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06.05.2013

12:58 Uhr

Supermärkte schüren Sammelwut

Glück in Tüten

VonMartin Dowideit

Deutsche Supermarkt-Kunden sammeln Tierbilder, Disney-Sticker oder Glaskugeln. Für die Einzelhändler ist der Sammeltick als Lockmittel so effizient, dass jetzt auch Lidl die Idee kopiert – und dabei Fehler macht.

Im Jahr 2010 gingen bei Rewe mehr als 100 Millionen Sammelbilder von Fußball-Nationalspielern weg. obs

Im Jahr 2010 gingen bei Rewe mehr als 100 Millionen Sammelbilder von Fußball-Nationalspielern weg.

DüsseldorfKonquistadoren machten sich aufständische Indianer schon mal mit Glaskugeln gefügig. Und was eine makabre Historie hat, muss einen Supermarkt ja nicht schrecken: Real-Supermärkte locken Käufer heute noch gerne mit Murmeln.

Wer genug kauft, erhält Glaskugeln – zuletzt gab es Anfang des Jahres welche mit aufgedruckten Asterix-Figuren. Grund für die Offerte: Die Sammelleidenschaft der Deutschen hat sich zu dem Lockinstrument deutscher Handelsketten schlechthin entwickelt. Jenseits von Payback und Lufthansa-Meilen hortet das Land alles, was Supermärkte für treue Kunden anbieten: von Tierbildchen über Disney-Sticker bis hin zu Spielzeugen. Egal wie absurd die Sammelaktion, sie wirkt.

Die jüngste Welle hat in der vergangenen Woche der Discounter Lidl ausgelöst. Das Unternehmen lockt mit Miniatur-Monstern, die einen Saugnapf als Fuß haben („Stikeez“). In der Bild-Zeitung wird die Sammelaktion auf der Titelseite beworben, sogar einen TV-Werbespot gibt es. „Es ist das erste Mal, dass wir eine solche Aktion haben“, so eine Lidl-Sprecherin zu Handelsblatt Online.

Die Idee dahinter ähnelt dem Prinzip der Quengelware an der Kasse. „Die Sammelaktionen zielen nicht auf den Hauptentscheider“, erklärt Udo Klein-Bölting von der Marketing-Beratung Batten & Company. Eine höfliche Umschreibung dafür, dass Kinder Druck auf Erwachsene machen sollen.

Als Vorreiter für die Umsatzmasche gilt in Deutschland der Einzelhändler Rewe. Bei der Fußball-WM 2010 hatte er mit Aufklebern der Nationalspieler geworben und riesigen Erfolg. Die Kette wurde zum Gesprächsthema, egal ob Erwachsene oder Kinder – alle stürzten sich auf die Bilder. Später folgten Heile-Welt-Bilder in Kooperation mit der Umweltschutzorganisation WWF, dann Disney-Sticker und derzeit Deutschland-Motive. Mittlerweile gibt es bei Rewe beim Kauf bestimmter Produkte sogar extra Päckchen mit den Aufklebern.

„Alle unseren bisherigen Sammelsticker-Aktionen sind gut angekommen“, sagt ein Rewe-Sprecher. Pro Aktion gehen mehr etwa 100 Millionen Sammeltüten über die Ladentheke, im Falle des WWF druckte Rewe 1,7 Millionen Sammelalben – 50 Cent des Albumpreises gingen an die Naturschützer. Gibt es – neben den virtuellen – echte Tauschbörsen im Laden, gesellen sich dort Jung zu Alt.

Kommentare (4)

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Landlord

06.05.2013, 14:08 Uhr

@ HB: Sollte der Autor dieses Artikels nochmal den, auf Seite 2 erwähnten, Supermarkt besuchen, möge er der Kassiererin doch bitte mal die Monopoly-Regeln mitbringen. Bei "Frei Parken" gibt's nämlich nix! Außer umsonst stehen bleiben.

Erik

06.05.2013, 14:59 Uhr

Laut den offiziellen Regeln ist das so, praktisch spielt es aber fast jeder anders... und die meisten legen das Geld von Aktions-Karten in die Mitte und der jenige der auf frei parken kommt bekommt das Geld.

joerg.buchmesser@emaildeutschlan

06.05.2013, 15:26 Uhr

Gehe direkt ins Gefängnis, gehe nicht über Los ...

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