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01.05.2015

13:26 Uhr

Tarifstreit bei der Bahn

GDL droht mit „richtigen langen“ Streiks

Reisende und Pendler müssen sich womöglich auf neue Behinderungen im Zugverkehr einstellen. Die Lokführergewerkschaft hat einen Vorschlag der Bahn als „Dreistigkeit“ zurückgewiesen – und lässt nun die Muskeln spielen.

Drei Tage waren nicht genug: Beim nächsten Streik will die GDL die Dauer deutlich erhöhen. dpa

Neue Streiks in Sicht

Drei Tage waren nicht genug: Beim nächsten Streik will die GDL die Dauer deutlich erhöhen.

Frankfurt/MainReisenden und Pendlern drohen erneut Behinderungen im Bahnverkehr. Die Lokführergewerkschaft GDL wies am Donnerstag ein neues Tarifangebot des Unternehmens zurück und stellte einen weiteren Arbeitskampf in Aussicht. „Nun denn - diesmal wird es richtig lang“, hieß es in einer auf der GDL-Homepage veröffentlichten Stellungnahme. Die Gewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bislang sieben Mal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt.

Die Bahn hatte am Mittwoch offeriert, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni. Das sei ein „seriöses Angebot“, das geeignet sei, den Tarifkonflikt zu beruhigen und weiterzukommen, sagte eine Bahn-Sprecherin am Freitag.

In der im Internet veröffentlichten Mitteilung bewertete die GDL das Angebot als unzureichend. Für 24 Monate würde lediglich eine Entgelterhöhung von rund drei Prozent wirksam. Die Gewerkschaft bezeichnete die Vorschläge der Unternehmensführung als „Dreistigkeiten“. Sie kritisierte, es gebe unter anderem weiterhin keine Angebote zur Absenkung der Arbeitszeit, zur Begrenzung von Überstunden sowie zur Belastungssenkung für das Zugpersonal. Außerdem wolle die Firma am „Zwei-Klassen-Lokomotivführer“ festhalten und Lokrangierführer schlechter bezahlen.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Die DB-Sprecherin wies am Freitag den Vorwurf der GDL zurück, die DB habe keine Angebote zur Entlastung gemacht: „Wir haben der GDL dazu einiges angeboten, zum Beispiel durch zusätzliche Einstellungen von 300 Lokführern oder durch Individuelle Arbeitszeit- und Schichtplangestaltung.“

Von der GDL habe das Unternehmen dazu bisher nichts gehört. „Wir haben noch keine Minute über höhere Löhne verhandelt“, sagte die Bahn-Sprecherin. Ein Lohnplus von 4,7 Prozent in zwei Stufen sei sonst das Ergebnis von Verhandlungen. Daher sei die offensichtliche Verweigerung der GDL nicht nachzuvollziehen. „Auch zur Entlastung von Arbeitnehmern und zum Lokrangierführer liegen Vorschläge auf dem Tisch.“ Sollte die GDL nicht wieder verhandeln, spricht sich die DB für eine Schlichtung aus. Die Gewerkschaft wirft der Bahn vor, auf Zeit zu spielen.

Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Sie hatte zuletzt in der vergangenen Woche im Personen- und Güterverkehr gestreikt. Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn.

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Der Konflikt ist so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.

Die EVG schloss am Mittwoch ihrerseits Streiks ausdrücklich nicht aus. Anlass war ein neues Angebot der Bahn für Service- und Sicherheitskräfte: 4,7 Prozent mehr Geld in zwei Stufen bei einer Laufzeit von 29 Monaten, wie die Gewerkschaft mitteilte. Die EVG fordert 6 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr Lohn und Gehalt. Sie kritisierte, die Bahn biete unterschiedliche Laufzeiten für verschiedene Berufsgruppen. Bei der nächsten Verhandlungsrunde am 12. Mai müsse die Bahn nachbessern.

Von

rtr

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