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11.12.2011

15:44 Uhr

Teurere Tickets

Die Bahn stimmt ihre Kunden auf neue Renditeziele ein

Kurz vor den Feiertagen ist das Fahren mit der Deutschen Bahn zum Teil deutlich teurer geworden. Doch das ist erst der Anfang. Der Konzern will im kommenden Jahr einen Rekordgewinn einstreichen.

Reisender am Automaten: Höhere Preise im Nah- und Fernverkehr. dapd

Reisender am Automaten: Höhere Preise im Nah- und Fernverkehr.

BerlinKurz vor Beginn der Reisezeit vor den Feiertagen ist das Fahren mit der Deutschen Bahn zum Teil deutlich teurer geworden. Mit dem am Sonntag in Kraft getretenen Fahrplanwechsel stiegen die Normalpreise im Fern- und im Nahverkehr im Schnitt um 3,9 Prozent. Auch Wochen, Monats- und Jahreskarten kosten künftig mehr, genauso die Bahncard und viele Pauschaltickets für den Nahverkehr wie das Schöne-Wochenend-Ticket. Die Sparpreise im Fernverkehr bleiben hingegen gleich.

Die teils empfindlichen Preiserhöhungen hatte die Bahn mit deutlich gestiegenen Personal- und Energiekosten begründet. Deutlich mehr Geld müssen Kunden teilweise auch für Sitzplatz-Reservierungen zahlen, die künftig einen einheitlichen Preis von vier Euro haben. Bei Buchung im Internet kostete die Reservierung bisher nur 2,50 Euro in der zweiten Klasse, im Reisezentrum oder per Telefon war sie mit 4,50 Euro etwas teurer.

So fahren Sie günstig mit der Bahn

Sparpreis

Diese Tickets gelten für einfache Fahrten oder für Hin- und Rückfahrt. Sie kosten bei einfacher Strecke - je nach Länge der Reise und Verfügbarkeit - zwischen 19 und 99 Euro. Reisen in Nachbarländer kosten mit dem Europa-Sparpreis ab 19 Euro. Erhältlich sind sie ab drei Monaten und bis zu drei Tage vor der gewünschten Reise. Die Zahl der Tickets ist begrenzt, Gerade rund um Wochenenden und Feiertage sind sie schnell vergriffen. Beim Sparpreis muss sich der Kunde auf einen bestimmten Zug festlegen.

Bahncard

Die Bahncard 25 bietet für 59 Euro im Jahr 25 Prozent Ermäßigung auf alle Fahrkarten. Der Rabatt kann mit anderen Rabatten - auch dem Sparpreis - kombiniert werden. Die Bahncard 50 kostet in der Standardversion 240 Euro. Sie bietet 50 Prozent Rabatt auf alle Fahrkarten. Die Kombination mit anderen Rabatten ist nicht möglich, dafür besteht keine Zugbindung. Die Bahncard 50 lohnt sich für Vielfahrer und für alle, die ihre Reisen lieber kurzfristig planen. Ab etwa 480 Euro Fahrtkosten pro Jahr sparen Bahnkunden mit ihr.

Ehe- und Lebenspartner

Ehe- und Lebenspartner von Bahncard-25-Besitzern können eine eigene, voll gültige sogenannte Zusatzkarte für zehn Euro erhalten. Bedingung dafür ist aber, dass mindestens ein Kind unter 18 Jahren im selben Haushalt lebt. Ansonsten kostet die Partnerkarte 39 Euro. Die Bahncard 50 gibt es für Partner im selben Haushalt für 122 Euro - also gut die Hälfte des Preises der ersten Karte.

Kinder, Jugendliche und Senioren

Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren fahren in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern immer kostenlos, sie müssen aber in die Fahrkarte eingetragen sein. Reisen sie alleine, erhalten sie einen Rabatt von 50 Prozent. Daneben kann sich die Jugend-Bahncard 25 für einmalig zehn Euro lohnen, die bis einschließlich 17 Jahre gilt. Die Bahncard 50 gibt es generell für Kinder bis einschließlich 17 Jahre sowie für Schüler und Studenten bis 26 Jahre zum halben Preis. Auch Senioren ab 60 Jahren zahlen bei der Bahncard 50 nur die Hälfte des Kartenpreises. Keine Ermäßigung gibt es für sie hingegen bei der Bahncard 25.

