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27.03.2014

09:05 Uhr

Tarifkonflikt

Verdi legt Flughäfen lahm

Die Gewerkschaft Verdi macht Druck: Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes bestreikt sie nach Bussen, Bahnen und Kindertagesstätten nun die Flughäfen. Vor allem in Frankfurt sind die Auswirkungen massiv.

Flughäfen lahmgelegt, Kitas geschlossen

Der Streik hat Deutschland fest im Griff

Flughäfen lahmgelegt, Kitas geschlossen: Der Streik hat Deutschland fest im Griff

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BerlinAn den großen deutschen Flughäfen haben Warnstreiks im öffentlichen Dienst begonnen. So legten Flughafenmitarbeiter am größten deutschen Drehkreuz in Frankfurt die Arbeit nieder. Allein die Lufthansa strich mehr als 600 Flüge, vor allem innerdeutsche und europäische Verbindungen.

Am Frankfurter Airport haben Mitarbeiter der Betreibergesellschaft Fraport mit Beginn der Frühschicht um 3.30 Uhr ihre Arbeit niedergelegt, wie ein Sprecher der Gewerkschaft sagte. Eine Sprecherin von Verdi Hessen sagte, mehrere hundert Leute hätten sich für die Streikkundgebung versammelt. 1400 Flughafen-Mitarbeiter dürften sich am Streik beteiligen, dazu aufgerufen seien 12.000 Beschäftigte. Betroffen sind vor allem Bodenabfertigung, Frachtverladung und die Verwaltung.

Am zweitgrößten deutschen Flughafen in München wurden rund 130 Flüge annulliert, wie ein Sprecher am Morgen sagte. „In den Terminals ist es sehr ruhig, da ja auch bekannt war, dass gestreikt wird.“ Die Streikbeteiligung sei relativ gering. „Die Flüge, die stattfinden, werden relativ normal abgefertigt.“

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Auch in Hannover legten unter anderem Beschäftigte in der Flugzeugversorgung, in der Gepäckabfertigung und bei den Personenkontrollen die Arbeit nieder. Bereits am frühen Donnerstagmorgen mussten deshalb mehrere Flüge gestrichen werden. „Besonders betroffen sind Lufthansa-Flüge“, sagte eine Sprecherin des Flughafens.

Die Lufthansa hat für Donnerstag jeden dritten Flug abgesagt. Annulliert werden der Airline zufolge an den Flughäfen Frankfurt und München so gut wie alle innerdeutschen Flüge und Europaverbindungen, die im Zeitraum bis 14.00 Uhr planmäßig vorgesehen waren. Auch die Langstreckenverbindungen von und nach Frankfurt und München sind betroffen. Üblicherweise stehen bei der Airline an einem Wochentag 1800 Flüge auf dem Flugplan. Auch bei Air Berlin werde es wegen des Ausstandes zu Verspätungen und Flugausfällen kommen, sagte eine Sprecherin der zweitgrößten deutschen Fluglinie.

Aufgerufen zum Streik sind die Beschäftigten an den beiden Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München sowie an den Airports in Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart.

Zudem rief Verdi mehrere zehntausend Beschäftigte aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes wie Stadtverwaltungen oder Kitas zu Warnstreiks auf. Am Donnerstag soll es in mehreren Ländern Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen geben.

Verdi will damit Druck vor der dritten Tarifrunde machen. Die Gewerkschaften fordern, dass die Einkommen der 2,1 Millionen Angestellten im Bund und in den Kommunen um einen Betrag von 100 Euro und dann zusätzlich um weitere 3,5 Prozent steigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt.

Warnstreiks bei Verdi: „Beliebig lange und beliebig oft“

Warnstreiks bei Verdi

„Beliebig lange und beliebig oft“

Pendler und Eltern ärgern sich in diesen Tagen über die Streiks im öffentlichen Dienst. Doch darf Verdi eigentlich große Teile der Republik lahmlegen? Gregor Thüsing von der Universität Bonn über das Arbeitskampfrecht.

Die Gewerkschaft sucht eine zügige Entscheidung. Er setze auf eine Lösung in der dritten Runde der Gespräche Anfang kommender Woche, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Donnerstag im Deutschlandfunk. Allerdings seien zentrale Fragen noch strittig, etwa der Umfang der Lohnerhöhungen, die soziale Komponente und die Übernahme von Auszubildenden. Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne um 3,5 Prozent plus 100 Euro mehr monatlich für jeden Beschäftigten. „Wir wollen teilhaben am wirtschaftlichen Aufschwung“, sagte Bsirske.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.03.2014, 12:20 Uhr

Öffentlicher Dienst, Streiks legen bundesweit Flughäfen lahm
Es muss schon die Frage erlaubt sein, ob eine Gewerkschaft Lebensadern einer Gesellschaft ohne weiteres blockieren darf, um ihre Forderungen durchzusetzen?
Ich empfinde dieses Vorgehen der Gewerkschaft als Einschränkung meiner persönlichen Freiheit weil es sich jedes Jahr widerhallt.
Hier müssen neue Streikmöglichkeiten erdacht werden, um die berechtigten Interessen der Beschäftigten, auf eine andere Art und Weiße durchzusetzen.

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