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21.05.2015

14:41 Uhr

Tarifverhandlungen

Verdi droht mit neuen Post-Streiks

Die Gespräche werden vertagt – immerhin darauf konnte sich die Deutsche Post mit Verdi nach mehreren Warnstreiks einigen. Eine Lösung des Tarifkonflikts ist nicht in Sicht. Und damit sind Streiks wieder jederzeit möglich.

Mehrere bundesweite Warnstreiks hat Verdi für Postangestellte bereits ausgerufen. Trotzdem geht die Deutsche Post offenbar nicht auf die Forderungen der Gewerkschaft ein. dpa

Streiks drohen

Mehrere bundesweite Warnstreiks hat Verdi für Postangestellte bereits ausgerufen. Trotzdem geht die Deutsche Post offenbar nicht auf die Forderungen der Gewerkschaft ein.

DüsseldorfDie Deutsche Post und die Gewerkschaft Verdi haben in ihren Tarifverhandlungen wieder keinen Durchbruch erzielt. Die Verhandlungen seien vertagt worden, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag nach der fünften Gesprächsrunde in Königswinter bei Bonn mit. „Der Arbeitgeber verweigert bislang jegliche Zugeständnisse zu unseren Forderungen“, erklärte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis. „Die Beschäftigten werden darauf eine Antwort finden“, kündigte sie an. Damit sind weitere Streiks bei der Post jederzeit möglich. Die Gespräche sollen nun am 1. und 2. Juni in Berlin fortgesetzt. Von der Post war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Verdi will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Die Gewerkschaft hat ihre Forderungen mit mehreren bundesweiten Warnstreikwellen unterstrichen.

Stärken und Schwächen Deutsche Post

Stärke: Profitabilität

Alle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte.

Stärke: Monopol-Stellung im Briefmarkt

Die Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen.

Stärke: Paket-Geschäft

Die Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online – und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück.

Schwäche: E-Postbrief

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft.
Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten.

Schwäche: Cashflow

Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen.

Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen

14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt.

Schwäche: Hohe Konzernkosten

Rund 400 Millionen Euro kosten den Konzern sein Headquarter jährlich. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich mit Verwaltungsaufwendungen von rund 110 Millionen Euro.

Chance: Einstieg im Fernreise-Markt

Zusammen mit dem ADAC startete die Post am 1. November 2013 den ADAC Postbus. Das neue Fernbusangebot soll schrittweise zu einem deutschlandweiten Netz ausgebaut werden. Bis zum Frühjahr 2014 will die gemeinsame Betreibergesellschaft rund 60 Fernbusse einsetzen und 30 deutsche Städte anfahren. Tickets gibt es über das Internet und in 5000 Postfilialen und ADAC-Geschäftsstellen.

Quelle: WiWo.de

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Schwarzer Peter

21.05.2015, 19:11 Uhr

Sehr irreführende Überschrift mit der Drohung für "neue(n) Post-Streiks". Das spiegelt doch gar nicht die momentane Realität wider! Das "neu" muss verstanden werden als "zusätzlich zu den bereits bestehenden". Ich sehe es bestens an meinen Bestellungen: eine davon dümpelt seit 11.05. in einem "nur" 18 km entfernten DHL-Zustellzentrum herum, und will und will nicht den Weg zu mir finden.
Da muss also die halbe Belegschaft _bis dato_ am streiken sein, anders könnte ich mir das gar nicht erklären.

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