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26.09.2014

11:45 Uhr

Tarifkonflikte

Lokführer und Piloten wollen wieder streiken

Arbeitgeber und Gewerkschaften kommen nicht zusammen – weder in der Luft noch auf der Schiene. Die Lufthansa-Piloten wollen streiken, die Lokführer stimmen nun darüber ab. Für Reisende könnte es anstrengend werden.

Überall drohen Behinderungen für die Reisenden: Sowohl die Piloten als auch die Lokführer denken über neue Streiks nach. dpa

Überall drohen Behinderungen für die Reisenden: Sowohl die Piloten als auch die Lokführer denken über neue Streiks nach.

Berlin/ FrankfurtDie festgefahrenen Tarifkonflikte bei der Bahn und Lufthansa könnten in den kommenden Wochen die Reisepläne von Millionen Menschen kräftig durcheinanderbringen. Nach den erneut abgebrochenen Gesprächen mit den Gewerkschaften von Lokführern und Piloten drohen dem Zug- und Luftverkehr massive und möglicherweise unbefristete Streiks. Konkrete Zeiträume stehen zwar noch nicht fest, doch die Gewerkschaften wollen in jedem Fall nicht gleichzeitig streiken, wie die Gewerkschaften mitteilten.

Am Donnerstagabend hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Verhandlungen mit der Bahn abermals für gescheitert erklärt. Zuvor hatte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die gerade erst wieder aufgenommenen Gespräche mit der Lufthansa beendet und weitere Streiks angekündigt, ohne einen Termin zu nennen.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte, die GDL habe sich „nicht einen einzigen Millimeter“ bewegt. Sie zeige kein Interesse an einer Verständigung und lege eine Verweigerungshaltung an den Tag: „Das ist ein trauriges Spiel. Die GDL geht mit der Ankündigung „erforderlicher Kompromisse“ ins Gespräch, bringt aber keine Bereitschaft mit, einen eigenen Beitrag zum Weiterkommen zu leisten.“ Weber schloss zusätzliche Angebote an die Lokführer nun kategorisch aus. „Es ist alles ausgereizt“, sagte der Manager. Er werde aber alles tun, um den Gesprächsfaden zur GDL nicht abreißen zu lassen und Schaden von den Fahrgästen abzuwenden.

Die Lokführer-Gewerkschaft hielt dagegen, sie habe sich offen für „inhaltliche Tarifverhandlungen“ und verständigungsbereit gezeigt. „Keine Kompromisse sind aber möglich, wenn es um das ureigenste Recht einer jeden Gewerkschaft geht: nämlich das Recht auf Vertretung ihrer Mitglieder gegenüber dem Arbeitgeber.“ Grund des Scheiterns sei gewesen, dass die Bahn erneut als Vorbedingung die Tarifeinheit gestellt habe. „Damit hat die Deutsche Bahn die letzte Chance vertan, um Arbeitskämpfe abzuwenden“, erklärte GDL-Chef Claus Weselsky.

Spartengewerkschaften

Spartengewerkschaften – die mit der großen Macht

Klein, aber schlagkräftig: Im Luftverkehr, aber auch bei der Bahn und bei Medizinern gibt es einflussreiche Spartengewerkschaften, deren Arbeitskämpfe häufig weitreichende Folgen für die Bürger haben. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10.000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115.000 Mitglieder in Kliniken.

So nehme der bundeseigene Konzern bewusst weitere Streiks in Kauf. Die GDL will auch für Zugbegleiter und anderes Personal verhandeln, das bisher die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertritt. Sie sei nicht bereit, sich weiter der EVG zu unterwerfen. Schließlich hätten 51 Prozent des Zugpersonals die GDL beauftragt, sich für die notwendigen Verbesserungen der Arbeits- und Einkommensbedingungen einzusetzen. „Und dem werden wir nachkommen“, kündigte Weselsky an.

Nach bisher zwei Warnstreiks entscheiden die Lokführer bis zum 2. Oktober per Urabstimmung, ob sie wieder die Züge stehen lassen. Als nächstes könnte ein unbefristeter Streik angekündigt werden. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine kürzere Wochenarbeitszeit.

Bei der Lufthansa will die Pilotengewerkschaft Arbeitskampfmaßnahmen zwar weiterhin „jeweils vorher“ der Öffentlichkeit bekanntgeben. Die VC nennt dafür aber nicht mehr wie bislang eine Frist von 24 Stunden. Erst vor zehn Tagen hatte die Gewerkschaft die schon geplante fünfte Welle des Ausstands kurzfristig abgesagt und neue Verhandlungen mit Lufthansa zu den Übergangsrenten der rund 5400 betroffenen Piloten aufgenommen. Am Donnerstag erklärte Cockpit die Gespräche für gescheitert.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens warf der VC vor, nicht an einer partnerschaftlichen Lösung interessiert gewesen zu sein. Beim Teilprojekt „Jump“ für kostengünstigere Langstreckenflüge unter der Marke Lufthansa hätten sich die Piloten nicht offen für entsprechende Regelungen gezeigt. Nach Einschätzung von Beobachtern könnten nun Leiharbeiter im Cockpit infragekommen. Nach einer Urabstimmung zu den Übergangsrenten hat die VC seit April in bislang vier Streikwellen 4300 Flüge mit rund 480.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Ylander Ylander

26.09.2014, 12:03 Uhr

Es gibt nichts zu verhandeln, und es gibt schon gar nichts zu fordern. Die Leute sind sehr gut bezahlt.

Wenn das kein Ende findet mit den erpresserischen Streiks, muss man darüber nachdenken, sie mit Polizeigewalt zu beenden.

Auch die Einleitung von Strafverfahren ist zu prüfen.

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