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09.12.2016

13:06 Uhr

Tarifverhandlungen

Deutsche Bahn und Gewerkschaft vertagen Gespräche

Auch nach 16 Stunden Verhandlungen war in der Bahn-Tarifrunde keine Einigung in Sicht. Sonntag soll es ein erneutes Treffen geben. Wenn sich Bahn und Gewerkschaft nicht zusammenraufen, könnte es wieder Warnstreiks geben.

Nach einer 16-stündigen Verhandlung sind sich Deutsche Bahn und Gewerkschaft immer noch uneinig. Deshalb sollen die Verhandlungen am Wochenende erneut aufgenommen werden. dpa

Tarifrunde auf Sonntag vertagt

Nach einer 16-stündigen Verhandlung sind sich Deutsche Bahn und Gewerkschaft immer noch uneinig. Deshalb sollen die Verhandlungen am Wochenende erneut aufgenommen werden.

BerlinDie Tarifparteien bei der Deutschen Bahn ringen weiter um eine Einigung für rund 150.000 Beschäftigte. Die Gespräche zwischen dem Unternehmen und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sollen am Sonntag und Montag fortgesetzt werden, wie beide Seiten am Freitag mitteilten. Wird dann kein Kompromiss gefunden, droht die EVG mit Warnstreiks. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz am Freitag.

Am Freitagmorgen waren die Gespräche nach 16 Stunden unterbrochen worden. „Wir haben in zentralen Themen immer noch Diskussionsbedarf, nach 16 Stunden intensiver Verhandlungen erscheint es aber wenig zielführend, jetzt noch weiterzumachen, ohne dass ein Ergebnis absehbar ist“, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben viel Zeit benötigt, aber können feststellen: Es hat sich gelohnt.“ Sein Unternehmen habe sich deutlich auf die EVG zubewegt, gleiches erwarte man nun von der Gewerkschaft.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Ausgehandelt werden müssen vor allem noch die künftige Höhe der Einkommen und die Ausgestaltung eines Wahlmodells, das die EVG fordert. Demnach sollen die Beschäftigten einen Teil der Entgelterhöhung – 2,5 Prozent – auf Wunsch in sechs Tage mehr Urlaub oder eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit umwandeln können. „Wir wollen ein einfaches und leicht verständliches Modell“, sagte Reitz. Eine weitgehende Einigung gibt es über eine Regelung für die Rufbereitschaft im Konzern.

Die Bahn sei weiterhin bereit, ein individuelles Wahlmodell bei der Arbeitszeit einzuführen, teilte das Unternehmen mit. „Da geht es eben um die Details“, sagte eine Sprecherin. Dem Vorschlag der Bahn zufolge sollen Mitarbeiter ab 2018 wählen können, ob sie ihre 39-Stunden-Woche beibehalten und 2,5 Prozent mehr Lohn bekommen oder ob sie mehr Freizeit und keine Lohnerhöhung erhalten. Außerdem bietet die Bahn eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent, 0,2 Prozent für höheren Zusatzurlaub für Nachtarbeiter und eine Einmalzahlung in Höhe von 375 Euro an. Die Gesamtlaufzeit soll 27 Monate vom 1. Oktober 2016 bis Ende 2018 betragen.

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Die Gewerkschaft hatte bereits am Donnerstag versucht, die Bahn zu Zugeständnissen zu bewegen, indem sie mit Warnstreiks in der kommenden Woche drohte. „Wenn wir das am Verhandlungstisch nicht hinkriegen, dann kennt jeder die Konsequenzen.“ Zur Ausgestaltung eines möglichen Warnstreiks wollte Reitz sich nicht äußern.

Die EVG ging mit einer Forderung von 4,5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen und zusätzlich 2,5 Prozent, die die Arbeitnehmer auch gegen sechs Tage mehr Urlaub oder eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit eintauschen können sollen.

Parallel zur EVG verhandelt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit der Bahn über neue Tarife für die rund 35.000 Beschäftigten des Zugpersonals. Bahn und GDL treffen sich am 16. Dezember das nächste Mal.

Von

dpa

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