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08.02.2017

14:55 Uhr

Tegel und Schönefeld

Warnstreiks legen Berliner Flughäfen lahm

An einigen deutschen Airports ist das Bodenpersonal in Warnstreiks getreten. In Hamburg lief das für viele Passagiere recht glimpflich ab – nicht so in der Hauptstadt und im Süden. Legt Verdi noch nach?

Berliner Flughäfen

Bodenpersonal streikt – Diese Flüge sind gestrichen

Berliner Flughäfen: Bodenpersonal streikt – Diese Flüge sind gestrichen

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BerlinPassagiere an mehreren deutschen Flughäfen haben am Mittwoch wegen eines Warnstreiks des Bodenpersonals mit ausgefallenen oder verspäteten Verbindungen kämpfen müssen. Berlin war besonders stark betroffen. Dort wurden am Airport Tegel nach Angaben des Betreibers während des fünfstündigen Ausstands am Morgen 115 Flüge gestrichen, in Schönefeld waren es 22.

Damit hatten die Arbeitsniederlegungen etwa im Check-in oder bei der Abfertigung des Gepäcks Folgen für fast alle frühen Verbindungen der Gesellschaften Lufthansa, Air Berlin, Germanwings und Eurowings in der Hauptstadt. Auch in Stuttgart und München gab es Probleme, während der Flugverkehr in Hamburg relativ wenig eingeschränkt war. In Berlin verspäteten sich auch nach der Wiederaufnahme des regulären Betriebs gegen Mittag noch Flüge.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Bodenservice-Beschäftigten in Tegel und Schönefeld zwischen 5 und 11 Uhr zum Warnstreik aufgerufen. Nach Angaben des Airport-Betreibers blieb ein „großes Chaos“ allerdings aus: „Viele Passagiere sind durch gute Information gestern und heute erst gar nicht zu den Flughäfen gekommen.“

Abgefertigt werden konnte am frühen Morgen in Berlin lediglich eine Air-Berlin-Maschine von Tegel nach Düsseldorf. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet hatten die meisten Verbindungen auf nach 11 Uhr verschoben. So sollten vor allem internationale Routen wie nach Lissabon, London, Istanbul oder Oslo aufrechterhalten werden. An dem Berliner Ausstand beteiligten sich nach Angaben von Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker rund 550 Mitarbeiter.

Auch in Stuttgart kam es zu Einschränkungen. Mehrere Flüge wurden dort am Morgen gestrichen, viele andere waren verspätet. Der Betreiber rief die Passagiere auf, mehr Zeit einzuplanen, möglichst online einzuchecken und sich auf Handgepäck zu beschränken. In München mussten von insgesamt 53 geplanten Starts und Landungen bei Lufthansa und Air Berlin von oder aus Berlin-Tegel 17 ausfallen, wie ein Flughafensprecher sagte. Die Passagiere wurden vorab informiert.

In Hamburg lief der Verkehr relativ geregelt. 16 Maschinen hätten Verspätungen von bis zu einer halben Stunde gehabt, hieß es beim Airport. „Der Betrieb läuft, wenn auch ein wenig langsamer.“

Hintergrund ist ein Tarifkonflikt um bessere Bezahlung, Arbeitszeiten und Aufstiegsmöglichkeiten. Vor der nächsten Verhandlungsrunde am kommenden Freitag will Verdi Druck aufbauen. „Der letzte gültige Tarifvertrag stammt aus dem Jahr 2013, jetzt haben wir 2017“, meinte Rümker. Verdi fordert unter anderem einen Euro mehr Geld pro Stunde. Christine Behle aus dem Bundesvorstand betonte: „Die Beschäftigten in den Bodenverkehrsdiensten leisten harte und sicherheitsrelevante Arbeit. Dennoch wird diese Arbeit nicht angemessen entlohnt.“

Der Chef des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, nannte die Aktionen unangemessen: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Verdi die Flughäfen als öffentlichkeitswirksame Bühne zur Durchsetzung ihrer Forderungen schädigt und Belange der Reisenden völlig ausblendet. Konfrontation und sich verhärtende Fronten können und dürfen nicht das Ziel sein.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Heinz Keizer

08.02.2017, 10:53 Uhr

Warnstreiks müßten verboten werden. Zumindest in öffentlichen Bereichen dürften Streiks nur das letzte Mittel sein, wenn Verhandlungen und Schlichtung nichts gebracht haben. In diesen Bereichen wird die Bevölkerung als Geisel missbraucht. Die Macht der Gewerkschaften ist einseitig. Die öffentlichen Unternehmen können sich nicht wehren. Wenn dann noch jede Gruppe alles lahmlegen kann, ist die Grenze der Zumutbarkeit erreicht.

Herr Billyjo Zanker

08.02.2017, 11:25 Uhr

..........wird die Bevölkerung als Geisel missbraucht......

Nicht nur in dem Bereich sondern in ALLEN Bereichen sind dritte davon betroffen wenn die Gewerkschaftsbonzen auf ihrem Egotripp sind um sich ihre eigenen Pfründe zu sichern oder ein "wenig" auf zu stocken.
Da die Beiträge vom Lohn der Mitglieder abhängig sind, sind sie auch die eigentlichen Nutznießer.

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