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22.04.2015

10:12 Uhr

Tesco mit Milliardenverlust

Aldi und Lidl nagen an britischer Ikone

VonCarsten Herz

Der britische Einzelhändler Tesco schreibt acht Milliarden Euro Verlust. Aldi und Lidl machen dem drittgrößten Supermarkt-Konzern der Welt in der Heimat immer mehr zu schaffen. Jetzt ist „Drastic Dave“ gefragt.

Ein neuer Chef soll der Milliardenmisere beim Einzelhändler Tesco Herr werden. Reuters

Tesco tappt im Dunkeln

Ein neuer Chef soll der Milliardenmisere beim Einzelhändler Tesco Herr werden.

LondonEs ist eine Zahl, wie ein riesiges Ausrufezeichen. Der angeschlagene britische Einzelhandelskonzern Tesco hat im vergangenen Jahr wegen Milliardenabschreibungen den größten Verlust seiner 96-jährigen Geschichte geschrieben. Der Nettoverlust lag im Geschäftsjahr 2014/15, das bis Ende Februar reicht, bei 5,74 Milliarden britischen Pfund, umgerechnet rund 7,97 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in London verkündete.

Vor allem Sonderbelastungen von rund sieben Milliarden Pfund stürzten den drittgrößten Supermarktkonzern der Welt in die tiefroten Zahlen, weil das Unternehmen den Bilanzwert seiner Supermärkte und Immobilien deutlich herabsenken musste. Der neue Konzernchef Dave Lewis, der erst seit Herbst die Geschäfte führt gab sich dennoch ungebrochen. Lewis will das Vertrauen bei Kunden und Geschäftspartnern rasch zurückgewinnen und die Bilanz wieder stärken.

Das Milliarden-Fiasko

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Die deutschen Discounter Aldi und Lidl mischen den britischen Markt auf – und gewinnen weiter Marktanteile. Das bekommt auch der Branchenriese Tesco zu spüren. Seine Reaktion: Preise senken.

Der Rekordverlust setzt einen unrühmlichen Schlusspunkt hinter ein für Tesco katastrophales Jahr. Der Konzern mit weltweit 510.000 Beschäftigten steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte. Es ist der Abstieg einer Ikone. Der Konzern galt über Jahrzehnte als Vorbild für Rivalen und wuchs stetig, doch die Führung konzentrierte sich am Ende zu sehr auf die Expansion im Ausland und vernachlässigte den wichtigen Heimatmarkt.

Jetzt muss Lewis mit Problemen an allen Fronten kämpfen. Der weltweit drittgrößte Handelsriese mit Sitz im Londoner Umland verliert im wichtigen Heimatmarkt von Quartal zu Quartal weiter an Marktanteilen. Zudem muss sich Lewis auch mit unerwarteten Lücken im eigenen Finanzsystem herumschlagen, nachdem Tesco im September einräumte, den Halbjahresgewinn um 250 Millionen Pfund zu hoch ausgewiesen zu haben.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Aus dem einstigen Vorbild ist inzwischen ein taumelnder Gigant geworden. Vor allem gegen die heranstürmende Konkurrenz der deutschen Discounter findet Tesco bisher kaum ein Mittel. Denn der Erfolg von Aldi und Lidl hinterlässt beim drittgrößten Einzelhändler der Welt immer tiefere Spuren. Mittlerweile nagen die Probleme an der finanziellen Substanz: Die Nettofinanzschulden stiegen im vergangenen Geschäftsjahr um 1,9 Milliarden auf 8,5 Milliarden Pfund. Dazu kommen noch Verpflichtungen für Pensionszahlungen.

Kommentare (3)

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Hermann Hettrich

22.04.2015, 11:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr peter Spirat

22.04.2015, 11:36 Uhr

Auch hier sehen wir wieder einmal die Leistungsfähigkeit deutscher Strukturen.

Aldi / Lidl sind besser, als die royalen Strukturen. Tesco folgt nur der englischen Wirtschaft in, die schon seit vielen Jahren (de facto) nicht mehr vorhanden ist.

Aber auch hier findet man die Ursachen in der 2. Ebene. wie jeder, die mal England war weiß, übertreffen sich die netten Menschen dieser unwichtigen Insel darin, dass sie über Deutschland herziehen. Und wenn sie im Tagesgeschehen nichts finden, suchen sie in der Geschichte. Wann es war, spielt dann keine rolle. wichtig ist nur, das sie schimpfen können.

Deutschland ist aber ein totales Erfolgsmodell. Und wer Deutschland beschimpft, beschimpft auch den Erfolg. Uns gehört die Zukunft, denn wir erarbeiten uns unseren Wohlstand. Wir wollen Wohlstand, wie alle anderen auch. aber wir Deutsche sind auch bereit dafür zu arbeiten.

Das ist eine Tugend
und das ist Zukunft

Herr richard roehl

22.04.2015, 14:16 Uhr

(...) Dank Tesco-Lotus kann man in Ländern von denen sie mit ihrem begrenzten Horizont wahrscheinlich noch nie gehört haben hochwertige international Produkte, insbesodere Lebensmittel, kaufen. Tesco-Lotus ist ein internationaler Weltkonzern, da ist nicht allzu viel britisch. Und am Deutschen Wesen sollte die Welt nun wirklich nicht genesen. (...)

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