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18.05.2015

15:33 Uhr

Tarifkonflikt

Die Bahn ist mit ihrem Latein am Ende

VonFrank Specht

Bahn-Personalvorstand Weber gesteht nach 20 weiteren Verhandlungsstunden ein, im Tarifkonflikt nicht weiter zu kommen. Doch dass die Bahn vor der GDL einknickt, ist auch nach einer weiteren Streikrunde unwahrscheinlich.

Der Konflikt sei so verfahren, dass nur ein unabhängiger Vermittler ihn noch lösen könne, sagt Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. dpa

Lokführer streiken vor dem Hauptbahnhof Leipzig

Der Konflikt sei so verfahren, dass nur ein unabhängiger Vermittler ihn noch lösen könne, sagt Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.

BerlinUlrich Weber ist nahe an der Verzweiflung: Der Tarifstreit in seinem Unternehmen sei inzwischen für viele nur noch schwer nachvollziehbar, sagt der Bahn-Personalvorstand am Montag in einer Telefonkonferenz. Die Lokführergewerkschaft GDL rufe ihre Mitglieder „ohne Sinn und ohne Not“ erneut zum Arbeitskampf. Der Konflikt sei so verfahren, dass nur ein unabhängiger Vermittler ihn noch lösen könne. „Wir brauchen eine Gesamtschlichtung über alle Punkte – über Struktur, über Arbeitszeit, über Geld“, sagte Weber. Er hoffe inständig, dass GDL-Chef Claus Weselsky das einsehe und an den Verhandlungstisch zurückkehre.

Der Angesprochene hatte da längst eine Pressemitteilung verschicken lassen, die keinen Zweifel daran lässt, dass der Deutschen Bahn nach dem vor gut einer Woche beendeten längsten Streik in ihrer Geschichte ein neuer Ausstand droht: „Erneut zwingt die Deutsche Bahn die eigenen Lokomotivführer, Lokrangierführer und Zugbegleiter zum Arbeitskampf.“

Mehr als 20 Stunden hatten GDL und Arbeitgeber seit Donnerstag verhandelt. Die Bahn habe auch neue Ideen und Vorschläge für die Gruppe der Lokrangierführer unterbreitet, an denen sich die GDL zuletzt festgebissen hatte, erläutert Weber. Sie sollen – wie von der GDL gefordert – ab sofort so bezahlt werden wie die besser verdienenden Streckenlokomotivführer. Also der entscheidende Durchbruch? Mitnichten. Die GDL nennt den Vorschlag zwar durchaus „intelligent“, doch den Weg, wie die Angleichung der Lokführer erster und zweiter Klasse vonstatten gehen soll, den lehnt sie dann doch ab. Webers Fazit: „Die GDL will offenbar gar nichts.“

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

Der Personalvorstand gesteht ein, dass er mit seinem Latein am Ende ist. Sein Unternehmen habe den früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck als unabhängigen Beobachter vorgeschlagen und die GDL sage Nein. Auch ein juristisches Expertengespräch mit dem früheren Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler sei bisher nicht zustande gekommen. Bepler ist in dem ganzen Konflikt keine unbedeutende Figur. Unter seinem Vorsitz fällte der 4. Senat des Bundesarbeitsgerichts 2010 das wegweisende Urteil zur Tarifeinheit.

Erst danach konnte Weselskys GDL für sich in Anspruch nehmen, neben den Lokführern auch Tarifverträge für Zugbegleiter, Bordgastronomen oder Trainer und Disponenten abzuschließen, die bisher von der konkurrierenden Gewerkschaft EVG vertreten wurde.

Kommentare (6)

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Herr Tom Schmidt

18.05.2015, 16:16 Uhr

Der Bahnvorstand ist schuld!!!

... an der miesen Situation sich mit dieser Minigewerkschaft rumschlagen zu müssen. Lokführer denken sie wären halbe Piloten... in manchen Städten ist U-Bahn-Schaffner ein Studentenjob! Anspruch und Wirklichkeit liegen bei der GDL in keinem Verhältnis. Aber... ein einigermassen klar denkender Bahnvorstand hätte nach den letzten GLD-Exzessen dafür gesorgt, dass ein paar mehr Bahnmitarbeiter eine Lokführerlizenz haben... und schon hätte sich das Thema GDL erledigt...

Herr Marcel Europaeer

18.05.2015, 16:44 Uhr

„Und da sollen wir nachgeben? Das können Sie von niemandem erwarten.“

Doch Herr Weber, auch Nachgeben wird von fähigen Verhandlungsführern erwartet.

Warum sonst setzen sich die Herren und Damen zu Tarifverhandlungen denn nach Ihrer Meinung zusammen?
Zum Kaffetrinken?
Um immer wieder die gleichen Sprüche wider zu käuen?
Weil sie Spaß daran haben, sich gegenseitig die Unfähigkeit zur konstruktiven Verhandlungsführung vorzuwerfen

Ein Verhandlungsergebnis bedeutet immer, dass sich die Seiten aufeinander zu bewegen, oder wie die Qualitätspresse es ausdrückt: Dass man einknickt. Das Argument der Bahn, keine unterschiedlichen Tarifverträge für eine Berufsgrupe zu dulden, ist Unfug. Verbeamtete und angestellte Lokführer haben auch unterschiedliche Tarifverträge.

Also kommt mal zu Potte!!!!

Herr Fred Meisenkaiser

18.05.2015, 16:53 Uhr

Die GDL als Tarifpartner anerkennen, liebe Bahn - und schon ist der Streik beendet. Aber das hat Mutti wohl verboten.
Glücklicherweise reicht es noch für über 1,5Mio Jahresgehalt des Herrn Pofalla - als Vorstandsmitglied. Dies sollen die Mitarbeiter über sinkende Löhne ausgleichen.

Übrigens, ein Lokführer in der Schweiz bekommt das Doppelte. Und er hat weniger Steuern, geringere Abgaben eine viel bessere Altersvorsorge!

Die Gier der Reichen in unserem Lande wird immer unerträglicher. Dabi sind es die Gehälter der Chefs und Vorstände die sinnlos explodieren, während die Einkommen derer, die alles erwirtschaften stagnieren.
Ist aber auch dem Umstand geschuldet, dass sie Deutschen viel zu wenig streiken, deshalb die miesen Löhne - selbst Schuld!
Die Einheitsgewerkschaft handelt eben nur Almosen aus. Ist Zeit geworden, dass zugkräftige Gewerkschaften kommen. Auch hier beflügelt Konkurrenz das Geschäft!

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