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21.03.2014

13:45 Uhr

Tarifeinheit

Kleingewerkschaften im Visier

Mit der Zahl der Gewerkschaften steigt auch die Zahl der Streiks. Darum hat sich die neue Bundesregierung zum Ziel gesetzt, die Tarifeinheit gesetzlich zu regeln. Doch eine Umsetzung scheint unwahrscheinlich.

Nichts geht mehr: Insbesondere den Fluggesellschaften machen Kleinstgewerkschaften zu schaffen. dpa

Nichts geht mehr: Insbesondere den Fluggesellschaften machen Kleinstgewerkschaften zu schaffen.

FrankfurtLufthansa -Chef Christoph Franz ist ein Freund markiger Worte, vor allem wenn es um seinen Lieblingsfeind geht. Wegen der Spartengewerkschaften herrsche im deutschen Flugverkehr „eine Situation wie in Großbritannien vor Margaret Thatcher“, sagt der Konzernchef im April 2013 vor einem Bundestagsausschuss. Beinahe im Drei-Monats-Abstand werde die Branche durch Streiks der Klein-Gewerkschaften beeinträchtigt. Franz rief die Abgeordneten damals dazu auf, neue Rahmenbedingungen zu schaffen, um des Problems Herr zu werden.

Und die neue Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, die sogenannte Tarifeinheit gesetzlich zu verankern. Dahinter verbirgt sich der Grundsatz, das in einem Betrieb nur eine Gewerkschaft vertreten sein darf. Experten sind skeptisch.

„Die Tarifeinheit wird und sollte nicht kommen“, sagt Ökonomieprofessor Bert Rürup. Gegen eine Einführung sprächen hohe verfassungsrechtliche Hürden - vor allem Artikel 9 Grundgesetz, dem zufolge Arbeitnehmer sich frei zu Gewerkschaften zusammenschließen dürfen, die sogenannte Koalitionsfreiheit. Sein Fazit: „Die Tarifeinheit wird mit einem unendlichen politischen Tauziehen verbunden sein.“ Rürup kennt sich mit Tarifauseinandersetzungen aus: Im Herbst 2012 schlichtete er den Clinch zwischen der Flugbegleiter-Gewerkschaft und der Lufthansa.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Mit Potenzial zur Blockade

Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Spartengewerkschaften sind klein, aber häufig sehr schlagkräftig. Als die Piloten vor vier Jahren bei ihrem letzten Streik nur einen Tag nicht ins Cockpit stiegen, fielen bei der Lufthansa auf einen Schlag 1000 Flüge aus. Der nächste Streik steht kurz bevor, die Piloten haben sich in einer Urabstimmung am Donnerstag dafür ausgesprochen.

„Die sind so mächtig, da ihre Mitglieder gut ausgebildet und in Schlüsselpositionen vertreten sind“, sagt Daniel Schultheis, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Simmons & Simmons. Zudem sorge der gemeinsame Beruf für Geschlossenheit, und zwar nicht nur bei den Piloten. Ein Arbeitskampf lasse sich so wesentlich einfacher organisieren als etwa bei großen Gewerkschaften wie Verdi.

Kommentare (2)

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21.03.2014, 20:51 Uhr

Tarifeinheit bedeutet: Die "führende" Gewerkschaft schließt Tarifverträge für Mitarbeiter, die sie gar nicht bevollmächtigt haben. Im Zivilrecht nennt man so etwas: Vertrag zu Lasten Dritter. Mit dem gleichen "Recht" könnten wir hier vereinbaren, Vergütungs- und Versorgungsansprüche der BDA-Funktionäre hälftig unter uns aufzuteilen - mit Bindungswirkung gegen die Betroffenen.

Account gelöscht!

21.03.2014, 20:53 Uhr

p.s.: Ich bin _nicht_ Mitglied einer Spartengewerkschaft.

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