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22.04.2013

06:57 Uhr

Tarifkonflikt

Warnstreik legt Lufthansa lahm

Das Bodenpersonal der Lufthansa legt die Arbeit nieder. Kaum ein Flieger soll heute abheben. Techniker und Servicepersonal fordern mehr Geld und eine Jobgarantie. Die Lufthansa kontert mit einem Gegenangebot.

Schon wieder Ausfälle

Lufthansa-Warnstreik an allen großen deutschen Flughäfen

Schon wieder Ausfälle: Lufthansa-Warnstreik an allen großen deutschen Flughäfen

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Frankfurt/BerlinBei der Lufthansa hat am Montagmorgen ein bundesweiter Warnstreik begonnen. Die Fluggesellschaft hatte im Vorfeld fast alle Flüge gestrichen. „Die Streiks sind überall angelaufen mit den ersten Schichten“, sagte Verdi-Sprecherin Martina Sönnichsen. Die Gewerkschaft hatte zu dem ganztägigen Arbeitsausstand aufgerufen und rechnet mit mehreren tausend Technikern und Servicekräften, die sich beteiligen werden.

Bundesweit sollte am Montag kaum ein Lufthansa-Flugzeug abheben. Von insgesamt 1720 geplanten Verbindungen sollen nur 32 starten. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen.

Gegen 4.00 Uhr legte das Bodenpersonal der Airline am Stuttgarter Flughafen die Arbeit nieder. „Hier ist bisher kein Schalter besetzt“, sagte Bernd Köster von der Gewerkschaft. In der Nacht war der Warnstreik bereits an Standorten der Lufthansa Technik angelaufen.

Auf den meisten Flughäfen in Deutschland starteten die Warnstreiks des Bodenpersonals gegen 5.00 Uhr. Auch am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt blieben die Schalter am Morgen leer, wie Gerold Schaub von Verdi Frankfurt am Morgen sagte. Großer Andrang herrschte zunächst nicht. „Das Terminal ist fast leer, weil die meisten Passagiere wohl darauf vorbereitet waren.“

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, die Fluggesellschaft rechne nicht mit einem großen Ansturm. Sie gehe davon aus, dass sich viele Passagiere im Vorfeld der Warnstreiks informiert hätten.

Dagegen bereitet sich die Bahn auf einen Ansturm an den Gleisen vor, weil Lufthansa-Passagiere, die Flüge gebucht haben, kostenlos mit dem Zug fahren können. Die Bahn hatte angekündigt, zusätzliche Züge und mehr Personal einsetzen.

Streiks und Warnstreiks im deutschen Luftverkehr

21. März 2012

Am Frankfurter Flughafen fallen während eines fünftägigen Arbeitskampfes mehr als 1700 Flüge aus, rund 170 000 Passagiere sind betroffen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld legen rund 1500 Beschäftigte des Bodendienstleisters Globeground die Arbeit nieder.

7. September

Die Gewerkschaft Ufo verursacht den bislang größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100 000 Passagiere sind betroffen. Es ist der erste bundesweite Streik der rund 18 000 Lufthansa-Flugbegleiter. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

10. Dezember

Warnstreiks des privaten Sicherheitspersonals führen an mehreren deutschen Flughäfen zu Verspätungen. Verdi hatte zu den Aktionen aufgerufen. Hintergrund sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag.

18. Januar 2013

Ein Streik legt den Hamburger Flughafen weitgehend lahm. Die meisten Beschäftigten an den Sicherheitskontrollen folgen einem Verdi-Aufruf und legen für den ganzen Tag die Arbeit nieder. Betroffen sind rund 19 000 Reisende.

24./ 25. Januar

Ein Streik des privaten Sicherheitspersonals auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sorgt für große Behinderungen. Hunderte Flüge fallen aus.

14./ 15. Februar

Streiks der Sicherheitskräfte in Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn legen den Betrieb erneut fast komplett lahm.

20. Februar

Die Streiks gehen in Hamburg weiter, vor den Terminals gibt es wieder lange Warteschlangen.

26. Februar

In der ersten Runde der Tarifverhandlungen bei der Lufthansa kommen sich die Parteien nicht näher. Die Gespräche werden auf den 22. März vertagt.

