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13.03.2017

19:48 Uhr

Tegel und Schönefeld

Flughafen-Streik in Berlin bis Mittwoch verlängert

Die Streiks an den Berliner Flughäfen gehen bis Mittwochfrüh weiter. Die Gewerkschaft Verdi verlängert den Ausstand des Bodenpersonals um einen Tag. Bereits heute wurden in Tegel und Schönefeld hunderte Flüge gestrichen.

Flughafen-Streik

Unverständnis bei den Reisenden: „Ich fühl mich als Geisel genommen“

Flughafen-Streik: Unverständnis bei den Reisenden: „Ich fühl mich als Geisel genommen“

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BerlinDer Streik des Bodenpersonals an den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld geht bis Mittwochmorgen in die Verlängerung. Damit müssen am Dienstag nochmals Zehntausende Fluggäste ihre Reisepläne ändern. Die Fluggesellschaften kritisierten die ausgedehnte Arbeitsniederlegung scharf und forderten die Politik auf zu handeln. Mit dem Streik will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ein besseres Tarifangebot für die rund 2000 Beschäftigten in den Terminals und auf dem Vorfeld erzwingen.

Die Gewerkschaft kündigte am Montag kurz nach Streikbeginn an, sie werde den Ausstand um eine Tag bis Mittwoch um 5.00 Uhr ausdehnen. Aus Sicht des Flughafenverbandes ADV geht die Vorgehensweise von Verdi „über jedes verträgliche Maß hinaus“. Die Hauptstadt Berlin werde „für mehrere Tage vom Luftverkehr völlig abgeschnitten“, kritisierte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Der Verband der in Deutschland aktiven Fluggesellschaften (Barig) forderte für solche Tarifkonflikte verbindliche Mediations- oder Schlichtungsverfahren. „Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht, dass er endlich die dringend benötigten Rahmenbedingungen schafft, damit Streiks im deutschen Luftverkehr wirklich nur die Ultima Ratio sind“, sagte Barig-Generalsekretär Michael Hoppe.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Die Auswirkungen gingen über den Standort Berlin hinaus. Airlines könnten ihre Flugzeuge nicht wie geplant einsetzen, weil diese in Berlin gestrandet seien und nun im Netz fehlten. „Die Folge sind weitere Flugabsagen“, klagte Hoppe. Die Abkürzung Barig steht für Board of Airline Representatives in Germany.

Am Montag wurden 465 Abflüge in Tegel und 195 Starts in Schönefeld gestrichen, wie ein Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg mitteilte. Die Auswirkungen dürften an diesem Dienstag ähnlich sein. Welche Flüge annulliert werden, sollte am Montagabend feststehen.

Wie bereits bei den Streiks am Freitag sollten am Montag jeweils 25 ankommende Flüge ersatzweise in Leipzig und Dresden landen, wie ein Sprecher des Betreibers beider Flughäfen sagte. In Dresden betrifft das überwiegend Flüge von Easyjet, nach Leipzig werden ausschließlich Ryanair-Maschinen umgeleitet. Die Passagiere würden dann mit Bussen nach Berlin gebracht. Die Flugzeuge kehrten in der Regel leer zurück. Von dem Streik war auch die dreitägige Reise von Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) nach Moskau betroffen. Die Senatskanzlei musste Ersatzflüge über Dresden organisieren.

Air Berlin forderte beide Tarifparteien in einem Brief auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Arbeitskampf werde auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen und verursache „Tag für Tag Schäden in Millionenhöhe für die Airlinebranche sowie sämtliche Dienstleister an den Berliner Flughäfen“, schrieben Vorstandschef Thomas Winkelmann und Personalvorstand Martina Niemann. „Air Berlin trifft dieser Arbeitskampf als größte Fluglinie in Berlin-Tegel besonders hart.“

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair forderte die deutsche Regierung heute dazu auf, „Maßnahmen zu ergreifen“, um neuerliche Flugausfälle zu verhindern.

Verdi-Streikleiter Enrico Rümker sagte, man warte nun auf ein neues Angebot der Arbeitgeber. Die Gewerkschaft fordert in dem Tarifkonflikt bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten einen Euro mehr pro Stunde für die Mitarbeiter des Bodenpersonals. Die Arbeitgeber boten zuletzt die schrittweise Erhöhung der Löhne in allen Entgeltgruppen an - bei einer Laufzeit von drei Jahren.

Das Gesamtvolumen betrage acht Prozent mehr Geld als im Moment ausgegeben werde, sagte ein Sprecher des Forums der Bodenverkehrsdienstleister Berlin-Brandenburg. Darin sind die an den Flughäfen tätigen Unternehmen organisiert. Nach Angaben von Verdi würde ein einfacher Beschäftigter auf dieser Grundlage pro Arbeitsstunde 27 Cent mehr erhalten.

Von

dpa

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