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03.09.2012

16:57 Uhr

Tarifstreit

Flugbegleiter setzen Lufthansa letztes Ultimatum

Ufo setzt im Tarifkonflikt noch einen drauf: Die Gewerkschaft streikt nicht nur am Dienstag, sie droht nun auch einen flächendeckenden Arbeitskampf an. Bis morgen soll die Lufthansa ein neues Angebot vorlegen.

Laut Ufo wird länger und an mehr Orten gestreikt als am Freitag. dpa

Laut Ufo wird länger und an mehr Orten gestreikt als am Freitag.

FrankfurtDie Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo erhöht im Arbeitskampf mit der Lufthansa den Druck. „Wir geben der Lufthansa noch bis morgen, Dienstag, eine Chance. Dann muss sie sich auf flächendeckendere Streiks einstellen", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies der „Bild“-Zeitung (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht.

Ort oder Zeitpunkt des für Dienstag geplanten Ausstands wollten die Arbeitnehmervertreter noch nicht nennen. „Wir beobachten genau, wo die Lufthansa jetzt Vorbereitungen trifft und schlagen dann an einem anderen Ort zu. Der Nadelstich wird sitzen.“

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Die Lufthansa muss sich warm anziehen. Am ersten Streiktag - dem Freitag - musste die Kranich-Linie 190 Flüge streichen - drei Mal so viel wie zunächst geplant. 26.000 Passagiere saßen am Frankfurter Flughafen fest, die Kosten dafür gehen nach Konzernangaben in die Millionen.

Nun will Ufo den Streik nicht mehr auf einen Flughafen beschränken. Wo und wann genau gestreikt wird, wollen die Arbeitnehmervertreter mindestens sechs Stunden vor Beginn des Ausstandes verraten. „Die Kurzfristigkeit der Ankündigung limitiert unsere Reaktionszeit enorm“, räumte ein Lufthansa-Sprecher ein. Passagiere könnten ihren Flug kostenfrei umbuchen.

Nicoley Baublies: Der besonnene Kämpfer der Ufo

Nicoley Baublies

Der besonnene Kämpfer der Ufo

Der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft muss Fingerspitzengefühl beweisen.

Wenig Möglichkeiten hat die Airline, im Streikfall das fehlende Personal zu ersetzen. Ersatzcrews stehen kaum bereit und Tochter-Airlines wie Germanwings, die nicht bestreikt werden, haben nicht genug freie Plätze, um Tausende Lufthansa-Kunden aufzunehmen.

Eine Lösung des Tarifkonflikts ist nicht in Sicht. Beide Seiten reden derzeit nicht einmal miteinander. Das Unternehmen bietet ein Gehaltsplus von 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Allerdings sollen die Flugbegleiter dafür länger arbeiten. Ufo kämpft für fünf Prozent mehr Lohn über 15 Monate und gegen die Auslagerung von Stellen. Bei Deutschlands größter Fluglinie arbeiten 18.000 Stewards und Stewardessen.

Die Flugbegleiter der Lufthansa

Wer kann Flugbegleiter werden?

Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein „angemessenes Körpergewicht“, wie die Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (Quelle: dpa)

Einstiegsgehalt

Bei der Lufthansa betreuen rund 19 000 Flugbegleiter die Passagiere. Das Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage, schreibt die dpa.

Grundgehälter

Auf bis zu 4000 Euro steigen die Grundgehälter im Laufe eines Berufslebens nach einer vielstufigen Tariftabelle.

Spitzenverdienst

Purser, die für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig sind und zusätzlich Sicherheitsverantwortung während des Flugs übernehmen, verdienen in der Endstufe bis zu 7000 Euro.

Leiharbeiter

Für verschiedene Lufthansa-Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten andere Tarifbedingungen. Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.

Von

rtr

Kommentare (16)

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Frankie

03.09.2012, 17:31 Uhr

Mal eine ketzerische Frage: Wofür braucht es die Begleiter überhaupt? Zur Kontrolle, ob die Sitze 10 Grad höher sind bei der Landung? Einen schlechten Sandwich und Wasser kann ich mir vor dem Flug selber kaufen. Die LH sollte alle, die nicht sofort wieder zur Arbeit erscheinen, feuern. Verhandeln ja, aber erpressen, nein. Immer zu Lasten der zahlenden Gäste. Rufschädigung Deutschlands weltweit, garantiert. Die Asiaten lachen sich gerade mal wieder tot...

Katja

03.09.2012, 17:32 Uhr

Für eine Hilfskraft 4000 €, es scheint, auf dem Flugbetrieb herrschenj paradisische Bedingungen. Ich glaube kaum, daß ein Gehalt über 3000 € angemessen ist, ein Purser eben 4000 , der Rest ist nur lächerlich

Account gelöscht!

03.09.2012, 17:55 Uhr


Herr Weber sollte Herrn Franz, bevor Franz die Lufthansa vollständig ruiniert hat, endlich in die Wüste schicken.

Herr Franz verprellt mit seiner verfehlten Geschäftspolitik seit Jahren die treuesten LH Gäste, nämlich die Business-Vielflieger.

Darum ist jetzt auch weniger Geld für Gehälter und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität da. Andere Airlines fliegen der LH davon.

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