20. März 2013

Kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde ruft Verdi zu Warnstreiks an den Standorten Frankfurt, Berlin und Hamburg auf. Die Gewerkschaft Verdi vertritt vor allem Beschäftigte in den Boden- und Serviceeinheiten der Lufthansa.

Verdi fordert im Tarifkonflikt mit Lufthansa 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Jobgarantien für rund 33 000 Mitarbeiter. Lufthansa hatte die Forderungen mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppe auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Lauer erklärt. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig.

Zudem prüft das Unternehmen rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft. Denn die Lufthansa erwartet nach eigenen Schätzungen in der Folge einen zweistelligen Millionenschaden. Personalvorstand Stefan Lauer erklärte in einer Mitteilung: „Ein 24-stündiger Warnstreik ist faktisch von seiner Wirkung her ein Vollstreik und vor dem Hintergrund erster Verhandlungsfortschritte eine völlig überzogene Arbeitskampfmaßnahme, die sich definitiv nicht mit dem aktuellen Verhandlungsstand begründen lässt.“

Es ist bereits die zweite Welle von Arbeitsniederlegungen. Am 21. März waren bei einem kürzeren Warnstreik bundesweit 700 Flüge ausgefallen. Die nächste Verhandlung zwischen den Tarifparteien steht am 29./30. April an.

Von

dpa

Kommentare (12)

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piff_paff

22.04.2013, 08:14 Uhr

Ist doch kein Problem. Es gibt doch noch andere Fluggesellschaften. Ich fliege schon seit Längerem nicht mehr mit Lufthansa. Die werden mir zu oft bestreikt.

Die ganzen Gewerkschaften sägen denjenigen Ast ab, auf dem sie selbst sitzen.

DANDY

22.04.2013, 08:14 Uhr

..........................
..VERDI-WARNSTREIKS..
..........................
diese warnstreiks zulasten
der fluggäste ist nur der.
anfang dessen, was von einer
linksregierung zu befürchten
sein wird..
..
der verdi.vorsitzende ist ein
kommunist und handelt entspr.,
weil er für seine wiederwahl
werben muss..
..
ganz bewusst wird die bevöl-
kerung verunsichert uns das
unternehmen geschädigt..
..

Nachdenker

22.04.2013, 08:49 Uhr

Würden die Unternehmen faire Löhne und Gehälter wie zu DM-zeiten bezahlen, dann würde sich dieses Problem der ständigen weiteren Kosteneinsparungen gar nicht erst stellen.
Wer natürlich eine marktradikale freie Marktwirtschaft befeuert, der muss sich am Ende nicht wundern, wenn auch sein Job auf der Kippe steht. Das Problem ist diesem miesen Spiel ist der unfaire Wettbewerb, welcher immer den Billigsten gewinnen läßt. Ich kann als deutscher Arbeitnehmer, der hier in Deutschland lebt und seine Lebenshaltungskosten in Deutschland beschreitet, mich nicht mit einem Asiaten vergleichen, der unter völlig anderen Voraussetzungen in einem kommunistisch-diktatorisch regierten Land lebt. Wo Umweltstandards, Menschenwürde, persönliche Freiheit und Meinungsäußerung einen Scheissdreck zählen. Wer nicht spurt, wird getötet oder weggesperrt. Alle die hier so laut gegen die Gewerbschaften hetzen, können eigetlich nur Spitzenverdiener im Hamsterrad sein. Jeder normal denkende und verdienende Mensch, muss für starke Gewerkschaften sein, denn nur sie können dem Marktradikalismus sowie asozialen Unternehmen, welche staatlich subventiniertes Lohnjumping als ihr Geschäftsmodell auf dem Arbeitsmarkt etabliert haben, noch etwas entgegensetzen. Gerade die Marktradikalen schreien dann nach staatlicher Aufstockung der durch sie etablierten prekären Beschäftigung. Sie schaden den Sozialkassen, sie schaden dem fairen Mitbewerber und sie schaden der Allgemeinheit. Es sind „Parasiten“ der freien Marktwirtschaft, welche ihren „Wirt“, die Politik und Gewerkschaften mit Drohungen von Massenarbeitslosigkeit und Standortverlagerungen in Billiglohnländer kontinuierlich erpressen.

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