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14.06.2011

17:49 Uhr

Teldafax ist pleite

Mitarbeiter schreddern massenhaft Unterlagen

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

ExklusivObwohl Teldafax seit Monaten Rechungen nicht bezahlte, behauptete die Führung, man sei auf gutem Wege. Jetzt ist der Stromanbieter pleite. In der Zwischenzeit hatten besonders loyale Mitarbeiter einen Sonderauftrag.

Überschuldet, dubiose Geschäftspraktiken, drohende Insolvenz: Der Stromanbieter Teldafax. Quelle: dpa

Überschuldet, dubiose Geschäftspraktiken, drohende Insolvenz: Der Stromanbieter Teldafax.

TroisdorfDas nach eigenen Angaben größte unabhängige Energieunternehmen Deutschlands, Teldafax, ist pleite. Die Führung des Billigstromanbieters reichte am Dienstag beim Amtsgericht Bonn einen Insolvenzantrag ein. Das Gericht berief den Rechtsanwalt Biner Bähr zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Der Schritt zeichnete sich seit längerem ab. Teldafax hatte in den vergangenen drei Monaten drei Vorstandsvorsitzende, mehrfach wechselnde Eigentümer und verlor mehr als 200.000 seiner knapp 800.000 Kunden, weil immer mehr Netzbetreiber dem Unternehmen die Nutzung ihrer Leitungen schlicht untersagten. Fußballbundesligist Bayer04 löste erst vor zwei Wochen den Sponsoringvertrag vorzeitig auf.

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung. In all diesen Wochen vermeldete das Unternehmen jedoch ausnahmslos, es sei auf dem Wege der Besserung.

Was die Pleite für die Verbraucher bedeutet

Müssen Teldafax-Kunden damit rechnen, bald im Dunkeln zu sitzen?

Nein. Die Versorgung mit Strom und mit Gas ist auf jeden Fall gesichert, wie die Bundesnetzagentur betont. Im schlimmsten Fall - wenn Teldafax tatsächlich die Versorgung einstellen müsste - fiele der Konsument in die sogenannte Grundversorgung zurück. Allerdings müsste der Verbraucher dafür etwas tiefer in die Tasche greifen als beim Troisdorfer Billiganbieter. Er könnte sich aber sofort einen neuen Anbieter suchen.

Teldafax hat Strom gegen Vorkasse verkauft. Ist das Geld jetzt weg?

Wahrscheinlich ja. Wer bei Teldafax von dem Angebot Gebrauch machte, den Strom billig gegen Vorkasse zu beziehen und dafür die Stromkosten bis zu ein Jahr im Voraus bezahlte, dürfte nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen von seinem Geld nicht mehr viel wiedersehen. „Diese Kunden haben jetzt denkbar schlechte Karten“, urteilt der Jurist der Verbraucherzentrale, Jürgen Schröder.

Gibt es Schlupflöcher, wie Kunden doch noch ihr Geld zurückbekommen können?

Nur im Ausnahmefall. Wenn Teldafax das Geld per Einzugsermächtigung erhielt und die Abbuchung weniger als sechs Wochen her ist, kann der Kunde die Abbuchung bei seiner Bank rückgängig machen, wie Schröder erklärt. Zwar muss er auch dann Teldafax für den in der Zwischenzeit verbrauchten Strom bezahlen. Doch das übrige Geld kann so gerettet werden.

Was muss der Kunde tun, wenn der Strom ausbleibt und er in die Ersatzversorgung fällt?

Der Stromkunde hat drei Monate Zeit, sich einen neuen Stromanbieter zu suchen. Doch sollte er nicht zu lange damit warten. Denn der Strom vom Grundversorger ist in der Regel recht teuer, wie die Verbraucherzentrale betont. Der schnelle Wechsel zu einem neuen Anbieter spart also Geld.

Der Insolvenzantrag bedeutet ein Desaster für den Finanzinvestor Prime Mark, der erst vor drei Monaten Teldafax übernommen hatte und mit 50 Millionen Euro ausstattete. Auch 2010 war ein ähnlicher Betrag von einem unbekannten Investor geflossen. Teldafax war für die Frage, wie ein Unternehmen bei solchen Geldspritzen pleitegehen kann, nicht zu sprechen. Aufsichtsrat Wolfram Scharff sagte: „Die 100 Millionen sind wohl weg. Und Teldafax wollte ja noch mal 100 Millionen haben.“

Kommentare (24)

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Stromabnehmer

14.06.2011, 15:56 Uhr

2008 wurde ich, wegen der günstigen Tarife, Stromkunde von Teldafax. In den Folgejahren wurde der für mich gültige Preis kommentarlos stark erhöht, so daß er schließlich sogar etwas über dem Tarif der hiesigen Stadtwerke (TWL AG) lag. Natürlich habe ich mir dann einen anderen Versorger gesucht...

AntonRedlich

14.06.2011, 18:07 Uhr

Der gutgemeinde Rat ...die erfolge Abbuchung...rückgängig zu machen, ist falsch von welchem leeren Konto sollte das Geld zurück gebucht werden????? Und der Insolvenzverwalter wird das natürlich auch verhindern. Von dem wenigen was übriggeblieben ist, wird er sich zuerst selbst bedienen.
Also das vorausgezahlte Geld ist weg...und niemand wird sich für die geprellten Vorauszahler stark machen.
Kapitalismus pur!! Gilt allerdings nicht wenn es sich geldgeile Banker verspekuliert haben... dann zahlt und garantiert natürlich die Allgemeinheit d.h. der Steuerzahler

stillfried

14.06.2011, 18:35 Uhr

Seit Monaten habe ich in meinen Teldafax- Kommentaren diese
Entwicklung vorausgesagt!Das Gescäftsmodell funktionierte nur über Schneeball. Meine Dauerempfehlung sofort die
Staatsanwaltschaft in den Laden zu schicken, war auch gratis. Nun sind die Veantwortlichen mit der Kohle weg. Zurück bleibt eine leere Hülle und die Investoren dürfen
Totalverlust buchen. Wie gehabt!Auch die Presse ist schuld,
weil sie inmer erst die Leute unkritisch hochjubelt, ohne mal Sachverstand zu fragen, bevor man all die Jubelstories
publiziert.

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