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08.03.2013

08:26 Uhr

Tarifverhandlungen

Erneut Streiks am Flughafen Köln/Bonn

Die Fluggäste am Flughafen Köln/Bonn müssen sich wieder auf Verspätungen und Flugausfälle einstellen: Das Sicherheitspersonal ist am Freitag erneut in Streik getreten. Bereits am frühen Morgen fielen knapp 50 Flüge aus.

Sicherheitsdienst streikt

Flieger in Köln-Bonn bleiben am Boden

Sicherheitsdienst streikt: Flieger in Köln-Bonn bleiben am Boden

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Düsseldorf/KölnWegen erneuter Streiks des Sicherheitspersonals müssen sich Fluggäste in Köln/Bonn wieder auf Behinderungen einstellen. Rund 150 Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste legten am Freitagmorgen an dem Flughafen die Arbeit nieder. Im Laufe des Tages sollte die Zahl auf etwa 220 Streikende steigen, kündigte Verdi-Sprecher Özay Tarim an. Das seien – bis auf wenige Kräfte mit befristeten Verträgen – nahezu alle Beschäftigten der verschiedenen Schichten.

Seit dem frühen Morgen fielen etliche Flüge aus. Allein Germanwings strich nach eigenen Angaben 26 abfliegende und ankommende Maschinen, Air Berlin 17 Flüge. Fluggesellschaften hätten bereits insgesamt 49 Starts und 21 Landungen gestrichen, teilte der Flughafenbetreiber am Morgen mit. In der Zeit von vier Uhr bis sieben Uhr hätten 15 Abflüge auf den Flugplan gestanden, lediglich vier Maschinen konnten starten. Derzeit sei nur eine Kontrollstelle für Reisende in den Terminals geöffnet. „Es muss im Laufe des Tages mit erheblichen Beeinträchtigungen des Flugverkehrs gerechnet werden“, warnte die Flughafengesellschaft. Der aktuellen Information des Flughafens zufolge waren knapp 50 Flüge annulliert.

In den beiden Terminals war nur eine Sicherheitsschleuse geöffnet, sagte Tarim. Die Streikenden hätten sich mit Warnwesten und Transparenten vor dem Sicherheitsbereich aufgestellt.

Im Tarifkonflikt der privaten Sicherheitsdienste hatte die Gewerkschaft Verdi nach ergebnislos gebliebenen Gesprächen mit den Arbeitgebern die Beschäftigten am Flughafen Köln-Bonn für Freitag zu einem ganztägigen Ausstand aufgerufen. Es gebe kein neues Angebot der Arbeitgeber, hatte Verhandlungsführerin Andrea Becker gesagt. Die bisherigen Warnstreiks hätten „offenbar nicht genug Wehen erzeugt, um ein neues Angebot zu gebären“.

Die Passagiere an den Flughäfen werden von sogenannten Luftsicherheitsassistenten kontrolliert – sie sind Angestellte von Firmen, die die Aufgabe im Auftrag der Bundespolizei übernehmen. Nach Gewerkschaftsangaben arbeiten 70 bis 80 Prozent der Sicherheitsleute in Nordrhein-Westfalen in der untersten Lohngruppe und erhalten in der Stunde 8,23 Euro. Verdi fordert zwischen 2,50 Euro und 3,64 Euro mehr pro Stunde. Der Verband der Sicherheitsfirmen BDSW nennt die Forderung „völlig überzogen“.

Rechte der Passagiere bei Streiks

Streichung des Fluges

Wird der Flug wegen der Arbeitsniederlegung ganz gestrichen, muss die Airline nach der EU-Verordnung für Fluggastrechte die Passagiere per Ersatzflug zum Ziel befördern. Dies dürfte unter den gegebenen Umständen kaum möglich sein. Alternativ kann der Reisende bei Annullierung des Fluges vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen. Ausgleichszahlungen braucht die Fluggesellschaft nach bislang überwiegender Ansicht nicht zu leisten, wenn sie alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um Flugannullierungen zu vermeiden.

Verspätung des Fluges

Startet die Maschine wegen des Streiks erst verspätet, haben Reisende nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung bei Abflugsverzögerungen von zwei Stunden (Kurzstrecken bis 1.500 Kilometer), drei (Mittelstrecken bis 3.500 Kilometer) bzw. vier Stunden (Langstrecken) Anspruch auf kostenlose Betreuung. So hat die Airline auf Wunsch des Reisenden für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie für notwendige Hotelübernachtungen inklusive Transfer zu sorgen. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Fluggesellschaft die notwendigen Kosten einer Übernachtung im Hotel übernehmen. Wer die Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Flugverspätung darauf pochen, das Geld dafür zurückzubekommen.

Flug bei einer Pauschalreise

Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, sollte sich der Urlauber an den Reiseveranstalter wenden. Auch er hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Allerdings muss dem Veranstalter in der Regel eine angemessene Frist (einige Stunden) gesetzt werden, um einen solchen Transport zu bewerkstelligen. Ist das gebuchte Flugzeug wegen des Streikes bis zu vier Stunden verspätet, gilt das nach bisheriger Rechtsprechung zum Pauschalreiserecht als bloße Unannehmlichkeit. Erst wenn der Flieger mehr als vier Stunden Verspätung hat, kann – je nach Flugstrecke – ein Reisemangel vorliegen. Dann können fünf Prozent des Tagesreisepreises für jede weitere Verspätungsstunde vom Veranstalter zurückverlangt werden. Urlauber haben außerdem die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Reisepreis zu mindern, etwa wenn Reiseleistungen ausgefallen sind.

In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft Verdi mit Streiks der Sicherheitsleute sowohl in Köln/Bonn als auch am größten nordrhein-westfälischen Flughafen in Düsseldorf wiederholt für massive Behinderungen gesorgt. Verdi spricht davon, die insgesamt 34 000 Beschäftigten der Branche in NRW „aus dem Niedriglohnsektor“ herausholen zu wollen. Die Arbeitgeber dagegen warfen der Gewerkschaft im Lauf der Gespräche vor, mit falschen Zahlen zu operieren.

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