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11.11.2014

18:44 Uhr

Tarifkonflikt

Bahn will mit GDL und EVG parallel verhandeln

In den Bahn-Tarifkonflikt kommt Bewegung: Die Bahn schlägt den rivalisierenden Gewerkschaften einen gemeinsamen Termin für Verhandlungen vor. Die EVG zeigt sich offen, doch die GDL könnte das Treffen platzen lassen.

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Vorschlag der Bahn prüfen. AFP

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Vorschlag der Bahn prüfen.

Berlin/FrankfurtKleiner Hoffnungsschimmer für Millionen streikgeplagte Bahnkunden: Die Deutsche Bahn hat die rivalisierenden Gewerkschaften GDL und EVG am Dienstag zu parallelen Tarifverhandlungen für den 21. November nach Frankfurt am Main eingeladen. Die Lokführergewerkschaft GDL will den Vorschlag prüfen. Unterdessen kritisierte ihr Chef Claus Weselsky die öffentliche Diskussion und sprach von einer „Pogromstimmung“ gegen die GDL.

„In der Öffentlichkeit wurde gezielt von interessierter Seite eine Pogromstimmung gegen die GDL und ihre Mitglieder erzeugt“, sagte er dem Kölner „Express“ (Mittwoch): „Ich wusste zuvor, dass dies eine harte Auseinandersetzung wird.“ Das Ausmaß der Angriffe habe er jedoch nicht erahnt. Im August hatte der GDL-Chef mit einem Behinderten-Vergleich für Empörung gesorgt.

Die Bahn erklärte sich mit der GDL-Forderung einverstanden, Tarifverhandlungen mit mehreren Gewerkschaften am gleichen Ort zur gleichen Zeit mit dem selben Arbeitgeber zu führen. Man wolle aber weiterhin verschiedene Regelungen für eine Berufsgruppe vermeiden.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die GDL will für das gesamte Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer. Für Zugbegleiter verhandelt aber schon die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Über diesen Punkt waren die Verhandlungen mit der GDL bislang nie hinausgekommen.

Eine Sprecherin der Lokführer-Gewerkschaft erklärte, die Einladung der Bahn werde vom Vorstand geprüft. Voraussichtlich am Mittwoch werde es eine Reaktion darauf geben.

Die EVG zeigte sich zur Teilnahme an dem Gespräch bereit. Sie knüpfte daran allerdings die Bedingung, das Thema müsse ein einheitlicher Tarifvertrag sein. Die EVG lehne alle Regelungen ab, die eine Spaltung der Beschäftigten in den Betrieben oder Unternehmen förderten. Sie sei bereit, „dafür auch zu kämpfen“.

GDL-Chef Weselsky hatte zuvor seine Kompromissbereitschaft bekräftigt - wenn auch nicht im zentralen Streitpunkt des Verhandlungsmandats. Zugleich kritisierte er im „Express“, es könne nicht das Interesse des Bundes sein, „dass noch mehr Geld fehlt für Investitionen in Infrastruktur, weil das DB-Management mal eben Unsummen in Tarifauseinandersetzungen verheizt. 200 Millionen Euro wurden bereits jetzt verbraten.“

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