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29.03.2014

16:21 Uhr

Tarifkonflikt

Lufthansa will Streiks ohne Schlichter abwenden

Die Gewerkschaft der Lufthansa-Piloten hat für nächste Woche massive Streiks angekündigt. Die will das Unternehmen noch verhindern und ist deshalb zu Gesprächen bereit. Auf Schlichtung will Lufthansa aber verzichten.

Maschinen der Lufthansa könnten nächste Woche an drei Tagen stehen bleiben: Dem Unternehmen entginge damit ein operativer Gewinn von 30 bis 50 Millionen Euro. dpa

Maschinen der Lufthansa könnten nächste Woche an drei Tagen stehen bleiben: Dem Unternehmen entginge damit ein operativer Gewinn von 30 bis 50 Millionen Euro.

Frankfurt/HamburgDie Lufthansa will die in der kommenden Woche drohenden massiven Streiks durch neue Verhandlungen mit den Piloten in letzter Minute verhindern – und auch eine Schlichtung vermeiden. Die Personalchefin von Europas größter Fluggesellschaft, Bettina Volkens, erneuerte im „Spiegel“ ihren Appell an die Vertreter der Vereinigung Cockpit (VC), rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren: „Wir sind jederzeit verfügbar und geben die Hoffnung nicht auf.“

Der von der Pilotengewerkschaft angekündigte dreitägige Arbeitskampf von Mittwoch bis Freitag dürfte den Konzern sonst eine „hohe zweistellige Millionensumme“ kosten. Nach einer Schätzung von Metzler-Analyst Jürgen Pieper geht der Lufthansa im Fall eines Drei-Tages-Streiks ein operativer Gewinn von 30 bis 50 Millionen Euro durch die Lappen.

Volkens hatte bereits zuvor betont, dass der Lufthansa nur wenige Tage blieben, um Schäden für die Kunden abzuwenden. Nach VC-Angaben soll der Streik am 2. April um 00.00 Uhr starten und bis Freitagnacht (23.59 Uhr) dauern. Während dieser Zeit dürfte kaum noch ein Lufthansa-Flug abheben. Der Streik träfe zudem die Osterferien in Niedersachsen und Bremen, die am Donnerstag beginnen. Am Montag will die Lufthansa im Internet einen Ersatzflugplan vorstellen.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Die Passagiere der Airline hätten damit direkt nach den rund 600 Flugausfällen wegen eines Verdi-Warnstreiks an deutschen Airports abermals mit den Folgen von Arbeitsniederlegungen zu kämpfen. Volkens dringt auf eine Lösung zwischen Gewerkschaft und Unternehmen, ehe ein mögliches Schlichtungsverfahren eingeleitet werden müsste. „Dieses Thema ist sehr komplex, deshalb würde ich es gern mit der VC gemeinsam lösen“, sagte sie dem Hamburger Nachrichtenmagazin.

Kommende Woche

Lufthansa-Piloten wollen drei Tage streiken

Kommende Woche: Lufthansa-Piloten wollen drei Tage streiken

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Neben der Forderung nach höheren Gehältern ist zwischen Management und Piloten vor allem die Zukunft der Übergangsrenten für die Flugzeugführer strittig. Man habe am Donnerstag ein neues Angebot vorgelegt, betonte Volkens. VC-Tarifexpertin Ilona Ritter verteidigte dagegen die Streikpläne: „Der von uns angekündigte Verzicht, die Osterferien nicht mit Arbeitskämpfen zu belasten, wurde anscheinend vom Management nicht als Zeichen unseres Verantwortungsbewusstseins gegenüber den Urlaubsreisenden verstanden. Wir lassen uns von Lufthansa nicht hinhalten“, erklärte sie.

Cockpit fordert, dass wegen der Belastungen durch lange Schichten und Nachtarbeit jeder Pilot selbst entscheiden solle, wann er mit dem Job aufhört. Auch ein neues Angebot der Lufthansa sei nicht ausreichend, da sich die Konditionen für neue Piloten auf jeden Fall verschlechterten, sagte die Cockpit-Tarifvorsitzende Ilona Ritter zu Reuters. „Wir wollen, dass alle Piloten gleich behandelt werden.“ Die Gewerkschaft werde sich neuen Gespräche aber nicht verschließen.

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