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13.04.2011

04:29 Uhr

Tarifstreit bei der Bahn

Lokführer und Bahn unterbrechen Gespräche

Die Gewerkschaft der Lokführer GDL und die Deutsche Bahn finden keinen Weg zu einer Einigung. Nach Gesprächen, die 18 Stunden dauerten, haben sich die Parteien getrennt. Streiks könnten wieder möglich sein.

Die GDL will mit dem Arbeitskampf einen einheitlichen Tarifvertrag für alle rund 26.000 Lokführer im Fern-, Nah- und Güterverkehr durchsetzen. Quelle: dpa

Die GDL will mit dem Arbeitskampf einen einheitlichen Tarifvertrag für alle rund 26.000 Lokführer im Fern-, Nah- und Güterverkehr durchsetzen.

FrankfurtNach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon haben die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL ihr Ringen um ein neues Tarifpaket überraschend unterbrochen. Nach 18 Stunden Diskussion am Stück gingen Arbeitgeber und Arbeitnehmer am frühen Mittwochmorgen in Frankfurt ohne einen Kompromiss auseinander.

„Die Vielfalt der Themen hat uns noch nicht die Möglichkeit gegeben, zu einem Abschluss zu kommen“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky der Nachrichtenagentur dpa. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) kündigte die Fortführung der Gespräche für diesen Freitag an. Nach eigenem Bekunden hatten sich die beiden Tarifparteien in den 13 vorangegangenen Verhandlungsrunden eigentlich so sehr angenähert, dass am Dienstag zunächst eine Einigung für die 20 000 Lokführer des staatseigenen Konzerns greifbar schien.

Strittig ist aktuell nur noch die neue Ausgestaltung des Haustarifvertrages. Er regelt DB-intern etwa Eckpunkte für das Überstundenkonto, die Altersvorsorge oder die Weiterqualifizierung. Wie die GDL bereits zuvor betont hatte, ist ein umkämpfter Punkt auch der Umgang mit Lokführern, die einen Selbstmord auf den Gleisen miterleben mussten und dann wegen eines schweren Traumas nicht mehr zurück in den Führerstand können.

Woran genau es bei den nächtlichen Gesprächen hakte, wollte keine Seite sagen. Einig sind sich GDL und DB bereits beim Rahmentarifvertrag, der zentrale Beschäftigungsstandards wie Entgelt, vier wichtige Zulagen und die wöchentliche Arbeitszeit festlegt. Die GDL will, dass das hohe Niveau dieses Rahmentarifs künftig auch für alle DB-Wettbewerber gilt. Dafür muss es aber einen Abschluss mit den Arbeitgebern bei den DB-Konkurrenten geben - doch bei diesen Verhandlungen ist die Lage derzeit weitaus festgefahrener als bei dem Branchenführer selbst.

Neben der DB mit ihren 20 000 Lokführern bieten vor allem die sogenannten Großen Sechs (G6) Arbeitsplätze im Führerstand der Züge. Die G6 sind: Abellio, Netinera (bisher: Arriva Deutschland), Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn. Diese G6, zu denen wiederum Tochtergesellschaften zählen, hatten ihre Verhandlungsgemeinschaft Anfang März aufgelöst. Nun hat es die GDL mit etlichen Einzelfirmen zu tun. Nur mit Keolis (Eurobahn) glückten erste Gespräche, bei den übrigen fünf großen DB-Wettbewerbern herrscht vor allem Funkstille. Weitere Streiks bei den Konkurrenten sind daher schon absehbar.

Ob Arbeitskämpfe bei der DB-Konkurrenz wie zunächst angekündigt noch diese Woche stattfinden könnten oder ob die Einigung mit der DB zunächst Vorrang hat, ließ GDL-Chef Weselsky offen. Ein DB-Lokführer verdient derzeit im Schnitt 2700 Euro brutto plus Zulagen, etwa für Nachtarbeit. Nach Darstellung der Gewerkschaft zahlt die Konkurrenz des Branchenriesen oft weitaus schlechter.

Von

dpa

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