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23.07.2014

15:35 Uhr

Tarifverhandlungen

Fahrplan für Kabinenpersonale bei Lufthansa steht

Die Lufthansa tritt in weitergehende Tarifverhandlungen mit ihrem Kabinenpersonal ein. Ein Fahrplan steht, Arbeitsgruppen werden gebildet. Eine schnelle Einigung ist aber nicht zu erwarten.

Eine Stewardess schüttelt ein Kissen an einem Sitzplatz auf: Das Kabinenpersonal der Lufthansa fordert einen neuen Tarifvertrag. dapd

Eine Stewardess schüttelt ein Kissen an einem Sitzplatz auf: Das Kabinenpersonal der Lufthansa fordert einen neuen Tarifvertrag.

FrankfurtIm Tarifstreit mit ihrem Kabinenpersonal hat sich die Lufthansa mit der Gewerkschaft UFO auf einen Fahrplan für die kommenden Monate verständigt. Dabei sollen Arbeitsgruppen jetzt Vorschläge für eine Vielzahl von Tarifverträgen unterbreiten, wie die Lufthansa am Mittwoch mitteilte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr benötigt auch die Zustimmung des Kabinenpersonals, um seine Pläne für den Umbau des Konzerns und zur Gründung neuer Billigfluglinien umsetzen zu können. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht: Die Verhandlungen mit der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (UFO), die die Interessen von rund 18.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa vertritt, sollen bis Ende Dezember 2015 abgeschlossen werden.

Spohr will mit neuen Billig-Töchtern den schnell wachsenden Rivalen wie Easyjet oder Ryanair die Stirn bieten. Ab dem nächsten Frühjahr will die Traditions-Airline im Europa-Verkehr unter der Marke Eurowings günstigere Flüge anbieten. Auch auf der Langstrecke plant die Lufthansa eine neue Billig-Marke, entweder im Alleingang oder mit einem Partner. Laut Ufo sehen Spohrs Pläne unter anderem vor, dass das Lufthansa-Personal zu 20 Prozent geringeren Kosten auf abgeschriebenen Maschinen vom Typ Airbus A340 fliegen soll.

Die drei großen Airlines vom Golf

Newcomer in der Luftfahrt

Vor allem die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways mischen das weltweite Luftfahrtgeschäft auf. Sie zählen zu den Großkunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing.

Emirates mit großer Marktmacht

Schlagzeilen macht vor allem Emirates, die rasant wachsende Airline aus dem Golf-Emirat Dubai. Sie schreckt europäische Konkurrenten wie die Lufthansa auf und spielt auch gegenüber den Flugzeugbauern ihre Marktmacht aus. Emirates ist der weltweit größte Betreiber der Großraumjets Airbus A380 und Boeing 777. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ihre Bestellungen für den Superjumbo A380 von 90 auf 140 Maschinen aufgestockt.

Dubai soll zum Weltumsteige-Flughafen werden

Geführt wird die Airline vom Briten Tim Clark, das uneingeschränkte Sagen hat jedoch Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, der zugleich Chef des Flughafens und der Luftfahrtbehörde ist. Er treibt seit Jahren seine Pläne voran, Emirates zur führenden Airline und Dubai zum Weltumsteige-Flughafen zwischen Europa und Asien zu machen. Nach Angaben der Gruppe lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 24 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro).

Etihad startete auf königlichen Erlass

2003 hob Etihad, die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals ab – auf königlichen Erlass. Der Rivale der großen Emirates zählt zu den schnell wachsenden Golf-Airlines. Noch ist die Flotte mit Drehkreuz in Abu Dhabi mit 72 Flugzeugen halb so groß wie die der Air Berlin, schon in sechs Jahren sollen es aber 158 Maschinen sein.

Kräftiges Passagierplus

2013 beförderte Etihad knapp 12 Millionen Passagiere, ein Plus von 16 Prozent. Das wirkt gegen die 31,5 Millionen der Beteiligung Air Berlin auch deshalb bescheiden, weil bei Etihad lange Strecken dominieren. Die knapp 11.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2013 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Qatar Airways Erstkunde bei der A350

Qatar Airways aus dem Emirat Katar komplettiert das Trio vom Golf. Die Fluggesellschaft wurde 1993 gegründet, ebenfalls auf Betreiben der Herrscherfamilie. Die Airline ist Großkunde bei Airbus und Boeing und hat nach eigenen Angaben 280 Flugzeuge bestellt. Beim neuen Airbus-Mittelstreckenjet A350 ist Qatar Airways Erstkunde.

Kritik wegen Arbeitsbedingungen

Zuletzt wurde Qatar Airways wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Unter anderem wird der Arline vorgeworfen, dass seine überwiegend ausländischen Mitarbeiter unter Aufsicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten müssen. Außerdem dürfen sie demnach in den ersten fünf Jahren ihrer Firmenzugehörigkeit nicht heiraten, Schwangerschaften sind ein sofortiger Kündigungsgrund.

Die Lufthansa setzt nun auf eine Paketlösung. Gegenstand der Gespräche sind sowohl Versorgungstarifverträge, als auch derzeit ungekündigte Tarifverträge wie der Vergütungs- oder der Manteltarifvertrag, wie die Lufthansa erklärte. Auch die Möglichkeit, 14 Langstreckenflugzeuge kostengünstiger zu betreiben, sei Thema. Weitere Themen sind die betriebliche Altersversorgung, Gehälter und Bonussysteme und das Wachstum des Konzerns außerhalb der Kernmarke.

Inhaltlich liegen UFO und die Lufthansa derzeit noch weit auseinander. Bei Bedarf wollen die beiden Tarifparteien einen Moderator hinzuziehen. Ist bis zum 15. Januar 2015 noch keine Lösung gefunden, soll der Tarifkonflikt nur mit einer Einigung oder Schlichtung beendet werden können.

Von

rtr

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