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06.01.2014

17:37 Uhr

T-Shirt-Aktion

Amazon-Mitarbeiter planen Demonstration gegen Verdi

Bei Amazon wollen Mitarbeiter gegen die geplanten Verdi-Streiks protestieren. Mit einer T-Shirt-Aktion wollen die Beschäftigten ihre Loyalität zum Unternehmen bekunden. Verdi kündigte weitere Streiks an.

Blick auf das Logistikzentrum des Online-Händlers Amazon in Bad Hersfeld. Die Gewerkschaft Verdi hat weitere Streiks angekündigt. dpa

Blick auf das Logistikzentrum des Online-Händlers Amazon in Bad Hersfeld. Die Gewerkschaft Verdi hat weitere Streiks angekündigt.

Leipzig/Bad HersfeldIn der Belegschaft des Versandhändlers Amazon formiert sich Widerstand gegen die Verdi-Streiks. Bereits Ende Dezember waren in Leipzig und Bad Hersfeld mehr als 1.000 Unterschriften gegen eine „negative Darstellung“ des Unternehmens in der Öffentlichkeit gesammelt worden. Das berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Als nächstes sei eine T-Shirt-Aktion geplant, sagte Initiatorin Sandra Münch am Montag in Leipzig. Es sollten Shirts mit der Aufschrift „Pro Amazon“ bedruckt werden. Die Mitarbeiter wollten damit zeigen, dass sie gerne bei dem Branchen-Riesen aus den USA arbeiten und nicht hinter den seit Monaten andauernden Streiks der Gewerkschaft Verdi stehen.

In Leipzig seien Münch zufolge etwa 720 und am größten deutschen Amazon-Standort in Bad Hersfeld rund 280 Unterschriften gesammelt worden. Heiner Reimann von Verdi Hessen kritisierte die Unterschriften-Aktion als „Spaltung der Belegschaft“ und rief zu respektvollem Umgang auf. Mit Blick auf die Amazon-Zentrale sagte er: „Es ist die Frage, wer hinter dieser Aktion steht.“ Es sei auch „keine Kunst“, in einer Zeit, in der Tausende von Aushilfen bei Amazon arbeiten, 1000 Unterschriften zu sammeln. Martina Sönnichsen, Sprecherin des Verdi-Bundesverbandes sagte: „Wir wissen von Kollegen, dass da auch Druck ausgeübt wurde.“ Teilweise hätten Mitglieder der Betriebsleitung daneben gestanden, als die Unterschriften gesammelt wurden.

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


Münch wies den Verdacht, die Unterschriftensammlung sei von der Amazon-Geschäftsleitung gelenkt worden, dagegen zurück. „Ganz sicher nicht. Das war eine alleinige Aktion von uns“, sagte sie. Auch die T-Shirts werde jeder Mitarbeiter auf eigene Rechnung kaufen. Es werde Bestelllisten geben, in die sich Mitarbeiter freiwillig eintragen könnten. Die T-Shirt-Aktion solle es neben Leipzig und Bad Hersfeld auch in anderen Amazon-Lagern geben. Münch betonte zudem, dass sich in die Unterschriftenlisten auch viele langjährige, festangestellte Mitarbeiter eingetragen hätten - und nicht etwa Saisonkräfte, die auf eine Festanstellung hofften.

Ein Amazon-Sprecher sagte: „Wir begrüßen diese Aktion, denn sie zeigt, wie die Mehrheit unserer Mitarbeiter denkt. Dass sie faire und gute Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren haben.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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atinak

06.01.2014, 17:45 Uhr

Die Mitarbeiter von Amazon wären nicht die erste Belegschaft, die sich gegen die dreisten, arbeitsplatzvernichtenden Aktionen der Gewerkschaften verwahren. Es wird Zeit, den längst nicht mehr zeitgemäßen, korrupten Gewerkschaften (das Hartz-Debakel war ja nur die Spitze des Eisbergs), denen die Überlebenschancen der Unternehmen völlig egal sind und denen es nur um populistische Aktionen geht, um den eigenen Mitgliederschwund zu stoppen, ihren überproportionalen Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen, denn ihre Macht steht in keinem Verhältnis zu ihrer mickrigen Mitgliederzahl. Die sollten erst mal vor der eigenen Tür kehren und die eigenen, übel ausgebeuteten Mitarbeiter anständig bezahlen und ihr internes Mobbing stoppen. Was gäbe es für ein Geschrei, wenn ein Unternehmen so mit seinen Mitarbeitern umgehen würde! Nur den Gewerkschaftsbossen geht es Gold. Und die Medien marschieren mit und bashen auf die Unternehmen ein, die dieser Mafia die Stirn bieten. Danke, HB, dass Sie hier endlich mal die andere Seite aufscheinen lassen.

RandianDream

07.01.2014, 10:18 Uhr

Vermutlich haben die Amazon-Angestellten erkannt, dass, wenn sie den Kryptokommunisten von Verdi folgen, sie durch Roboter ersetzt werden.

Gewerkschaften sind ein Modell aus dem letzten Jahrhunder und gehoeren als wirtschaftsterroristische Vereinigungen verboten!

Dagny_Taggart

08.01.2014, 13:59 Uhr

Zitat: "Heiner Reimann von Verdi Hessen kritisierte die Unterschriften-Aktion als „Spaltung der Belegschaft“ und rief zu respektvollem Umgang auf."

Herr Reimann,
am Standort Leipzig sind 540 von 1.200 festangestellten Miatrbeitern Mitglied bei verdi. Das ist weniger als die Hälfte. Wie dreist und unverfroren muss man sein, die Unterschrifetnaktion als "Spaltung der Belegschaft" zu bezeichnen, sich selber aber das Recht herauszunehmen, amazon zu erpressen (Streik ist nichts anderes als Erpressung, geduldet durch den Staat).
Sie sollten ihre Aktionen umgehend einstellen und ihre gesellschaftsfeindliche Organisation auflösen.
Nein, ich arbeite nicht bei oder für amazon.

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