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27.05.2014

13:47 Uhr

Surfen im Zug

Bahn verspricht bessere Internet-Verbindung

VonTobias Döring

Wer auf Bahnreisen im Netz surfen will, wird meist enttäuscht. Jetzt will die Bahn die Verbindung im Zug schneller machen. Technisch sind die Voraussetzungen geschaffen, kostenlos wird das Angebot aber vorerst nicht.

Bahnchef Grube (l.) und Verkehrsminister Dobrindt: „Die Bahn kann das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden.“ dpa

Bahnchef Grube (l.) und Verkehrsminister Dobrindt: „Die Bahn kann das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden.“

Berlin„Die Bahn macht mobil“, ist der Werbespruch der Deutschen Bahn. Wenn es jedoch um die mobile Internetverbindung geht, werden die Fahrgäste in den Zügen oft enttäuscht. Egal welcher Netzbetreiber: Die Webseiten laden nur im Schneckentempo, die Datenverbindung ist meist langsam. Und wenn der ICE richtig schnell unterwegs, geht auf dem Smartphone oder Tablet gar nichts mehr. Von wegen schnelles Internet!

Daran will die Bahn jetzt etwas ändern. Der Staatskonzern hat am Dienstag eine große Online-Offensive in seinen Zügen angekündigt: Auf nahezu allen ICE-Strecken soll es bis Jahresende eine gute Internetverbindung geben, sagte Bahnchef Rüdiger Grube in Berlin. Die rund 5200 Kilometer des ICE-Hauptnetzes seien inzwischen fast vollständig technisch ausgerüstet. Auf 3000 Kilometern stehe die bessere Online-Verbindung bereits zur Verfügung, die restlichen 2200 Kilometer seien noch im Testbetrieb und würden im Laufe des Jahres hinzugefügt.

Von 255 ICE-Zügen der Bahn verfügten bereits 200 über die nötige Technik. Bis Ende des Jahres solle die Umrüstung der übrigen Züge weitgehend abgeschlossen sein.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Die Online-Offensive der Bahn begleitete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit großen Worten: „Die Bahn kann das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden“, sagte der CSU-Politiker laut Mitteilung. „Die Breitbandtechnik soll Standard bei der Fertigung neuer Züge werden, bestehende Züge sollen schrittweise nachgerüstet werden“, so Dobrindt im Berliner Hauptbahnhof.

Wer jetzt darauf hofft, mit der eigenen mobilen Internetverbindung in Zukunft schneller unterwegs zu sein, wird jedoch enttäuscht. Denn im Kern bleibt alles beim Alten: Nur wer extra zahlt, surft schnell.

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