Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.03.2011

14:26 Uhr

Tarifstreit

Lokführer bestreiken ab 20 Uhr Güterverkehr

Die Lokführer beginnen ihren bundesweiten Streik noch am Mittwochabend im Güterverkehr. Sie zielen damit auf das Herz-Kreislauf-System der vernetzten Wirtschaft. Das könnte sehr schnell schwerwiegende Folgen haben.

Ein Streikschild im Führerstand einer Lokomotive in Düsseldorf. Quelle: dpa

Ein Streikschild im Führerstand einer Lokomotive in Düsseldorf.

BerlinDie Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder dazu aufgerufen, ab 20 Uhr die Arbeit niederzulegen. Das kündigte GDL-Bezirkschef Frank Nachtigall am Mittwochmittag gegenüber dem Sender rbb an. Der Streik soll demnach von Mittwoch um 20 Uhr bis Donnerstag um 10 Uhr dauern.

Ein GDL-Sprecher in Frankfurt bestätigte auf Nachfrage den Zeitpunkt für den Beginn des Ausstandes. Zur Dauer machte er jedoch keine Angaben. "Mögliche weitere Maßnahmen werden wir wie immer zwölf Stunden vorher ankündigen."

Am Montag hatte die GDL bekannt gegeben, dass mehr als 90 Prozent ihrer Mitglieder in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik votierten. Die Gewerkschaft kämpft für einen einheitlichen Tarifvertrag für alle 26.000 Lokführer bei der Deutschen Bahn und ihren sechs Konkurrenten, bessere Absicherung bei Berufsunfähigkeit und höhere Gehälter. In den vergangenen Wochen mussten hunderttausende Bahnreisende wegen Warnstreiks bereits mehrfach Ausfälle und Verspätungen hinnehmen.

Die Speditionsbranche bezweifelt, dass sie bei den Streiks im Güterverkehr im großen Stil zusätzliche Transporte übernehmen kann. „Die Frage ist, inwieweit Speditionen überhaupt Kapazitäten frei haben“, sagte ein Sprecher des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) den „Stuttgarter Nachrichten“ (Mittwoch). Viele Betriebe hätten in der Krise Kapazitäten abgebaut, kleinere Unternehmen seien seither ganz vom Markt verschwunden.

Beim vergangenen Lokführerstreik im Jahr 2007 hatten zahlreiche Unternehmen einen Teil ihrer Warentransporte von der Schiene auf die Straße verlegt. Sie wollten damit die Folgen des Streiks für die Versorgung ihrer Werke mit Teilen und für die Auslieferung fertiger Produkte eindämmen.

Rund 70 Prozent aller Waren und Güter werden in Deutschland über die Straße transportiert, so ist in Statistiken nachzulesen. Die Schiene spielt bei der Versorgung der Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle. Doch je nach Branche wären die Folgen eines Lokführerstreiks erheblich. Die betroffenen Unternehmen wissen das - und sie haben sich gerüstet.

Etwa die Stahlindustrie, die eng an die Schiene angebunden ist. "Wir haben eine eigene Logistikgesellschaft für den internen Verkehr. Unsere Lokführer sind so ausgebildet, dass sie auch auf dem öffentlichen Netz fahren können", beschreibt ein Sprecher des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp die Strategie für den Streikfall. "Wir können das eine Zeit lang so machen, aber natürlich nicht ewig."

"Ein länger andauernder Streik würde Bremsspuren im Aufschwung hinterlassen. Über diese Konsequenzen sollten sich die Lokführer bewusst sein", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): "Nicht jeder Autokäufer in den USA oder Asien wird deshalb länger auf sein deutsches Auto warten wollen, sondern sich vielleicht für ein anderes Fabrikat entscheiden."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×