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15.02.2017

14:37 Uhr

Tarifkonflikt

Lufthansa und Piloten legen Lohn-Streit bei

Die Lufthansa und ihre Piloten stimmen der Empfehlung des Schlichters zu und legen den Lohntarifstreit bei. Die Piloten erhalten nun über sieben Jahre 8,7 Prozent mehr Geld. Doch es gibt weiter ungelöste Probleme.

In dem langjährigen Lohntarifstreit gibt es jetzt eine Lösung. Reuters, Sascha Rheker

Lufthansa-Piloten

In dem langjährigen Lohntarifstreit gibt es jetzt eine Lösung.

FrankfurtDie Lufthansa und die Piloten legen ihren zähen Lohntarifkonflikt bei. Beide Seiten haben eine entsprechende Schlichterempfehlung angenommen, wie die Lufthansa am Mittwoch mitteilte. Die Einigung bezieht auf die Gehälter der 5400 Piloten im Konzerntarifvertrag (KTV) von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Allerdings sind noch viele weitere Tarifthemen offen. „Die Bewertung des Schlichterspruches war erwartungsgemäß sehr schwierig und verlangt von den Piloten maximale Kompromissbereitschaft“, sagte Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

Wie die Lufthansa mitteilte, erhalten die Piloten eine Vergütungserhöhung in vier Stufen in Höhe von insgesamt 8,7 Prozent. Zusätzlich gebe es eine Einmalzahlung im Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro, was voraussichtlich einer Ausschüttung von 5000 bis 6000 Euro je Beschäftigtem entspreche. Die Laufzeit der Vergütungstarifverträge gilt laut Lufthansa bis Ende 2019. Zugleich erklärte der Konzern einseitig, 40 neue Flugzeuge nicht mehr mit Piloten zu besetzen, die nach dem umstrittenen Konzerntarifvertrag bezahlt werden.

Tarifstreit zwischen Lufthansa und ihren Piloten

Lufthansa und ihre Piloten am Scheideweg

Nach 14 Streiks, 500 Millionen Euro Kosten, ungezählten Verhandlungsrunden und einer Schlichtung stehen Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Scheideweg. Legen die Streithähne ihren bereits 2012 begonnenen Tarifkonflikt bei oder wird der einvernehmliche Weg in die Airline-Zukunft endgültig verbaut? Der Schlichter Gunter Pleuger hat seine Vorstellungen zum Teilaspekt der Gehaltsstrukturen für rund 5400 Piloten auf den Tisch gelegt. Doch es geht um viel mehr als nur um Geld.

Über was mussten die Tarifparteien entscheiden?

Formal ging es in der Mitte Januar begonnenen Schlichtung ausschließlich um die Gehälter der 5400 Piloten, die nach dem Konzerntarifvertrag für die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings fliegen. Pleugers Schlichterspruch musste sich folglich auf dieses Thema beschränken.

Was schlägt der Schlichter vor?

Auf Basis der Einigung erhalten die 5400 Lufthansa-Piloten nun 8,7 Prozent mehr Geld über sieben Jahre. Sie hatten rückwirkend ab 2012 rund 3,7 Prozent mehr Gehalt im Jahr gefordert. Die Lufthansa bot bei einer Laufzeit von sechs Jahren eine Lohnsteigerung von 0,7 Prozent pro Jahr.

Warum bringt ein Gehaltskompromiss allein keinen Frieden?

Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister hat bereits klargemacht, dass zusätzliche Kostenbelastungen an anderer Stelle wieder hereingeholt werden müssten. Zwischen Lufthansa und der VC gibt es noch etliche weitere ungelöste Tarifprobleme, mit schwierigen Regelungen zum Vorruhestand und zu den Betriebsrenten an der Spitze. Auch zu diesen Fragen könnte die VC jederzeit Streiks vom Zaun brechen. Ein isolierter Gehaltsabschluss könnte die weiteren Gespräche sogar erschweren, weil damit die Verhandlungsmasse kleiner würde. In der Vergangenheit hatte der Vergütungstarifvertrag häufig als „Verschiebebahnhof“ fungiert, wenn für andere Regelungen ein Ausgleich gesucht wurde.

Um was geht es wirklich?

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will unbedingt spürbare Kostensenkungen auch in den Cockpits durchsetzen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die gut verdienenden Piloten streiten für den Fortbestand ihrer hergebrachten Lufthansa mit garantierten Arbeitsplätzen und geplantem Wachstum innerhalb des Konzerntarifvertrags (KTV). Aus ihrer Sicht wollen sie nicht „erpressbar“ sein, wenn Lufthansa immer mehr Strecken auf andere Konzerngesellschaften verlagert, deren Piloten nicht nach dem KTV bezahlt werden. Schon jetzt sind die KTV-Piloten in der Minderheit, denn bei den Konzerngesellschaften Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings wird überall weniger verdient.

