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01.07.2015

17:10 Uhr

Tarifstreit mit Verdi

Real heuert Streikbrecher über Briefkastenfirma an

VonMassimo Bognanni

Die Metro-Tochter Real kämpft im laufenden Tarifstreit mit harten Bandagen. Dabei setzt die Supermarktkette auch Streikbrecher ein – und umgeht die Regelungen des Tarifvertrags mit Hilfe einer Briefkastenfirma.

Die Supermarktkette setzt im Tarifstreit auch Streikbrecher ein. dpa

Real-Markt in Köln

Die Supermarktkette setzt im Tarifstreit auch Streikbrecher ein.

DüsseldorfIm laufenden Tarifstreit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kämpft die Metro-Tochter Real mit harten Bandagen. Wie das „Handelsblatt“ (Donnerstagsausgabe) berichtet, beschäftigt der Einzelhändler in seinen Supermärkten Streikbrecher. Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma erhalten für die Zeit des Streiks befristete Verträge mit einer zweiten Zeitarbeitsfirma. Auf diese Weise umschifft der Konzern den Tarifvertrag für Zeitarbeit, nach dem das Streikbrechen strikt untersagt ist

Dem Handelsblatt liegt ein Schreiben vor, das die Methode dokumentiert. Es stammt aus der Personalabteilung der Zeitarbeitsfirma „4U @work“ (4U), die mit Real zusammenarbeitet. Für den Fall eines Streiks gilt demnach folgende Anweisung: „Wenn die Real-Angestellten aufstehen und ihren Arbeitsplatz verlassen, stehen Sie mit auf, gehen in das Büro der Geschäftsleitung und unterschreiben die dort liegenden Verträge!“

Gemeint sind Verträge bei der Firma Novum, einem Unternehmen, das weder eine öffentlich zugängliche Homepage noch eine Telefonnummer hat und laut Auskunfteien nur einen Angestellten beschäftigt.
Für Real aber hat Novum einen großen Vorteil: Anders als der Geschäftspartner 4U ist Novum nicht im Bundesarbeitgeberverband für Personaldienstleister (BAP) organisiert. Somit ist Novum auch nicht an den BAP-Tarifvertrag gebunden, der den Streikbruch untersagt. Ist der Streik vorbei, wechseln die Leiharbeiter von Novum wieder zurück zu 4U

Real bestätigte auf Handelsblatt-Anfrage diese Praxis. Man sei sicher, dass die Methode rechtens sei, betonte Unternehmenssprecher Markus Jablonski. Sie werde in „einigen“ Märkten bereits eingesetzt, etwa im hessischen Groß-Gerau. Es gebe aber keinen Aufruf zum Streikbruch. Jablonski: „Die Real überlassenen Zeitarbeitnehmer entscheiden eigenständig, ob sie im Streikfall die Arbeit aufnehmen oder von ihrem Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen.“

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

01.07.2015, 17:32 Uhr

Natürlich ist es jedem Unternehmen erlaubt, seine Tätigkeiten mit Mitarbeitern seiner Wahl auszuüben.
Sollten einige davon "rechtmäßig" ihre Arbeit verweigern und damit das Unternehmen beschädigen, ist jeder Geschäftsführer/Vorstand gesetzlich gehalten diesen Schaden für die Eigner so gering wie möglich zu halten ansonsten er sich strafbar machte.
Das mag zwar den Arbeitsverweigerern und den Gewerkschaftsfunktionären egal sein, ändert jedoch nichts an der Verpflichtung zur Schadensminderung.

Herr Ingo Tietz

01.07.2015, 18:17 Uhr

Warum bezahlt Real nicht einfach seinen Mitarbeitern mehr Geld? Wir haben doch eh schon eine Deflationsspirale bei Löhnen und Gehältern, wohin soll das alles noch führen? Einerseits wollen die Unternehmen wachsen, andererseits bezahlen Sie miese Löhne, woraufhin diejenigen, welche konsumieren würden einsparen, da sie zu wenig zum ausgeben haben.
Sowas ist doch pervers, wie soll ein Wirtchaftssystem da noch funktionieren.
DHL treibt es genauso, wann wehrt sich endlich die breite Masse gegen die Schweinereien?

Account gelöscht!

01.07.2015, 18:44 Uhr

@....-nister:

Leider sitzen auch Sie dem längst überholten keynes´schen Nachfragemodell an, welches vorwiegend von Linken und Gewerkschaftsfunktionären noch zu Hilfe gezogen wird, um ihr längst überholtes Weltbild zu erklären.
Keynes selbst hat es in seinen späten Tagen längst als Unfug und nicht funktionabel widerrufen.

Produkte werden global angeboten, gekauft - oder eben nicht, wenn sie zu teuer, etwa wegen hoher Löhne, sind. Dann Macht das Werk zu und produziert wird anderswo unter günstigeren Produktionsbedingungen. Das ist doch längst bekannt und ein alter aber richtig passender Hut.

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