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14.01.2016

11:00 Uhr

Tesco mit gutem Weihnachtsgeschäft

Supermarktriese schlägt gegen Aldi und Lidl zurück

VonCarsten Herz

Seit Jahren setzen die deutschen Discounter Tesco zu. Doch ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft wächst die britische Supermarktkette wieder. Doch Euphorie ist fehl am Platze: Aldi und Lidl rollen den Markt weiter auf.

„Jede Kleinigkeit hilft.“ dpa

Tesco-Filiale in London

„Jede Kleinigkeit hilft.“

LondonEs ist der Hoffnungsschimmer, auf den Dave Lewis lange gewartet hat. Seit dem Amtsantritt des im Herbst 2014 als Retter herbeigerufenen neuen Chefs des größten britischen Einzelhandelsriesens Tesco kennt die Entwicklung des kriselnden Konzerns nur eine Richtung: abwärts. Doch ausgerechnet das wichtige Weihnachtsgeschäft auf der Insel lief für den schwächelnden Giganten nun besser als erwartet.

So holt Großbritanniens größte Supermarktkette trotz des Preiskampfs im Lebensmitteleinzelhandel mit den deutschen Discountern Aldi und Lidl wieder auf. Im sechswöchigen Weihnachtsgeschäft, das bis zum vergangenen Samstag lief, erzielte das Unternehmen in Großbritannien ein flächenbereinigtes Umsatzplus von 1,3 Prozent – und schafft damit eine überraschende Wende. Marktbeobachter waren von einem erneuten Rückgang ausgegangen. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Minus von 0,3 Prozent gestanden.

Die größten Discounter der Welt

Platz 10

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2014 6,8 Milliarden Euro.

Quelle: Planet Retail/Statista

Platz 9

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2014 setzte das Unternehmen sieben Milliarden Euro um.

Platz 8

2014 generierte der US-Discounter Family Dollar einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro.

Platz 7

Der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2014 setzte die Kette 9,3 Milliarden Euro um.

Platz 6

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2014 10,3 Milliarden Euro um.

Platz 5

Auf dem fünften Platz findet sich ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2014 betrug der Umsatz des Discounters 12,1 Milliarden Euro.

Platz 4

Der viertgrößte Discounter der Welt ist Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro.

Platz 3

Die US-Kette Dollar General verkaufte 2014 Waren im Wert von 15,0 Milliarden Euro.

Platz 2

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter mit großem Abstand zum Drittplatzierten den zweiten Platz. 2014 betrug der Umsatz der Supermarktkette 62,7 Milliarden Euro.

Platz 1

Aldi Nord und Süd sind gemeinsam auf Platz eins im Ranking der weltweit größten Discounter. 2014 verkauften die beiden deutschen Unternehmen Artikel im Wert von 65,9 Milliarden Euro.

Für Lewis sind die Ziffern ein dringend ersehntes Lebenszeichen im schwierigen Abwehrkampf. Das unerwartete Plus schürte am Markt deshalb die Hoffnung, Tesco könnte die schlimmsten Zeiten hinter sich gelassen haben: die Aktien legten in London zeitweise sechs Prozent zu.

Denn bisher steckte der Handelsgigant tief in der Krise. So haben sich für den Giganten vor allem Aldi und Lidl auf dem wichtigen Heimatmarkt zu gefährlichen Konkurrenten entwickelt. Der Preiskampf und hausgemachte Probleme hatten Tesco im vergangenen Geschäftsjahr den höchsten Verlust in seiner 96-jährigen Firmengeschichte eingebrockt.

Seit Jahren laufen den großen Ketten wie Asda, Sainsbury und Marktführer Tesco zunehmend die Kundschaft davon, weil viele Briten verstärkt bei den deutschen Discountern Aldi und Lidl einkaufen. Die Umsatzzahlen und Marktanteile der großen Supermarktketten schrumpfen, Tesco wurde zudem noch von einem imageschädigenden Bilanzskandal erschüttert, als aufflog, dass die Halbjahreszahlen des Konzerns vor zwei Jahren nicht stimmten. Nun schöpft Tesco wieder Hoffnung. „Es gibt noch eine Menge zu tun, aber wir haben gute Fortschritte gemacht und bewegen uns innerhalb der Gewinnprognosen für das gesamte Jahr", erklärte Lewis.

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Der herbeigerufene neue Chef, der vom Markenartikel-Hersteller Unilever kam, hat dem Konzern eine Radikalkur verordnet. Bei seinem früheren Arbeitgeber erwarb sich der Mann aus Yorkshire den Spitznamen „Drastic Dave“ – also der drastische oder bedrohliche Dave. Er hatte 2007 die britische Unilever-Sparte auch mithilfe Hunderter Entlassungen erfolgreich saniert. Ein Vorgehen, das er nun auch bei Tesco anwendet.

43 unprofitable Geschäfte werden geschlossen, der Firmensitz in Chesnut wird dicht gemacht, die Investitionen um die Hälfte gestrichen und ein neuer Preiskampf mit der Konkurrenz angezettelt. Um sich finanziell Luft zu verschaffen, begann Tesco zudem damit, Randgeschäfte zu verkaufen. Im zurückliegenden Jahr waren das beispielsweise die Supermärkte in Südkorea. Es ist Maßnahmenpaket, das nun offensichtlich seine erste Wirkung zeigt.

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