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22.12.2015

15:01 Uhr

Swatch, Cartier, Omega

Schweizer Uhren auf Steroid-Entzug

Wachstumsraten von 20 Prozent waren in der Schweizer Uhrenindustrie einmal normal. Doch nun herrscht im vierten Jahr in Folge Flaute. Die Branche steht vor Umwälzungen – kleine Hersteller könnten untergehen.

Für Schweizer Hersteller sind die Jahre des rasanten Wachstums Geschichte. Reuters

Armbanduhr von TAG Heuer

Für Schweizer Hersteller sind die Jahre des rasanten Wachstums Geschichte.

Die Schweizer Uhrenindustrie steht vor dem vierten Jahr mit geringem oder gar keinem Wachstum. Große Hersteller wie Richemont mit der Marke Cartier reagieren darauf mit weniger Investitionen in die Produktion. Einige kleinere Uhrenhersteller halten nach einem Käufer Ausschau oder laufen sogar Gefahr, unterzugehen.

Im Land mit der weltgrößten Uhrenproduktion werden die Exporte der Zeitmesser im kommenden Jahr im Median um zwei Prozent zulegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Bloomberg unter elf Analysten. Das ist die gleiche Rate wie 2013 und 2014 und liegt meilenweit entfernt von den etwa 20 Prozent Wachstum, wie sie die Branche aus früheren Jahren kennt.

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„Die Schubkräfte fehlen“, sagt André Bernheim, Chef von Mondaine, einem konzernunabhängigen Hersteller, dessen Zeitmesser den Schweizer Bahnhofsuhren nachempfunden sind. „Die wichtigsten Regionen der Welt haben alle Probleme – von den USA über Europa bis nach China.“

Die Geschäftsabschwächung hat dazu geführt, dass kleinere Hersteller wie Parmigiani und Ulysse Nardin Stellen streichen, und Maurice Lacroix, mit einer Jahresproduktion von 90.000 Uhren, seit Juli nach einem Käufer sucht. Die Flaute zieht wohl auch die Trennlinie zwischen Unternehmen, die sich auf eine Abschwächung nicht vorbereitet haben, und größeren Herstellern wie Swatch und Richemont, die Berge von Bargeld angehäuft haben, um sich abzusichern. Marken wie Omega von Swatch versuchen jüngere Käufer anzusprechen, während TAG Heuer eine Smartwatch entwickelt hat.

„Nur die starken Marken werden überleben“, sagt Zuzanna Pusz, Analystin bei Berenberg. „Gute Marken mit finanziellen Problemen dürften aufgekauft werden.“

Der Markt hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt, getrieben vom Wachstum in China. Nach Schätzungen der Citigroup entfielen auf Chinesen die Hälfte aller Ausgaben für Schweizer Uhren. Doch mit der Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China auf ein Sechsjahrestief lief es auch für die Uhrenbranche nicht mehr so gut. In den ersten zehn Monaten 2015 sanken die Uhrenausfuhren um 3,2 Prozent; im November war es sogar ein Minus von 5,6 Prozent zum Vorjahr.

Swatch, wo Marken wie Tissot und Longines gefertigt werden, saß Ende Juni auf liquiden Mitteln von 1,2 Milliarden Franken. Bei Richemont summierte sich die Kriegskasse auf 4,8 Milliarden Franken. Richemont, der auch die Marken Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin gehören, hat angekündigt, dass die Investitionen in die Produktionskapazität im nächsten Geschäftsjahr verringert werden. Stattdessen sollen die Ausgaben für Vertrieb und das Verkaufsnetzwerk erhöht werden.

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