Tickets für den Nahverkehr

Mit dem Schönes-Wochenende-Ticket können fünf Menschen einen Samstag oder Sonntag lang die Nahverkehrszüge der Bahn nutzen. Im Internet oder am Automaten kostet das Ticket 40 Euro, am Schalter 42 Euro. Die auf eine bestimmte Region beschränkten Ländertickets gelten ebenfalls für bis zu fünf Fahrgäste in der zweiten Klasse des Nahverkehrs. Sie sind von Montag bis Freitag von 09.00 Uhr an gültig, samstags oder sonntags schon von Mitternacht an. Sie kosten für fünf Leute ab 28 Euro. Mit dem Quer-durchs-Land-Ticket kann ein Reisender von montags bis freitags ab 09.00 Uhr für 40 Euro am Automaten und im Internet oder für 42 Euro am Schalter deutschlandweit den gesamten Nahverkehr nutzen. Jeder weitere von maximal vier Mitfahrern zahlt sechs Euro extra.

Weitere Tipps und Tricks

Sparpreis-Tickets und die Pauschaltickets für den Nahverkehr sind am Schalter ein ganzes Stück teurer. Hingegen bringt es mittlerweile nichts mehr, Reservierungen im Internet oder am Ticketautomaten statt am Schalter zu kaufen. Sparen kann, wer bei weiten Fahrten vom ICE auf den IC umsteigt: Der IC ist nur selten viel langsamer, kostet dafür aber meist deutlich weniger. Der „Sparpreis-Finder“ auf der Internetseite der Bahn zeigt, zu welchen Uhrzeiten die besten Preise zu haben sind. Und wer noch vor diesem Sonntag bucht, bekommt die Fahrkarten für die kommenden drei Monate noch zum alten Preis.

Mit den Preiserhöhungen stimmt die Bahn ihre Kunden auf neue Renditeziele ein: Trotz Rezessionsgefahren und der Krise im deutschen Güterverkehr will das Unternehmen im kommenden Jahr einen Rekordgewinn einfahren. Das Betriebsergebnis soll internen Unterlagen zufolge rund 2,75 Milliarden Euro betragen und damit um rund ein Fünftel im Vergleich zu 2011 steigen.

Der Umsatz soll erstmals die 40-Milliarden-Marke knacken, wie aus den internen Zahlen hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlagen.

Wichtigste Sparten werden demnach das staatlich subventionierte Schienennetz mit rund einer Milliarde Euro Gewinn sein sowie der ebenfalls mit Steuergeldern gestützte Nahverkehr mit ähnlichem Ergebnis. Bis 2016 soll es weiter aufwärtsgehen: Der Umsatz soll 50 Milliarden Euro erreichen, der Gewinn auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. Auch der "Spiegel berichtet, dass die Bahn mit dem steuerfinanzierten Schiennetz mehr Geld verdienen will.

In diesem Jahr wird der Konzern den Planungen zufolge das Gewinnziel mit einem Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 2,3 Milliarden Euro leicht verfehlen, was vor allem auf die Güterbahn zurückzuführen ist. Der Umsatz des Konzerns soll 38,4 Milliarden Euro betragen.

Im Gegensatz zum Güterverkehr, der vor allem unter hohen Instandhaltungskosten leidet und der jetzt auf seine Rentabilität überprüft wird, geht der Konzern davon aus, dass IC und ICE im Fernverkehr im kommenden Jahr ihre Gewinne um mehr als 60 Prozent steigern.

Die Umstellung des Fahrplans zu Mitternacht verlief nach Angaben eines Bahnsprechers wie geplant. „Wir sind sehr gut in den dritten Advent gestartet“, die Situation sei am Sonntag entspannt gewesen. Die Umstellung betrifft nach Bahnangaben 27.000 Züge, die täglich im Nah- und Fernverkehr unterwegs sind.

Nach Angaben des Sprechers ist die Bahn auch auf die Wintermonate gut vorbereitet. So seien zusätzliche Abtaukapazitäten in fünf Instandhaltungswerken geschaffen worden. Fast alle der 48.000 Weichen, die im Personenverkehr eine Rolle spielten, verfügten mittlerweile über Heizungen. Für die Schneeräumung seien 19.600 Mitarbeiter eingeplant, doppelt so viele wie im Vorjahr. An den Bahnhöfen wurden 2800 zusätzliche Schriftanzeiger in Betrieb genommen, um die Fahrgäste besser über Verspätungen informieren zu können. Im vergangenen Winter war die Bahn wegen zahlreicher Verspätungen und Zugausfälle zum wiederholten Mal in die Kritik geraten.

Von

afp

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

11.12.2011, 16:07 Uhr

Von mir aus, die Bahn benutze ich nur noch wenn es wirklich nicht anders geht. Rein aus Erfahrung.

Account gelöscht!

11.12.2011, 16:10 Uhr

Nachtrag:
Vielleicht noch zum Kathastrophentourismus nach Suttgart :-)

Daniel

11.12.2011, 16:11 Uhr

4 Euro für die Platzreservierung ?!? Das ist unverschämt !

Ist es mittlerweile ein Luxusanspruch, bei einer Bahnreise, für die man ohnehin schon ziemlich viel Geld hingelegt hat, auch noch sitzen zu wollen ?!?

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