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16.01.2007

09:33 Uhr

Swissair

Schweizer Luftnummer

VonOliver Stock

Was den Deutschen ihr Mannesmann-Prozess, ist den Schweizern der Swissair-Bankrott. Ab dem heutigen Dienstag wird die wohl spektakulärste Pleite der eidgenössischen Wirtschaftsgeschichte verhandelt. Der Niedergang der renommierten Fluggesellschaft soll einher gegangen sein mit Untreue, Betrug und Urkundenfälschung.

Einst war die Swissair der ganze Stolz der Schweizer. Foto: dpa

Einst war die Swissair der ganze Stolz der Schweizer. Foto: dpa

ZÜRICH. Die Menschen, die wie jeden Morgen über den auf Hochglanz gewienerten Marmorboden des Züricher Flughafens strömen, trauen ihren Ohren nicht: „Meine Damen und Herren“, tönt eine Frauenstimme aus den Lautsprechern, „aus finanziellen Gründen bleiben die Flugzeuge der Swissair heute am Boden.“ Ein Blick durch die mannshohen Fensterscheiben entlang den Wartezonen aufs Rollfeld genügt, um festzustellen, dass die Stimme die Wahrheit sagt. Wie Soldaten einer Kompanie beim Appell reihen sich draußen die weiß-roten Maschinen der Swissair, die mit dem Schweizer Kreuz den Stolz der Eidgenossen auf ihrer Heckflosse in alle Welt tragen.

Die Maschinen können nicht starten, weil die nationale Fluggesellschaft, wie in einer Bananenrepublik, nicht einmal mehr Geld für Treibstoff hat. Die „fliegende Bank“, wie die Swissair im In- und Ausland halb spöttisch, halb bewundernd genannt wird, ist am 2. Oktober 2001 bankrott.

Fünf Jahre, drei Monate, sieben Bücher, ein Theaterstück, ein Kinofilm und eine mehrteilige Fernsehdokumentation später: Bülach.

Das überschaubare Örtchen 20 Kilometer nordöstlich von Zürich wird ab heute zum Schauplatz des größten Wirtschaftsprozesses, den die Schweiz bisher erlebt hat. 19 Manager, Verwaltungsräte und Berater sind angeklagt. Unter ihnen reichlich Schweizer Manager-Prominenz wie Mario Corti, ehemaliger Nestlé-Finanzchef, der als Letzter versucht hatte, die Swissair zu retten. Oder Gerhard Fischer, noch heute Präsident beim Logistik-Konzern Panalpina und damals Mitglied des Verwaltungsrats der abgestürzten Fluggesellschaft.

Der Staatsanwalt wirft ihnen Gläubigerschädigung, Falschbeurkundung, Misswirtschaft, ungetreue Geschäftsbesorgung, falsche Angaben über kaufmännische Gewerbe, Gläubigerbevorzugung und Steuerbetrug vor.

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