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14.03.2013

19:57 Uhr

Tarifkonflikt

Streiks provozieren Flugausfälle am Freitag

Mehrere Fluggesellschaften streichen für Freitag Flüge an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn. Verdi hatte die Streiks im Tarifkonflikt des privaten Sicherheitsgewerbes ausgeweitet. Ab Montag wird wieder verhandelt.

Verdi-Mitglieder streiken am Montag in Düsseldorf. Am Freitag wollen die privaten Sicherheitsdienstleister erneut ihre Arbeit niederlegen. dpa

Verdi-Mitglieder streiken am Montag in Düsseldorf. Am Freitag wollen die privaten Sicherheitsdienstleister erneut ihre Arbeit niederlegen.

FrankfurtDie Gewerkschaft Verdi weitet im Tarifkonflikt des privaten Sicherheitsgewerbes die Streiks aus. Nicht nur die Kontrolleure an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn sollen am Freitag ganztägig die Arbeit niederlegen, sondern auch die Sicherheitskräfte des nordrhein-westfälischen Landtags, erklärte die Gewerkschaft am Donnerstag. In den vergangenen Wochen hatten bereits mehrere Ausstände an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn für zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen gesorgt.

In Köln/Bonn stehen 211 Abflüge und Landungen an. Bis zum Abend wurden bereits 66 davon annulliert. Germanwings sagte 22 Flüge ab, wie die Lufthansa-Tochter am Donnerstagnachmittag mitteilte. In Düsseldorf annullierte Lufthansa 46 Verbindungen, wie die Airline auf ihrer Webseite mitteilte. Air Berlin strich nach eigenen Angaben in Köln-Bonn 23 Flüge.

Rechte der Passagiere bei Streiks

Streichung des Fluges

Wird der Flug wegen der Arbeitsniederlegung ganz gestrichen, muss die Airline nach der EU-Verordnung für Fluggastrechte die Passagiere per Ersatzflug zum Ziel befördern. Dies dürfte unter den gegebenen Umständen kaum möglich sein. Alternativ kann der Reisende bei Annullierung des Fluges vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen. Ausgleichszahlungen braucht die Fluggesellschaft nach bislang überwiegender Ansicht nicht zu leisten, wenn sie alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um Flugannullierungen zu vermeiden.

Verspätung des Fluges

Startet die Maschine wegen des Streiks erst verspätet, haben Reisende nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung bei Abflugsverzögerungen von zwei Stunden (Kurzstrecken bis 1.500 Kilometer), drei (Mittelstrecken bis 3.500 Kilometer) bzw. vier Stunden (Langstrecken) Anspruch auf kostenlose Betreuung. So hat die Airline auf Wunsch des Reisenden für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie für notwendige Hotelübernachtungen inklusive Transfer zu sorgen. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Fluggesellschaft die notwendigen Kosten einer Übernachtung im Hotel übernehmen. Wer die Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Flugverspätung darauf pochen, das Geld dafür zurückzubekommen.

Flug bei einer Pauschalreise

Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, sollte sich der Urlauber an den Reiseveranstalter wenden. Auch er hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Allerdings muss dem Veranstalter in der Regel eine angemessene Frist (einige Stunden) gesetzt werden, um einen solchen Transport zu bewerkstelligen. Ist das gebuchte Flugzeug wegen des Streikes bis zu vier Stunden verspätet, gilt das nach bisheriger Rechtsprechung zum Pauschalreiserecht als bloße Unannehmlichkeit. Erst wenn der Flieger mehr als vier Stunden Verspätung hat, kann – je nach Flugstrecke – ein Reisemangel vorliegen. Dann können fünf Prozent des Tagesreisepreises für jede weitere Verspätungsstunde vom Veranstalter zurückverlangt werden. Urlauber haben außerdem die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Reisepreis zu mindern, etwa wenn Reiseleistungen ausgefallen sind.

Nach mehreren erfolglosen Gesprächsrunden wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft nach Angaben von Verdi am Montag wieder verhandeln. "Die Beschäftigten demonstrieren mit ihrem Ausstand noch einmal eindringlich ihre Entschlossenheit in diesem Tarifkonflikt.

Wir erwarten am Montag den Durchbruch in den Verhandlungen und wollen vor den Osterferien einen neuen Tarifvertrag unterschreiben", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker. Die Osterferien im bevölkerungsreichsten Bundesland beginnen am 25. März. Die Arbeitgeber hätten seit Dezember kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. "Montag muss der Knoten durchgeschlagen werden", erklärte Becker.

Die Passagiere an den Flughäfen werden von sogenannten Luftsicherheitsassistenten kontrolliert - sie sind Angestellte von Firmen, die die Aufgabe im Auftrag der Bundespolizei übernehmen. Nach Gewerkschaftsangaben arbeiten 70 bis 80 Prozent der Sicherheitsleute in Nordrhein-Westfalen in der untersten Lohngruppe und erhalten in der Stunde 8,23 Euro. Verdi fordert zwischen 2,50 Euro und 3,64 Euro mehr pro Stunde. Der Verband der Sicherheitsfirmen BDSW nennt die Forderung "völlig überzogen".

Kommentare (3)

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Fluggast

14.03.2013, 13:47 Uhr

Diese notorischen Dauerstreiker und Geiselnehmer sind wirklich unterstes Niveau...

Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen grundgesetzlich verbrieftem Streikrecht und Mißbrauch in Tateinheit mit banaler Kriminalität ?
Die Vollpfosten von Verdi sollten gleich mit wegen Beihilfe und Anstiftung rangenommen werden....

Vielflieger

14.03.2013, 19:58 Uhr

Das Streikrecht ist hier zu großzügig. Es müsste mindestens eine Friedenspflicht bei angesetzten Verhandlungsterminen, wenn nicht gar ein Streikverbot ob der Tragweite geben.

Account gelöscht!

15.03.2013, 05:00 Uhr

Hier werden - wie immer - die "Kunden" in Geiselhaft genommen.
Welche Anforderungen werden für diesen "Beruf" eigendlich gestellt? KEINE! Das kann selbst ein dressierter Affe mit einem IQ von <70.

Und Ver.di will sie mit 13,5€ bis 15,5€/h bezahlen. Für andere Berufe fordert Ver.di 8,50€/h Mindestlohn. Und das sind quallifizierte Berufe!


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