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07.10.2016

15:54 Uhr

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub

Der Marathonmann

Karl-Erivan Haub will Kaiser's Tengelmann schon lange loswerden und nun hat sich das Warten für ihn gelohnt. Doch nicht nur bei dem Verkauf seiner Supermarktkette musste der Unternehmer-Spross Ausdauer beweisen.

Geld spielt für Karl-Erivan Haub keine Rolle. dpa

Tengelmann-Eigentümer

Geld spielt für Karl-Erivan Haub keine Rolle.

BerlinBeim Marathonlaufen beweist er Durchhaltevermögen. Und auch beim Verkauf der verlustreichen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an Edeka hat Karl-Erivan Haub als Miteigentümer der Tengelmann-Gruppe sein Ziel schon lange Zeit stur im Blick. Nach jahrelangem Gezerre steht er nun wohl kurz vor dem Ziel: Bei einem Spitzentreffen auf Initiative der Gewerkschaft Verdi stimmte die Konkurrenz der geplanten Übernahme überraschend doch noch zu.

Als Spross einer Unternehmerfamilie schien früh vorgezeichnet, dass Haub eines Tages den Handelskonzern übernehmen würde, zu dem auch die Obi-Baumärkte und der Textildiscounter Kik gehören. Haub führt die Tengelmann-Gruppe in der fünften Generation. Für seine beiden Brüder und ihn habe es jedoch „keinerlei Zwang“ gegeben, ins Unternehmen einzusteigen. „Wir waren aufgefordert, uns außerhalb der Firma zu beweisen“, sagte er einmal in einem Interview.

Nach seiner Lehre zum Einzelhandelskaufmann in der Tengelmann-Gruppe und dem Studium in St. Gallen ging Haub erst einmal zum Lebensmittelhersteller Nestlé und später zum Unternehmensberater McKinsey. Nach der Wende half er, in den neuen Bundesländern die Tengelmann-Aktivitäten aufzubauen. „Ich bin 1990 gleich rübergegangen und habe in einem Wohnwagen gelebt"“, erzählte Haub.

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Sollten sich Edeka, Rewe, Markant und Norma einigen, ist das nicht unbedingt eine gute Nachricht. Es gäbe viele Verlierer bei diesem Deal. Und auch die Mitarbeiter sollten sich nicht zu früh freuen. Ein Kommentar.

1992 stieg er mit 32 Jahren offiziell in die Tengelmann-Gruppe ein und wurde Stellvertreter seines Vaters Erivan Haub. Seit dem Jahr 2000 steht er an der Spitze. Defizite belasteten das Supermarktgeschäft schon damals. Tengelmann spielte bereits 1999 mit dem Gedanken, die damals noch getrennten Ketten Kaiser's und Tengelmann an Edeka abzugeben - jedoch erfolglos.

Die Haubs mussten das Supermarktgeschäft in Eigenregie sanieren. Fast 500 Filialen machten dicht und wurden „verwertet“. Doch die Verluste blieben. Die Unternehmerfamilie habe aus „rein emotionalen Grünen viel zu lange die anfallenden Verluste getragen“, sagte Karl-Erivan Haub im vergangenen Jahr. Die Muttergesellschaft gleicht ein Minus nach dem anderen aus - innerhalb von 15 Jahren kam eine halbe Milliarde Euro zusammen.

Erfolgreicher ist für Haub und damit auch für Tengelmann das Internetgeschäft. Über ein Tochterunternehmen investiert er seit 2009 in Start-ups. Inzwischen sind über 40 Beteiligungen zusammengekommen, darunter am umstrittenen Fahrdienstvermittler Uber. Am wertvollsten ist die Beteiligung am Online-Modehändler Zalando.

Geld spielt in der Unternehmerfamilie Haub keine Rolle: Ihr Vermögen wurde 2014 auf rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Haub und seine Frau Katrin, die Tochter eines früheren Rewe-Vorstands, besitzen auf der Karibikinsel Saint-John ein nobles Anwesen, das es 2007 in eine Architekturzeitschrift schaffte. Doch ihre beiden Kinder - Zwillinge - sind „völlig normal“ aufgewachsen und haben öffentliche Kindergärten und Schulen besucht, wie Haub einmal betonte.

Zusammen mit den Kindern seiner Brüder gibt es in der nächsten Generation acht potenzielle Nachfolger für die Spitze bei Tengelmann. Vor Jahren hat Haub mit seinen Brüdern und Eltern bereits ein „Regelwerk“ aufgestellt, wie die Kinder in die Firma eintreten können. „Voraussetzung ist aber die Befähigung, der- oder diejenige muss es können“, versicherte Haub. „Das Unternehmen ist ganz sicher kein Versorgungswerk.“

Von

afp

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