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14.05.2013

01:17 Uhr

Textilbranche Bangladesch

H&M, C&A und Zara stellen sich hinter Arbeiterschutz-Pläne

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch wurde die Suche nach Opfern eingestellt. Fast 2500 wurden verletzt, 1127 wurden tot geborgen. Nun machen Moderiesen Zusagen für mehr Arbeiterschutz.

H&M will die Arbeit in Bangladesch sicherer machen. AFP

H&M will die Arbeit in Bangladesch sicherer machen.

StockholmDie beiden weltgrößten Bekleidungsriesen H&M und die Zara-Mutter Inditex wollen nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1100 Toten die Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land verbessern. Man wolle einer entsprechenden Vereinbarung zustimmen, teilte H&M-Managerin Helena Helmersson am Montag mit.

Ein Inditex-Sprecher bestätigte, dass der spanische Konzern ebenfalls dabei sein werde. Aus Deutschland wollen sich die Modekette C&A und der Konsumgüterhersteller Tchibo beteiligen. Auch der Textildiscounter Primark will das Abkommen unterzeichnen.

Die Internationale Arbeitsorganisation, Gewerkschaften wie IndustriALL und andere haben die auf fünf Jahre angelegte Vereinbarung ausgehandelt, deren finaler Entwurf am Mittwoch veröffentlicht werden soll. Ein IndustriALL-Sprecher forderte andere Einzelhändler wie Gap und Wal-Mart auf, sich ebenfalls anzuschließen.

Die neuen Regeln beinhalteten eine Stärkung der Arbeitsrechte, eine höhere Gebäudesicherheit mit mehr Brandschutz, bessere Ausbildung sowie finanzielle Unterstützung. Calvin-Klein-Mutter PVH habe signalisiert, sich ebenfalls mit einem Millionenbeitrag beteiligen zu wollen.

H&M hatte zwar keine Verträge mit den Zulieferern, die in dieser Fabrik tätig waren, gehört aber zu den größten industriellen Kunden der Textilindustrie in Bangladesch. Die für „Nachhaltigkeit“ zuständige Unternehmensvertreterin Helena Helmersson erklärte, die für eine Zeit von fünf Jahren vorgesehene neue Regelung sei ein „pragmatischer Schritt in Richtung Brand- und Gebäudesicherheit für Textilarbeiter“. Bisher wurden diese Vorschläge durch westliche Großabnehmer von Textilien stets zurückgewiesen.

Das Abkommen soll einen Schlussstrich unter eine Serie von Unglücken in der Textilindustrie von Bangladesch ziehen, die die großen Bekleidungshersteller in Verruf brachte. Ihnen wird vorgeworfen, die Bewohner des südasiatischen Landes als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen.

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Auch die Regierung des asiatischen Landes ist nach der jüngsten Katastrophe tätig geworden. Arbeiter dürfen sich künftig in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen, erklärte Sprecher Mosharraf Hossain Bhuiyan am Montag in Dhaka.

Die Regierung kippte damit eine Regelung, wonach die Arbeiter für die Gründung einer Gewerkschaft die Zustimmung des Fabrikbesitzers brauchen. Bereits am Sonntagabend hatte das Kabinett entschieden, den gesetzlichen Mindestlohn von Textilarbeitern anzuheben, der derzeit bei etwa 30 Euro pro Monat liegt. Eine neue Summe wurde aber noch nicht festgelegt.

Am Ort der Katastrophe wurde unterdessen die Suche nach Opfern eingestellt. Nach offiziellen Angaben wurden bis Montagabend 2438 Verletzte und 1127 Leichen geborgen. Wegen andauernder Streiks und Unruhen beschlossen die Textilunternehmer im wichtigen Industriegebiet Ashulia nahe der Hauptstadt Dhaka, die Fabriken auf unbestimmte Zeit zu schließen.

In den fast 4000 Textilunternehmen in Bangladesch arbeiten mehr als 3,5 Millionen Menschen. Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Bangladesch.

Von

rtr

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