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03.04.2014

12:32 Uhr

Tarifkonflikt

Verdi droht Amazon mit weiteren Streiks

Der Tarifkonflikt zwischen Amazon und Verdi spitzt sich zu. Die Gewerkschaft kündigte nun weitere Streiks an – und wirft dem Online-Versandhändler „fehlenden Respekt“ vor.

Amazon muss mit weiteren Streiks rechnen. dpa

Amazon muss mit weiteren Streiks rechnen.

BerlinIm Tarifkonflikt bei Amazon hat Verdi dem Online-Versandhändler erneut mit Streiks in Deutschland gedroht. Die Gewerkschaft wolle weiter mit flexiblen Arbeitsniederlegungen für eine Tarifbindung für die mehr als 9000 Beschäftigten kämpfen, teilte Verdi am Donnerstag in Berlin mit. Damit reagierte die Gewerkschaft auf das vor kurzem von Amazon ausgeschlagene Angebot zu einem Spitzengespräch. Dies sei unverständlich und zeuge von „fehlendem Respekt“, sagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel. Es sei eine große Chance vertan worden, den seit fast einem Jahr bestehenden Tarifkonflikt zu lösen.

„Statt auf existenzsichernde Standards durch Tarifbindung als Zeichen von Wertschätzung setzt Amazon auf das Prinzip der Freiwilligkeit und Arbeitgeberwillkür und verlangt obendrein von den Menschen eine extrem hohe Flexibilität - nun bekommt Amazon Flexibilität bei Streiks und Aktionen“, sagte Nutzenberger.

Nach einer mehrmonatigen Pause hatte die Gewerkschaft zuletzt am Montag am Amazon-Standort Leipzig zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Davor hatte Verdi das Weihnachtsgeschäft in Leipzig und Bad Hersfeld bestreikt.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Die Gewerkschaft will für die Mitarbeiter eine Bezahlung nach Einzelhandelstarif erreichen. Amazon sieht sich als Logistiker, der mit seinen Löhnen am oberen Ende des Branchenüblichen liegt.

Von

dpa

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