Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2011

20:52 Uhr

Tarifgespräche

Verhandlungen gescheitert - Lokführer drohen mit Streik

Nach den Winterpannen müssen sich Bahnreisende in den nächsten Wochen auch bundesweit auf Streiks einstellen. Die Lokführergewerkschaft GDL erklärte am Montagabend ihre Gespräche über einen Branchentarifvertrag mit der Deutschen Bahn für gescheitert.

Berliner Hauptbahnhof: Die Lokführer drohen mit neuem Streik dpa

Berliner Hauptbahnhof: Die Lokführer drohen mit neuem Streik

HB BERLIN. Er gehe davon aus, dass die Verhandlungen ohne den Druck von Arbeitskampfmaßnahmen nicht wieder in Schwung kommen würden, sagte GDL-Chef Claus Weselsky in Berlin. Vor zehn Tagen waren bereits die Gespräche mit den großen Privatbahnen abgebrochen worden. Am Donnerstag will die Tarifkommission der GDL nun über Streiks entscheiden. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber zeigte sich nach den monatelangen Verhandlungen überrascht. Die GDL habe offenbar keine Einigung gewollt. „Für Warnstreiks hätten wir im Interesse unserer Kunden wenig Verständnis“, sagte Weber.

Die größere Bahngewerkschaft EVG hatte sich im Laufe des Januar nach einer Schlichtung auf einen Branchentarifvertrag für die Beschäftigten im Regionalverkehr sowie auf Lohnerhöhungen mit der DB verständigt. Diese sollen bis Ende 2012 rund fünf Prozent betragen. Im Kern bot die DB das Ergebnis auch den Lokführern der DB an. GDL-Chef Weselsky lehnte dies aber angesichts des Wirtschaftsaufschwungs ab: „Das ist völlig inakzeptabel.“

Zudem habe es auch bei den Gesprächen etwa über Regelungen bei Arbeitsunfähigkeit von Lokführern keine Fortschritte gegeben. Die Bahn versuche nur das Ergebnis der EVG auch den Lokführern zu diktieren, kritisierte Weselsky. Die GDL will allerdings einen Branchetarifvertrag nicht nur für den Regionalverkehr, sondern auch für die Lokführer im Fern- und Güterverkehr und damit alle rund 26.000 Beschäftigte. Mit dem Branchentarifvertrag wollen die Gewerkschaften verhindern, dass der Wettbewerb um lukrative Ausschreibungen für den Regionalverkehr oder auch im Güterverkehr über die Löhne ausgetragen wird.

Bahn-Personalvorstand Weber sagte, er habe den Eindruck, die DB solle nun Geiselhaft genommen werden auch für die gescheiterten Gespräche mit den großen Privatbahnen. Die GDL vertritt zwar weit weniger Mitglieder als die EVG. Allerdings können die Lokführer mit vergleichsweise wenig Aufwand, große Teile des Personen- und Güterverkehrs lahmlegen. Bereits vor rund drei Jahren hatte die GDL sich eine lange Tarif-Auseinandersetzung mit der DB geliefert und mit Streiks den Bahn-Verkehr massiv behindert. Damals erstritt sie sich auch das Recht, die Lokführer in Tarifverhandlungen alleine zu vertreten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×