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16.12.2016

11:12 Uhr

Tarifkonflikt

Lufthansa und Piloten gehen in die Schlichtung

Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wollen den Tarifkonflikt beigelegen. Bis Ende Januar soll die Schlichtung abgeschlossen werden. Bis dahin soll es keine neuen Streiks geben.

Die Piloten haben sich mit der Fluggesellschaft im Tarifkonflikt geeinigt. dpa

Lufthansa

Die Piloten haben sich mit der Fluggesellschaft im Tarifkonflikt geeinigt.

FrankfurtDie Piloten und das Management der Lufthansa haben sich in ihrem zähen Tarifkonflikt auf eine Schlichtung geeinigt. Die Schlichtung solle bis Ende Januar abgeschlossen werden, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Freitag mit. Zur Person des Schlichters sei Stillschweigen vereinbart worden. Man wolle einen ungestörten und effizienten Schlichtungsprozess gewährleisten, hieß es.Die Lufthansa bestätigte den Vermittlungsprozess.

In der Schlichtung geht es ausschließlich um den Vergütungstarifvertrag. Bezogen darauf gelte die Friedenspflicht, erklärten beide Parteien. Wegen Gehaltsfragen sind damit Streiks bis Ende Januar ausgeschlossen. Arbeitsniederlegungen der Piloten wegen anderer Streitthemen bleiben zwar theoretisch möglich, sind aber unwahrscheinlich. Dies würde die Gespräche belasten.

„Wir wollen gemeinsam mit der VC einen langfristigen Tariffrieden erreichen“, sagte Bettina Volkens, Personal-Vorstand bei Lufthansa. Man sei zuversichtlich, eine Einigung zu finden. Ein Sprecher von VC erklärte, mit der Konzentration auf die Vergütung seien die Verhandlungen nicht mehr so kompliziert. Zwar liege man bei den Gehältern noch weit auseinander, doch der 31. Januar sei ein „durchaus realistischer Zeitraum“, um eine Lösung zu finden.

Was verdient ein Pilot?

Grundgehalt

Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, teils selbstbezahlten Flugschule mit einem Brutto-Grundgehalt von 55.500 Euro ein, das inklusive Zulagen für Schichtdienst und Flugstunden über das vereinbarte Maß hinaus ein realistisches Anfangsgehalt von rund 73.000 Euro ergibt.

Das „Senioritätsprinzip“

Nahezu jedes Jahr folgt nun nach dem „Senioritätsprinzip“ die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193.000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das pro Jahr mehr als 255.000 Euro brutto werden.

Im europäischen Vergleich

Ähnliche Gehälter werden bei europäischen Ex-Staatsfluglinien wie der Air France-KLM auch bezahlt. Etwas unter diesem Niveau liegen nach einer Aufstellung der Website Airliners.de die British Airways und Easjet, die von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in der Vergangenheit schon als Messlatte für einen möglichen Low-Cost-Tarifvertrag im Lufthansa-Konzern genannt worden ist.

Zulagen-Modell

Das untere Marktende markieren kleinere Gesellschaften wie die Air-Berlin-Tochter Niki, bei der ein Kapitän laut dem Portal Pilotjobsnetwork bis zu 74.000 Euro im Jahr verdienen kann. Allerdings locken hier vergleichsweise hohe Zulagen für tatsächlich geleistete Flugstunden.

Vorwurf Sozialdumping

Der irische Billigflieger Ryanair wehrt sich gegen den Vorwurf des Sozialdumpings. Bei der Airline könnten Kapitäne bis zu 170.000 Euro verdienen, erklärte noch am Donnerstag ein Unternehmensvertreter. In Branchenvergleichen ist hingegen von 85.000 Euro Höchstgehalt und 25.000 Euro Einstiegssalär die Rede.

Die Piloten hatten zuletzt Ende November in der 14. Runde sechs Tage lang gestreikt und dem Unternehmen einen Schaden von rund 100 Millionen Euro zugefügt. Rund 4450 Flüge mit 525.000 betroffenen Passagieren blieben am Boden.

Das letzte Angebot der Lufthansa beinhaltete eine Lohnsteigerung von 4,4 Prozent sowie eine Einmalzahlung. Die Gewerkschaft fordert für die 5400 Lufthansa-Piloten 3,7 Prozent mehr Geld im Jahr – einschließlich Nachzahlungen für vier Jahre. Konzernchef Carsten Spohr hatte sich vorige Woche entschlossen gezeigt, nicht einzulenken. „Lieber ein paar Tage ohne Lufthansa als irgendwann ganz ohne Lufthansa“, hatte er gesagt.

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