Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2012

13:41 Uhr

Suzuki und VW

Finale im Scheidungskrieg

VonMark C. Schneider

ExklusivWas als hoffnungsvolle Allianz begann, muss nun vor Gericht geschieden werden. Im Kooperationsstreit zwischen Volkswagen und Suzuki soll ein Schiedsgericht in London im Frühjahr 2013 die Fronten klären.

Frontale Konfrontation: Suzuki klagt gegen Volkswagen. dpa

Frontale Konfrontation: Suzuki klagt gegen Volkswagen.

HamburgDie Spitze des japanischen Autobauers Suzuki gibt sich im Streit mit dem deutschen Autokonzern Volkswagen zuversichtlich. Suzuki will sich von Großaktionär VW lösen. Die Wolfsburger halten 19,9 Prozent am kleineren Rivalen.

Allerdings müssen sich die Japaner noch gedulden. Die entscheidende Anhörung vor einem Schiedsgericht in London startet erst im Frühjahr 2013 - und nicht wie von Suzuki erhofft bereits in diesem Sommer, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen.

Verhandelt wird nur ein Thema: Die von Suzuki verlangte Rückgabe der 19,9 Prozent am Unternehmen. VW sieht dafür keine Veranlassung. Die Anteile kauften die Deutschen Ende 2009 für 1,7 Milliarden Euro. Suzuki argumentiert, nachdem die in einem Kooperationsvertrag vereinbarte Zusammenarbeit bei Modellen und Technologien gescheitert sei, müsse VW die Anteile zurückgeben.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Den Kreisen zufolge wollte Suzuki so früh wie möglich mit der Verhandlung vor einem Schiedsgericht starten - VW mauerte aber. Das Verfahren ist im Vertrag für den Fall von Problemen vorgesehenen. Gegenstand der Auseinandersetzung ist nicht mehr, wer die Allianz gebrochen hat, sondern nur der Verbleib der Aktien.

"Die Kooperationsvereinbarung mit Volkswagen ist schon gelöst", sagte Yasuhito Harayama, der für die Beziehungen mit VW zuständige Vize-Präsident, gestern auf der Hauptversammlung von Suzuki. Deshalb habe VW nicht das Recht, die Aktien weiter zu halten. "Wir sind zuversichtlich, dass wir den Anlegern gute Nachrichten verkünden können", so Harayama.

In Wolfsburg gilt Harayama als derjenige Manager, der die Trennung von VW aktiv betrieben haben soll. Der japanische Autobauer hatte sich in der Finanzkrise an VW angelehnt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×