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23.11.2014

10:26 Uhr

Tarifstreit

Bahngewerkschaft EVG droht mit Super-Streik

Nach der ergebnislosen dritten Tarifrunde hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG den Ton gegenüber der Deutschen Bahn verschärft. Noch vor Weihnachten könnte es demnach die Bahn-Kunden ganz hart treffen.

Protestierende EVG-Mitglieder am Rande des jüngsten Zusammentreffens ihrer Gewerkschaft mit der Deutschen Bahn in Frankfurt. Reuters

Protestierende EVG-Mitglieder am Rande des jüngsten Zusammentreffens ihrer Gewerkschaft mit der Deutschen Bahn in Frankfurt.

Berlin„Es liegt am Arbeitgeber. Wir können auch vor Weihnachten noch streiken, wenn wir nicht vorankommen“, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner dem Magazin „Focus“ – und malte das Schreckensszenario einer Art Super-Streik an die Wand: Ein Ausstand könne auch parallel zu Lokführerstreiks der Konkurrenzgewerkschaft GDL stattfinden. „Dabei interessiert uns nicht, was die GDL macht“, fügte Kirchner hinzu.

Wer fordert was im Bahn-Tarifkonflikt?

GDL

Die Lokführergewerkschaft fordert unter anderem fünf Prozent mehr Geld für das Zugpersonal für zwölf Monate und eine von 39 auf 37 Stunden reduzierte Wochenarbeitszeit ab Januar 2015. Der Knackpunkt: Die GDL will für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer unter ihnen. Die Zugbegleiter werden aber auch von der EVG vertreten, die bislang in diesem Bereich alleine die Tarifverträge ausgehandelt hat.

EVG

Die Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft fordert für ihre 100.000 Mitglieder bei der Bahn sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die EVG pocht darauf, dass es keine konkurrierenden Tarifregelungen für eine Berufsgruppe gibt.

Deutsche Bahn

Sie bietet den Lokführer 2,1 Prozent mehr Geld ab 1. Dezember 2014, dann 1,5 Prozent im Juli 2015 und 1,4 Prozent im Juli 2016. Außerdem soll es für die fünf Monate nach Auslaufen des bisherigen Tarifvertrags im Juni 2014 einen Einmalbetrag von 325 Euro geben. Der EVG hat sie bislang kein Angebot unterbreitet. Die Bahn will ebenfalls verschiedene Regelungen für eine Berufsgruppe vermeiden.

Ein EVG-Sprecher ergänzte dem Magazin zufolge, allein die Beschäftigten in der Stromversorgung der Bahn und in den Stellwerken könnten das Bahn-Netz vollständig blockieren und damit den gesamten Bahnverkehr still legen. Erste Warnstreiks seien ab 3. Dezember denkbar.

Am 3. Dezember will sich die EVG-Tarifkommission erneut mit einem Angebot der Bahn zur Lösung des verhärteten Tarifkonflikts befassen. Getrennte Verhandlungen von EVG und GDL mit der Bahn am Freitag hatten keinen Durchbruch gebracht. Die Gespräche sollen aber fortgesetzt werden. Mit der GDL will die Bahn bereits am kommenden Freitag weiter verhandeln, mit der EVG soll es am 12. Dezember ein weiteres Treffen geben.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

Die EVG will für ihre Mitglieder sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung der Gehälter um 150 Euro. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn, 37 statt 39 Stunden Wochenarbeitszeit sowie bessere Schichtpläne. Kern des Konfliktes ist jedoch, dass die GDL nicht mehr wie früher allein für die Lokführer, sondern auch für ihre Mitglieder unter den Zugbegleitern und Rangierführern eigene Verträge abschließen will, was bisher die EVG gemacht hat. Die EVG will im Gegenzug zum GDL-Vorstoß auch für die Lokführer unter ihren Mitgliedern sprechen. Die Bahn lehnt verschiedene Verträge für dieselbe Beschäftigtengruppe jedoch ab.

Kommentare (2)

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Herr Fred Meisenkaiser

24.11.2014, 07:24 Uhr

Wenn die Bahn so wichtig wäre, hätte man sie doch sicher nicht privatisiert.

Herr Wolfgang Trantow

24.11.2014, 19:09 Uhr

Schon wieder Streik bei der Bahn, wo jeder sagt: weg mit den PKWs??? Wie kommt man zur Arbeit? Holen mich Politiker ab??

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