Warum soll gerade jetzt der große Durchbruch gelingen?

Weil intern alle Argumente auf dem Tisch liegen. Es hat vor, während und nach der Schlichtung immer wieder parallele Sondierungen gegeben, um nach einer Gesamtlösung zu suchen. Ohne sie scheint ein isolierter Gehaltstarifvertrag die Lage eher zu komplizieren.

Der Tarifkonflikt läuft seit bereits seit 2012 – mit mittlerweile 14 Streiks, 500 Millionen Euro Kosten und ungezählten Verhandlungsrunden. Der bislang letzte Streik hatte Reisepläne von Lufthansa-Kunden Ende November durcheinander gebracht.

Formal ging es in der Mitte Januar begonnenen Schlichtung ausschließlich um die Gehälter der 5400 Piloten, die nach dem Konzerntarifvertrag für die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings fliegen. Pleugers Schlichterspruch musste sich folglich auf dieses Thema beschränken, Lufthansa und VC könnten auf dieser Grundlage einen Tarifvertrag abschließen oder den Vorschlag auch jeweils ablehnen. Andere Tarifthemen wurden ausgeklammert.

Schlichter Pleuger hatte seine Vorschläge vor knapp einer Woche vorgelegt, über Inhalte war Stillschweigen vereinbart worden. Lufthansa hat den Piloten über einen sechsjährigen Tarifzeitraum eine Einmalzahlung und 4,4 Prozent mehr Geld angeboten. Die VC hatte in fünf Jahresschritten über 20 Prozent verlangt.

Was verdient ein Pilot?

Grundgehalt

Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, teils selbstbezahlten Flugschule mit einem Brutto-Grundgehalt von 55.500 Euro ein, das inklusive Zulagen für Schichtdienst und Flugstunden über das vereinbarte Maß hinaus ein realistisches Anfangsgehalt von rund 73.000 Euro ergibt.

Das „Senioritätsprinzip“

Nahezu jedes Jahr folgt nun nach dem „Senioritätsprinzip“ die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193.000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das pro Jahr mehr als 255.000 Euro brutto werden.

Im europäischen Vergleich

Ähnliche Gehälter werden bei europäischen Ex-Staatsfluglinien wie der Air France-KLM auch bezahlt. Etwas unter diesem Niveau liegen nach einer Aufstellung der Website Airliners.de die British Airways und Easjet, die von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in der Vergangenheit schon als Messlatte für einen möglichen Low-Cost-Tarifvertrag im Lufthansa-Konzern genannt worden ist.

Zulagen-Modell

Das untere Marktende markieren kleinere Gesellschaften wie die Air-Berlin-Tochter Niki, bei der ein Kapitän laut dem Portal Pilotjobsnetwork bis zu 74.000 Euro im Jahr verdienen kann. Allerdings locken hier vergleichsweise hohe Zulagen für tatsächlich geleistete Flugstunden.

Vorwurf Sozialdumping

Der irische Billigflieger Ryanair wehrt sich gegen den Vorwurf des Sozialdumpings. Bei der Airline könnten Kapitäne bis zu 170.000 Euro verdienen, erklärte noch am Donnerstag ein Unternehmensvertreter. In Branchenvergleichen ist hingegen von 85.000 Euro Höchstgehalt und 25.000 Euro Einstiegssalär die Rede.

Kurz vor Ende des Schlichtungsverfahrens hatte Lufthansa die Piloten vor einem zu hohen Abschluss gewarnt. Zusätzliche Millionenkosten könnten dazu führen, dass Investitionen für neue Flugzeuge in andere Teilgesellschaften des Konzerns gelenkt würden, hatte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister gesagt. Lufthansa denke auch über die Gründung einer neuen Airline nach, die Strecken von der Lufthansa-Mutter übernehmen könne. Die VC sah in den Äußerungen einen Einschüchterungsversuch gegen den Schlichter.

Der umstrittene Konzerntarifvertrag (KTV) sieht vor, dass Flugzeuge der Marke Lufthansa nahezu ausschließlich von Piloten geflogen werden dürfen, die nach dem KTV beschäftigt werden. Lufthansa sucht daher nach Wegen, Flugzeuge mit billigeren Piloten betreiben zu können. Im Konzern sind die KTV-Piloten bereits in der Minderheit. Bei allen Töchtern wie Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings wird weniger gezahlt.

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