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21.06.2013

17:22 Uhr

Tarifstreit

Karstadt bleibt bei Ausstieg aus Tarifbindung

Die Warenhauskette sieht keine Alternative zum Ausstieg aus dem Tarifvertrag. Die Arbeitnehmerseite dagegen ist gespalten: Verdi will zurück zur Tarifbindung, andere wollen lieber eine Arbeitsplatzgarantie.

Karstadt will aus dem Tarifvertrag aussteigen. Davon erhofft sich der Konzern Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe. dpa

Karstadt will aus dem Tarifvertrag aussteigen. Davon erhofft sich der Konzern Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe.

DüsseldorfDer Warenhauskonzern Karstadt will im Streit mit der Gewerkschaft Verdi nicht auf einen befristeten Ausstieg aus dem Tarifvertrag verzichten. „Eine andere Alternative zur langfristigen Gesundung des Unternehmens gibt es nicht, da wir keinen weiteren Stellenabbau wollen“, betonte Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz am Freitag. „Wir sind weiter zu Gesprächen bereit“, sagte eine Verdi-Sprecherin. Die Gewerkschaft beharrt dabei auf ihren Positionen: „Die Tarifbindung ist die Forderung, über die wir verhandeln wollen“, unterstrich sie. Der Karstadt-Gesamtbetriebsrat will dem Konflikt dagegen ein Ende setzen. Es gebe in der Belegschaft „verschiedene Orientierungen“, hieß es im Arbeitnehmerlager.

Konzernbetriebsratschef Hellmut Patzelt forderte die Gewerkschaft Verdi und das Management auf, schnellstmöglich zu Gesprächen zusammenzukommen. Er zeigte sich optimistisch, dass dieser Schritt bald gegangen werde. „Ich denke, dass ein ernsthafter Wille da ist“, sagte Patzelt der Nachrichtenagentur Reuters. Wichtig sei, die Unsicherheit aus dem Unternehmen zu nehmen.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Karstadt hatte Mitte Mai den auf zwei Jahre befristeten Ausstieg aus der Tarifbindung verkündet. Der Konzern will so in der laufenden Tarifrunde für die Branche vereinbarte Lohnerhöhungen nicht mittragen müssen. Konzernkreisen zufolge will Karstadt so rund 36 Millionen Euro zusätzliche Kosten einsparen, die bei einer Erhöhung fällig werden könnten. Verdi pocht nun auf eine Rückkehr zum Tarifvertrag und organisiert Proteste in Karstadt-Warenhäusern. In der Belegschaft gebe es nun Kräfte, die aus Sorge um ihre Stellen eine Arbeitsplatzgarantie Lohnerhöhungen vorziehen würden, hieß es im Arbeitnehmerlager. Andere seien „kämpferisch“.

Weitz hatte der Belegschaft ein Garantiepapier angeboten, das unter anderem die aktuellen Gehälter und den Manteltarifvertrag festschreibt. Das Management sei notfalls bereit, auch nur mit dem Konzernbetriebsrat darüber zu reden, hieß es in Unternehmenskreisen. Es sei aber noch offen, ob es zu einer solchen Übereinkunft kommen könne und werde. Auch Verdi solle nach Möglichkeit eingebunden werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Nachwuchs

22.06.2013, 18:52 Uhr

Keine Alternative? Warum kürzt sich das Management nicht selbst ihre Einkommen um 95%, zahlt selber die von ihm verursachten Verluste und denkt endlich an die Mitarbeiter und Zukunft der Kirma. Früher haben es die manager bei Krupp geschafft Wohnen für die Mitarbeiter zu schaffen. Und Heute: Man sehe das Umfeld der Manager und sieht die Menschenverachtung!

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