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16.02.2015

15:10 Uhr

Tesco gegen Aldi

Ein kriselnder Gigant im Abwehrkampf

VonCarsten Herz

Der britische Einzelhandelsriese Tesco setzt im Wettbewerb gegen Aldi & Co. den Rotstift an. Doch die Kehrtwende wird schwierig: Die Briten finden immer mehr Gefallen an den Angeboten der deutschen Billigmärkte.

Der britische Einzelhändler Tesco hat wird derzeit strategisch in die Zange genommen. AFP

Briten in der Klemme

Der britische Einzelhändler Tesco hat wird derzeit strategisch in die Zange genommen.

LondonEs war ein Paukenschlag, der vor allem Großbritanniens größter Supermarktkette Tesco in den Ohren klingelte. Als das renommierte britische Verbrauchermagazin „Which“ vor zwei Jahren die beste Supermarkt-Kette des Landes kürte, stand nicht etwa eine der großen einheimischen Adressen oben auf dem Siegertreppchen, sondern ein für deutsche Ohren nur allzu vertrauter Name: der Discounter Aldi. Die Discount-Kette erhalte den Titel, weil sie „eine eindrucksvolle Reihe von Angeboten, eine hohe Qualität der Lebensmittel sowie günstige Preise“ biete, begründeten die Verbraucherschützer ihre Wahl bei der Kür der jährlichen Auszeichnungen, die zum zweiten Mal auf den deutschen Einzelhandelsriesen fiel.

Denn das Jahrzehnte alte Konzept des Discounter, der auf niedrige Preise, schmucklose Filialen sowie wenig Personal setzt, kommt auf der Insel einer Revolution gleich: Bisher waren es die Briten gewöhnt, deutlich höhere Lebensmittelpreise zu zahlen.

Für die einheimischen Branchengrößen in Großbritannien, vor allem für den Giganten Tesco,  haben sich Aldi und Lidl auf der Insel damit nicht nur zu gefährlichen Konkurrenten entwickelt, sondern zu einer ernsthaften wirtschaftlichen Gefahr. So verlief das Jahr 2014 für den Supermarktriesen Tesco katastrophal. Die Umsatzzahlen und Marktanteile Supermarktkette schrumpften, im Sommer erklärte Vorstandschef Philip Clarke nach nur drei Jahren seinen Rücktritt und schließlich flog auf, dass die Halbjahres-Bilanz des Konzerns nicht stimmten.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Der im Herbst eilig herbeigerufene neue Chef Dave Lewis, der von Unilever kommt, verordnete als Reaktion dem britischen Giganten nun eine Radikalkur. 43 unprofitable Geschäfte sollen geschlossen werden, der Firmensitz in Chesnut wird dicht gemacht und die Investitionen um die Hälfte gestrichen. Eine Rotstiftaktion, die mehr Jobs als gedacht kosten könnte. Laut einem Zeitungsbericht könnten bis zu 10.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Doch das allein dürfte allein kaum reichen, um Aldi und Lidl auf der Insel dauerhaft zu stoppen. Denn Tesco steckt in der Sandwich-Falle fest. So wächst in Großbritannien das obere Segment hochwertiger Supermärkte, das von der Kette Waitrose abgedeckt wird – und das untere Preissegment um Aldi und Lidl. Doch in der Mitte, wo bisher Tesco als drittgrößter Einzelhandelskonzern der Welt vor allem seine Kunden fand, wird der Platz immer kleiner. Tescos Problem: Die britischen Verbraucher haben ihre Kaufgewohnheiten geändert, aber die Supermarktkette nicht ihre Verkaufsstrategie.

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