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30.08.2012

07:48 Uhr

Tarifkonflikt

Lufthansa-Flugbegleiter streiken ab Freitag

Aufatmen für die Lufthansa-Kunden - aber nur für die, die heute fliegen: Die Streiks der Flugbegleiter beginnen erst am Freitag. Das Rätselraten ist damit vorerst beendet - die Passagiere bleiben verunsichert.

Reisende stehen am Mittwoch in einer Schlange vor den Check-In-Schaltern der Lufthansa. dpa

Reisende stehen am Mittwoch in einer Schlange vor den Check-In-Schaltern der Lufthansa.

FrankfurtLange hat die Gewerkschaft UFO, also die Flugbegleiter der Deutschen Lufthansa, herumgemacht, wann sie ihre Streiks nun beginnen werden. Nun steht die Aussage, dass es morgen soweit sein wird. "Der morgige Freitag wird der erste Tag sein, an dem konkret gestreikt wird", teilte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Donnerstag auf ihrer Internetseite mit. Die Gewerkschaft will zunächst eine Politik der Nadelstiche verfolgen und die Lufthansa mit örtlich begrenzten Ausständen treffen. "Es werden keine flächendeckenden Streiks sein", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies der Nachrichtenagentur Reuters.

Wo und wann die Stewardessen und Stewards die Arbeit niederlegen, wollte die Gewerkschaft noch nicht bekanntgeben. "Wir wollen der Lufthansa nicht Gelegenheit geben, sich mit Streikbrechern und Ersatzcrews auf den Ausstand vorzubereiten", sagte Baublies. "Deshalb verraten wir den Ort erst sechs Stunden vor Beginn." Die Gewerkschaft beließ es in ihrer Mitteilung lediglich bei einer Andeutung: Der Streik werde an dem Ort stattfinden, "wo auch die Verantwortung für das derzeitige Lufthansa-Desaster begann". Baublies wollte dies nicht erläutern. Der von Ufo bekämpfte Einsatz von Leiharbeitern an Bord begann in Berlin. Der Lufthansa-Vorstand sitzt in Frankfurt.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Die Lufthansa will die Auswirkungen des Arbeitskampfs auf die Fluggäste so weit wie möglich abfedern. "Wir sind vorbereitet und haben mehrere Szenarien in der Schublade", sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Er räumte aber ein: "Konkret können wir uns erst vorbereiten, wenn wir wissen, wo gestreikt wird." Die Fluggesellschaft forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

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Der Tarifstreit dauert bereits seit gut einem Jahr. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Managements hingegen sind Einschnitte nötig, da Billigfluggesellschaften der Lufthansa in Europa das Leben schwermachen und ihr auf den Fernstrecken Rivalen aus dem Nahen Osten Passagiere abluchsen. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf und verlangt nun, dass auch die Bord-Servicekräfte einen Beitrag leisten.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Von den rund 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa sind nach Schätzungen aus der Branche etwa zwei Drittel in der Gewerkschaft Ufo organisiert. Ufo hatte nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen am Dienstag erklärt, sie bereite unbefristete und flächendeckende Arbeitsniederlegungen für den Fall vor, dass eine Strategie der Nadelstiche nicht aufgehe. "Es kann sein, dass dieser Arbeitskampf noch sehr lange andauern wird", erklärte die Gewerkschaft am Donnerstag.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Mit Potenzial zur Blockade

Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Mintkatze

31.08.2012, 14:43 Uhr

Also bei dieser UfO muss ich mal sagen: die verdienen bis zu 4.000€ pro Monat!! Davon können andere in Krisenzeiten nur träumen!! Von daher sollte diese UfO mal zur Vernunft kommen und - wie von der Lufthansa gefordert - an den Verhandlungstisch zurückkehren. Außerdem glaube ich denen kein Wort, wenn die behaupten es täte ihnen für die Passagiere und die Lufthansa-Kunden leid!!

Denn die haben ja die Passagiere stranden lassen, obwohl die sehr wohl wissen, wie viele Abreitsplätze auch da für andere dranhängen!!

Aber zum Glück gibt es ja noch genug andere Flüghäfen in Deutschland, von denen Flieger mit europäischen Verbindungen und internationalen Verbindungen starten!!

Hier mal reingucken: http://www.german-airports.de/

Darüber hinaus kann man auch im Internet Flüge buchen und braucht die Schalter eigentlich gar nicht. Für alle Betroffenen: hier geht's in die Luft:

http://www.expedia.de/

http://www.opodo.de/

Darüber hinaus gibt es auf den meisten Airports auch Reisebüros, die euch helfen können, euch auf andere Airliner umzubuchen!! Denn auch bei den Airlinern gibt es mehr als genug Auswahl. Ganz besonders innerhalb Europas!!

Und wer innerdeutsche Strecken braucht, für den stehen die Bahn und die Busser bereit!! Übrigens: auch die Bahn gibt es im Internet zu finden:

http://www.bahn.de/p/view/index.shtml

Von daher an die Betroffenen: zeigt es dieser UfO mal und lasst euch einfach auf andere Flughäfen und auf andere Airliner umbuchen!! Die Auswahl ist groß!!

Und aus genau diesem Grund wird die UfO dieses Spiel verlieren auch wenn sie versuchen wird, in die Fläche zu gehen. Denn deren Ziel ist es ganz offensichtlich nicht nur die Lufthansa und die Passagiere zu schädigen, sondern auch die Fraport AG, die dieses Jahr und im letzten Jahr durch die Streikst der Piloten (Gewerkschaft: Vereinigung Cockpit), durch die ganzen Fluglotsenstreiks und durch die Streiks des Bodenpersonals schon genug geschädigt wurde!!

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