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26.08.2016

13:31 Uhr

Tarifkonflikt bei der Lufthansa

Carsten Spohr will Streit mit Piloten noch dieses Jahr beenden

Im Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und der Piloten-Gewerkschaft Cockpit liegen seit knapp zwei Wochen die Gespräche auf Eis. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will noch in diesem Jahr eine Einigung mit den Piloten erzielen.

Die Lufthansa und die Piloten loten seit Monaten aus, ob es sich lohnt, richtige Tarifverhandlungen zu beginnen. AFP; Files; Francois Guillot

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Die Lufthansa und die Piloten loten seit Monaten aus, ob es sich lohnt, richtige Tarifverhandlungen zu beginnen.

FrankfurtLufthansa-Chef Carsten Spohr will den zähen Arbeitskonflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bald beilegen. Für dieses Jahr habe sich der Vorstand vorgenommen, die Tarifkonflikte mit den drei Gewerkschaften Verdi, Ufo und Cockpit zu beenden, sagte Spohr am Donnerstagabend in Frankfurt vor Journalisten. Mit den ersten beiden sei dies bereits gelungen. „Ich bleibe optimistisch, dass wir wieder Gespräche aufnehmen und auch die dritte Gruppe mit neuen zukunftsfähigen Verträgen ausstatten können.“

Die Gespräche mit der streitbaren Piloten-Gewerkschaft liegen seit knapp zwei Wochen auf Eis, da sich beide Seiten nicht über die Auslegung von ausgehandelten Zugeständnissen verständigen konnten. Die Lufthansa und die Piloten loten seit Monaten aus, ob es sich lohnt, richtige Tarifverhandlungen zu beginnen. In dem seit vier Jahren schwelenden Tarifstreit geht es um den Fortbestand der Frühpensionen und der Konzerntarifverträge für die 5000 Piloten.

Die wichtigsten Punkte der Lufthansa-Schlichtung

Die Verhandlungen

Fast drei Jahre hat es von den ersten Verhandlungen bis zum Schlichtungsergebnis gedauert. Lufthansa und die Kabinengewerkschaft Ufo haben unter Anleitung des Schlichters Matthias Platzeck eine komplexe Lösung erarbeitet, die mehr als 20 Verträge umfasst. Einige wichtige Punkte im Überblick.

Entgelt

Im dreieinhalb Jahre langen Tarifzeitraum von Januar 2016 bis Juni 2019 steigen die Gehälter in drei Stufen um knapp 5,5 Prozent. Neben der ersten Stufe hat es bereits eine Einmalzahlung von 3.000 Euro für das sehr erfolgreiche Geschäftsjahr 2015 gegeben. Gewinnabhängige Lohnkomponenten werden erhöht.

Betriebsrenten

Das System wird komplett umgekrempelt und mit den Übergangsrenten (ab 55 möglich) zusammengeführt. Grundsätzlich geht das Zinsrisiko auf die Mitarbeiter über, weil Lufthansa nur noch feste Beiträge zahlt, statt wie bislang die Höhe der Renten zu garantieren. Das entlastet die Bilanz. Lufthansa legt beim Gehalt 5,2 Prozent für die Alterssicherung drauf. Ob es sich für die Mitarbeiter rechnet, hängt von der Rendite ab, für die ein Mitarbeiterfonds verantwortlich zeichnet. Für jüngere Mitarbeiter darf mit den Überschüssen auch in riskanteren Anlagen spekuliert werden.

Künftige Konflikte

Auf Drängen Platzecks haben sich die Partner Spielregeln für den künftigen Umgang miteinander gegeben. Wichtigster Punkt ist neben regelmäßigen Treffen die verbindliche Schlichtung vor einem unbefristeten Streik.

Beschäftigungsgarantie

Die Kabinenmitarbeiter müssen bis 2021 nicht um ihre Jobs zittern. Neben dieser Beschäftigungsgarantie hat das Unternehmen auch zugesagt, seine Flugzeuge bis 2023 nicht mit Fremdpersonal zu besetzen. Zuletzt war die Personaldecke sehr dünn geworden, sodass Lufthansa zu ungewöhnlichen Rekrutierungsmaßnahmen wie einem Casting nach TV-Vorbild griff.

Berufsbild

Aus dem viermonatigen Anlernjob Flugbegleiter soll ein Ausbildungsberuf auf Bachelor-Niveau entwickelt werden. Die höheren Entgeltstufen für Flugbegleiter mit mindestens 2150 Euro monatlichem Grundgehalt kann künftig nur noch erreichen, wer die 18-monatige Ausbildung absolviert.

Mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hatte sich der Konzern Anfang Juli auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der jüngst auch vom Gros der 19.000 Stewards und Stewardessen angenommen worden war. Ende vorigen Jahres erzielte der Vorstand auch einen Abschluss mit Verdi für die 30.000 Beschäftigten des Bodenpersonals und anderer Konzerntöchter. Abgesehen von den Tarifkonflikten sei es wichtig, den Umbau der Lufthansa voranzutreiben, sagte Spohr. Ohne wirtschaftlichen Erfolg könne der Konzern die notwendigen Investitionen in das Unternehmen nicht stemmen. „Deswegen müssen wir finanziell auf einem erfolgreichen Pfad bleiben, um die Modernisierung der Lufthansa fortsetzen zu können.“

Die Lufthansa erwartet dieses Jahr bis zu 1,8 Milliarden Euro Betriebsgewinn. Vom Ziel, diese Marke zu toppen, hatte sich der Konzern vor einem Monate verabschiedet. Als Grund nannte der Konzern die Anschläge, die Urlaubern aus Asien und Amerika von einer Reise nach Europa abhalten.

Von

rtr

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