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11.11.2014

12:42 Uhr

Tarifkonflikt zwischen GDL und Bahn

Einzelhandel bangt um sein Weihnachtsgeschäft

Wenn die Lokführer streiken, dann kommen auch viele Kunden nicht in die Innenstädte. Aus diesem Grund bangt der Einzelhandel angesichts des Tarifkonflikts der GDL und der Deutschen Bahn um sein Weihnachtsgeschäft.

Der HDE erwartet in diesem Jahr im Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro. dpa

Der HDE erwartet in diesem Jahr im Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro.

BerlinDer Einzelhandel bangt angesichts des festgefahrenen Tarifkonflikts zwischen der Deutschen Bahn und den Lokführern um sein Weihnachtsgeschäft. „Der Streik trifft viele Einzelhändler bis ins Mark, wenn die Kunden nicht wie gewohnt den Weg in die Innenstädte finden“, sagte der Präsident des Branchenverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, am Dienstag in Berlin mit. „Viele Kunden lassen sich von einer unsicheren und unbequemen Anreise vom Einkaufsbummel abschrecken.“

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zuletzt auch am Samstag gestreikt, dem umsatzstärksten Wochentag im Einzelhandel. Auch S-Bahnen in Ballungszentren wie Berlin standen dadurch still. „Tarifauseinandersetzungen sind Teil unserer Demokratie, aber dazu gehört auch ein wenig Fingerspitzengefühl für die Lage und Betroffenheit anderer Wirtschaftsbranchen“, kritisierte Sanktjohanser die GDL. Im November und Dezember liegen die Umsätze im Einzelhandel um etwa 15 Prozent über dem Durchschnitt der anderen Monate.

Der HDE erwartet in diesem Jahr im Weihnachtsgeschäft ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro. 2013 hatte es noch einen Zuwachs von 1,9 Prozent gegeben. Nach einer Verbraucherumfrage der Hochschule für Oekonomie und Management im Auftrag des HDE wollen die Kunden in diesem Jahr durchschnittlich 447 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. „Das ist ein Betrag, den wir so noch nicht hatten in dieser Höhe“, sagte Hochschul-Professor Oliver Gansser.

Von

rtr

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