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23.09.2014

11:31 Uhr

Tesco reagiert auf Panne

Endlich wieder ein Finanzchef

Nach der peinlichen Gewinn-Panne zieht Tesco Konsequenzen. Die britische Supermarktkette stellt den neuen Finanzchef bereits heute vor, deutlich früher als geplant. Er wird einiges zu tun haben – auch mit Aldi und Lidl.

Nach der falschen Gewinnprognose sieht Tesco rot: Der neue Finanzchef wird mit sofortiger Wirkung kommen und nicht erst – wie ursprünglich geplant – im Dezember. dpa

Nach der falschen Gewinnprognose sieht Tesco rot: Der neue Finanzchef wird mit sofortiger Wirkung kommen und nicht erst – wie ursprünglich geplant – im Dezember.

London, DüsseldorfIm Preiskampf mit Aldi mag die britische Supermarktkette Tesco hinterherhängen. Doch dass der Einzelhändler auch schnell Konsequenzen ziehen kann, das bewies er am Dienstag. Nachdem die Briten am Vortag eine falsche Halbjahresprognose für ihren Gewinn zugeben mussten, erklärten sie am Dienstag den bisherigen Marks-&-Spencer-Mitarbeiter Alan Stewart zum neuen Finanzchef. Stewart sollte den Job als CFO bei Tesco eigentlich erst Anfang Dezember beginnen.

„Seine erste Aufgabe am Morgen wird es selbstverständlich sein, die Buchhaltung bei Tesco zu überprüfen“, sagte der Analyst Bruno Monteyne von Sanford C. Bernstein gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er habe aber keinen Zweifel daran, dass die Bilanzen wieder ordentlich sortiert würden, so Monteyne.

Am Montag hatte Tesco bekanntgegeben, seinen Gewinn für das erste Halbjahr um 250 Millionen Pfund überschätzt zu haben. Vier Führungskräfte wurden daraufhin suspendiert. Die Probleme könnten auch damit zusammenhängen, dass Tesco bereits seit April ohne Finanzchef ist. Der frühere Manager Lauri McIlwee hatte seine Kündigung bereits im Frühjahr eingereicht und wurde nach Angaben des Vorstands Richard Broadbent seit Wochen nicht mehr bei Tesco gesehen.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Stewart soll den Vorfall nun untersuchen und feststellen, wie die Überschätzung zustande kam. Marks & Spencer bestätigte den Wechsel und gab auch bekannt, dass Stewart durch seine Kündigung keine Abfindung erhalten werde. Der neue Finanzchef wird es verkraften können: Stewart wird jährlich 750.000 Pfund verdienen, hinzu kommen möglicherweise noch diverse Boni. Damit verdient er fast 30 Prozent mehr als noch bei Marks & Spencer; dort erhielt er „nur“ 579.000 Pfund.

Neben Stewart will Tesco auch auf externe Prüfer setzen. Laut Medienberichten soll Deloitte diese Aufgabe übernehmen. Das Unternehmen soll herausfinden, was die Inflation mit dem Fehler zu tun hat. Dieser sei wohl auch deshalb entstanden, weil ein Teil des Einkommens gebucht wurde, bevor die britische Supermarktkette es tatsächlich verdient hatte, während gleichzeitig bestimmte Kosten erst später gebucht wurden, als sie entstanden.

Der Fehler kostete Tesco am Montag rund zehn Prozent seines Aktienwerts. Das war der niedrigste Stand seit 2003. Am Dienstag ging es für das Papier weiter runter, die Aktie fiel um 2,5 Prozent auf 198 Pence. Der Wert des Unternehmens brach nach Angaben der britischen Zeitung „Guardian“ um rund zwei Milliarden Pfund ein.

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