Änderung, sagt Klügling. Beides habe sie schließlich dazu bewegt, den Vergleich anzunehmen.

Bis Januar 2016 hat Klügling nun Zeit, einen neuen Namen zu finden. Doch das wird teuer, denn nicht nur die Beschilderung muss weg. Auch Verpackungen, Geschirr und Servietten müssen entsorgt und die Geschäftsausstattung mit neuem Logo versehen werden. Zudem müsse man dafür sorgen, dass nicht der Eindruck eines Eigentümerwechsels oder einer geschäftlichen Schieflage aufkomme, sagt Klügling. Sie rechnet mit Kosten von bis zu 250.000 Euro.

Kommentare (13)

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28.01.2015, 12:16 Uhr

den ganzen Süßkram sollte man ohnehin tunlichst meiden...

Herr Un Sinn

28.01.2015, 12:27 Uhr

Wurde in diesem Artikel der Begriff "ethisch" in Zusammenhang mit Marktwirtschaft gebraucht? Die inhaltliche Näher dieser Begriffe beträgt in etwa die von "FIFA-Ethikkommision".

Herr Eugen Schmidt

28.01.2015, 14:35 Uhr

Aus eigener leidvoller Erfahrung eines 10-jährigen Markenstreits: der Skandal ist, dass der Finanzkräftigere über alle Instanzen gehen kann und damit am Ende fast immer gewinnt. Das geht am Ende bis zum EuGH und das muss man dann erst einmal durchhalten. Die Verfahren dauern jahrelang, und in dieser Zeit schwebt ja immer das Damoklesschwert über der kleinen Firma, da jede weitere Investition mit exstentiellen Risiken behaftet ist. Zwischen jedem Brief mit DPMA und der Antwort des Angreifers können Monate vergehen. Da gibt man dann auf, wie die kleine Firma in Bad Soden.
Sein Recht kann man in Deutschland eben kaufen, nicht nur in solchen Angelegenheiten. Warum nennt sie ihr Geschäft nicht einfach "Danke" und macht eine große Kampagne draus. Ihre Kunden würden es ihr lohnen.

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